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Berlins Volleyballer könnten auswandern

Weil die BR Volleys in Deutschland keine Wachstumsmöglichkeiten mehr sehen, denken sie an einen Wechsel in andere Ligen

  • Von Thomas Wolfer und Karsten Doneck
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Dienstag sahen sich die Berlin Volleys genötigt, zurückzurudern. »Das sind im Moment doch nur Gedankenspiele«, sagte Geschäftsführer Matthias Klee und ergänzte: »Wir arbeiten weder gegen die Bundesliga noch ist es unser Ziel, die Liga kaputt zu machen.« Am Tag zuvor klangen die Gedankenspiele schon recht konkret: Der deutsche Volleyballmeister befasst sich demnach mit einem Wechsel in die polnische Eliteliga. »Wir haben Kontakt zum polnischen Verband aufgenommen, uns ausgetauscht und sind mit unserer Idee auf nicht ganz taube Ohren gestoßen«, hatte Manager Kaweh Niroomand am Montag gesagt. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass der Klub aus der Hauptstadt in der kommenden Saison in der Bundesliga verbleibt, sich mittelfristig aber auch nach Wachstumsmöglichkeiten umschaut.

»Es gibt in diesem Zusammenhang nichts Konzeptionelles«, meinte Niroomand. Dass die Volleys aber nach einer sportlichen Herausforderung suchen und diese im Nachbarland finden könnten, ist nicht neu. Und Niroomand verriet immerhin: »Jetzt sind die Pläne so konkret wie noch nie.« Zuletzt hatten die Berlin Volleys noch Medienberichte über die Einreichung eines Lizenzantrages für die polnische PlusLiga dementiert. Die schwierige wirtschaftliche Lage während der Coronavirus-Pandemie macht es nun aber nötig, sich nach Alternativen umzusehen.

»Die Liga wird schwächer sein nach Corona«, sagte Niroomand. Die Berliner fürchten, sich in der Bundesliga nicht mehr weiterentwickeln zu können, sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Mehrere Teams haben für die nächste Spielzeit ihren Rückzug erklärt. »Auch in den Bereichen Infrastruktur, Marketing, Vertrieb, Ticketing und so weiter kommen wir in der Bundesliga nicht mehr richtig voran«, so Niroomand. Er bemängelt hierzulande die fehlende Unterstützung: »Unser Verband macht sich strategisch zu wenig Gedanken.«

Die Wahrscheinlichkeit, dass es mit einem Wechsel ins Nachbarland klappt, sei »nicht so groß«, gab Niroomand zwar zu. Auch der europäische Verband CEV könnte das noch verhindern, aber: »Wir müssen es einfach probieren.« Wann ein Wechsel möglich sein kann, ist offen. Wenn überhaupt, wäre das »allein schon aus organisatorischen Gründen frühestens für die Saison 2021/2022 möglich«, meinte Niroomand.

Die Volleyball Bundesliga (VBL) kritisierte die Pläne prompt. »Mit Blick auf Themen wie die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Herbst, die derzeit im Fokus stehen, empfinde ich das Verhalten der Berliner als unsolidarisch«, erklärte VBL-Präsident Michael Evers am Montag. Er sei »sehr erstaunt, dass ein Verein in der aktuellen Situation mit dem Gedanken spielt, die Solidargemeinschaft der Volleyball Bundesliga zu verlassen.«

Die Kritik konterte Klee am Dienstag direkt: »Ich glaube, die BR Volleys haben in der Vergangenheit sehr viel zur Entwicklung des Volleyballs in Deutschland beigetragen.« Er ging sogar noch weiter. Auch einer Diskussion um eine neu zu gründende Europaliga stehen die BR Volleys aufgeschlossen gegenüber. »Das kann auch eine Option sein«, sagte Klee: »Auch darüber sollte man offen sprechen.«

Für die kommende Spielzeit stellte der Klub jedenfalls nur einen Lizenzantrag für das deutsche Oberhaus. Dort hatte das Team des französischen Trainers Cedric Enard unmittelbar vor dem Ende der Hauptrunde auf dem ersten Rang gelegen. Der vorzeitige Abbruch vor dem Beginn der Playoffs machte es dann unmöglich, den Meistertitel aus dem Vorjahr erfolgreich zu verteidigen. dpa/nd

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