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Corona: Zahl der Hungernden könnte deutlich zunehmen

In Chiles Hauptstadt kam es wegen Geldsorgen aufgrund der Ausgangssperre zu Protesten und Plünderungen

  • Lesedauer: 3 Min.
Chile, Santiago: Demonstranten fordern Nahrungsmittelhilfe von der Regierung fordern
Chile, Santiago: Demonstranten fordern Nahrungsmittelhilfe von der Regierung fordern

In Chile ist es vor dem Hintergrund der Corona-Ausgangssperre in der Nacht zum Dienstag in ärmeren Stadtvierteln der Hauptstadt Santiago de Chile zu Protesten und Plünderungen gekommen. »Wir haben Hunger« oder »Wir müssen arbeiten, wir brauchen Unterstützung« waren einige der Protestrufe, die zu hören waren. In der chilenischen Hauptstadt gilt seit Freitag eine strikte Ausgangssperre, um die rasante Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

»Wir sind schon seit vielen Wochen in Quarantäne, schon bevor der Präsident dies angeordnet hat, weil wir wissen, dass es nicht genug Betten in unseren Krankenhäusern im Süden von Santiago gibt«, sagte die Bürgermeisterin von La Pintana, Claudia Pizarro, dem Sender Cooperativa. »Der Hunger ist schon seit einigen Wochen sichtbar. Jeden Tag organisieren die Leute mehr Suppenküchen.«

Dem konservativen Präsidenten Sebastián Piñera warf sie vor, trotz »spektakulärer Ankündigungen« in dem Moment nicht präsent zu sein, in dem er gebraucht würde. Der Staatschef hatte die Verteilung von Lebensmitteln an die Ärmsten am Sonntag angekündigt, ohne aber einen Zeitpunkt oder einen Ort zu nennen.

»Den Leuten ist es schon egal, ob Hunger oder Coronavirus«, sagte Pizarro und erinnerte daran, dass in La Pintana mehr als 40 Prozent der Bevölkerung infiziert sei. »Hier werden viele sterben; hoffentlich täusche ich mich.«

Noch dramatischer ist die Situation in weiten Teilen Afrikas, wo die Zahl der hungernden Menschen wegen der Corona-Pandemie deutlichen zunehmen könnte. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen gegen das Virus kämen zu zahlreichen regionalen Konflikten, Dürren, Überflutungen und einer massiven Heuschreckenplage hinzu, erklärte das Welternährungsprogramm (WFP) am Dienstag.

Am größten sei die Bedrohung für arme Menschen in den Slums großer Städte und Millionen Flüchtlinge. »Mehr Menschen werden vermutlich wegen der sozio-ökonomischen Auswirkungen von Covid-19 sterben als am Virus selbst«, sagte stellvertretende WFP-Regionaldirektorin Brenda Behan in Nairobi.

Im südlichen Afrika könnten in den kommenden Wochen und Monaten etwa 42 Millionen Menschen Lebensmittelhilfen brauchen, um zu überleben. Bereits jetzt haben demnach 26 Millionen Menschen auf dem Land nicht genug zu essen. Zwar würden die bevorstehenden Ernten die Lage entschärfen, doch Ausgangsbeschränkungen erschwerten es den Bauern, ihre Produkte zu verkaufen. Der Höhepunkt der Pandemie wird im südlichen Afrika erst zwischen Mitte Juli und September erwartet.

Rund 20 Millionen Menschen in neun Ländern in West- und Ostafrika hungerten laut WFP bereits vor der Coronakrise. Ihre Zahl könnte in Äthiopien, Südsudan, Kenia, Somalia, Uganda, Ruanda, Burundi, Dschibuti und Eritrea auf bis zu 43 Millionen steigen. Etwa 3,3 Millionen von ihnen sind demnach Flüchtlinge. Wegen Finanzierungslücken bekämen die meisten von ihnen bereits jetzt weniger Lebensmittel als sie bräuchten, erklärte die Regionaldirektorin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Clementine Nkweta Salami. Agenturen/nd

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