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Erst Kurzarbeit, dann Gehaltsverzicht

Die Eishockeyprofis in Deutschland würden große Abstriche hinnehmen, kritisieren aber das Vorgehen der DEL

  • Von Manfred Hönel
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Deutsche Eishockey Liga plant nach dem Abbruch der vergangenen Saison bereits den Beginn der nächsten. Größter Zankapfel ist die Forderung, dass Spieler auf ein Viertel ihres Gehaltes verzichten sollen.

Im »Welli« krachen endlich wieder die Pucks an die Bande. Seit vergangener Woche dürfen die Junioren der Eisbären Berlin im Wellblechpalast ihre Schläger zumindest in kleinen Gruppen wieder schwingen. In den nächsten Tagen sollen auch die Profis in Berlin-Hohenschönhausen wieder aufs Eis zurückkehren können. »Das Eistraining ist zu dieser Jahreszeit zwar nicht ganz so wichtig. Es steht eher die Athletikausbildung im Vordergrund. Aber durch die besonderen Umstände ist eine Übungsstunde auf dem Eis psychologisch wichtig für die Spieler«, sagt Berlins Sportdirektor Stephane Richer.

Das Coronavirus traf die Eishockeyspieler weltweit ebenso hart wie alle anderen Sportler. Bis auf ein paar Hallen in Belarus ruht der Spielbetrieb überall. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) wurde ohne Playoffs gleich ganz abgebrochen. Bis Montag reichten nun alle 14 bisherigen Klubs die Lizenzanträge für die kommende Saison 2020/21 ein. Im Vergleich zum Fußball fällt es ihnen aber schwerer, ohne Zuschauer zu überleben. Die Fernseheinnahmen von den Rechteinhabern Telekom und Sport1 helfen zwar, sind aber eher ein angenehmes Zubrot als eine ausreichende Grundlage der Budgets.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gab sich mit Blick auf die nächste Spielzeit deshalb keineswegs blauäugig, als er in einer Schaltkonferenz warnte: »Wir wissen nicht, ob wir mit der Saison am 18. September beginnen können, und welche Auswirkung die Coronakrise auf das Sponsoring und den Zuschauerzuspruch haben wird. Unsere einzige variablen Kosten sind die Gehälter der Spieler.«

Beim letzten Satz wurden die Eishockeyprofis hellhörig. Die bisherige Höhe ihrer Gehälter werden sich die Vereine offenbar nicht mehr leisten können, zumal fast alle Angestellten bereits in Kurzarbeit geschickt worden sind. Bei den Eisbären erklärte zwar Geschäftsführer Peter John Lee selbst einen Gehaltsverzicht. Doch das ist unter den Managern und Trainern keineswegs Pflicht. In den Anforderungen für eine Erteilung der DEL-Lizenz steht nun aber, dass sich die Klubs mit den Spielern auf einen 25-prozentigen Gehaltsverzicht zu einigen haben. Die meisten Vereine müssen diese Einigungen noch nachreichen - auch die Berliner Eisbären.

Die Mehrzahl der Spieler zeigt sich grundsätzlich zu einem schmaleren Salär bereit, wie Eisbären-Verteidiger Jonas Müller klarstellt: »Ich würde dem Vorschlag zustimmen, denn wenn wir alle auf die Verträge pochen, gibt es plötzlich den Verein nicht mehr und das würde uns Spielern, den Angestellten, den Trainern und natürlich auch den Fans nichts nützen.« Zumal die Anschutz-Gruppe als Besitzer der Eisbären von den Pandemiefolgen recht hart getroffen ist. Seit Wochen stehen die 300 Arenen und Stadien des Konzerns auf fünf Kontinenten leer, denn Konzerte und Shows wurden ebenso abgesagt wie Basketball- und Eishockeyspiele.

Die Neugestaltung der Kontrakte dürfte nicht einfach werden, da die Verträge äußerst unterschiedlich verfasst sind. Zwar sind die meisten Profis mit Ganzjahresverträgen ausgestattet. Es gibt jedoch auch Spieler, deren Anstellung auf acht Monate begrenzt sind. Im Fachblatt »Eishockey News« erklärte Gernot Tripcke: »Wir wollen keinen über den Tisch ziehen. Das Geld ist derzeit einfach nicht da. Das müssen die Spieler realisieren.«

Nationalspieler Moritz Müller von den Kölner Haien entgegnete im gleichen Blatt, dass die Spieler nicht der Gehaltsverzicht an sich stört, sondern das Pauschale daran und der Zeitdruck. Er wünsche sich, dass sich die DEL- und Klubmanager mit den Spielern an einen Tisch setzen, »dann können wir gemeinsam die beste Lösung finden - fernab von zeitlichen Begrenzungen und Drohungen. Eine pauschale Lösung ist aus meiner Sicht nicht möglich, dafür sind die Probleme zu unterschiedlich.«

Bis zum Saisonstart ist für die Spieler ein Nettobetrag von 2900 Euro plus Auto und Wohnung vorgesehen. Falls alle 26 Heimspiele der Hauptrunde ausgetragen werden, steigt das Gehalt auf 75 Prozent der Vertragssumme. Kann ein Verein die gleichen Einnahmen wie in diesem Jahr generieren, könnte es sogar noch auf 100 Prozent steigen. Es bleibt jedoch höchst unwahrscheinlich, dass schon ab September vor vollen Häusern und mit ausreichend Sponsoren und TV-Partnern gespielt werden kann.

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