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Ein Drittel der Ausbildungsplätze gefährdet

Experten erörtern Vorschläge zur Bewältigung der coronabedingten Krise auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.

»Kein Jugendlicher soll verloren gehen«, beteuert Marcus Weichert, Geschäftsführer der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur am Donnerstag im Ausschuss für Integration, Arbeit und Soziales des Abgeordnetenhauses. Weichert ist einer von mehreren arbeitsmarktpolitischen Experten, die zur Anhörung geladen wurden, um die Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Coronakrise zu erörtern.

Selbstverständlich geht es dabei, so kurz vor dem Ende des Schul- und dem Beginn des Ausbildungsjahrs, auch um die vielen Berliner Jugendlichen, die mit den Corona-Eindämmungsverordnungen zum Teil von ihren Ausbildungsplätzen, aber auch von einer Beratung hinsichtlich zukünftiger Berufsqualifikation abgeschnitten waren. Die Jugendberufsagenturen haben wie die Jobcenter der Arbeitsagentur den Publikumsverkehr eingestellt und ihre Dienste auf Online- und Telefonangebote umgestellt. Das muss nicht in allen Fällen schlecht sein, denn vorher mangelte es oft an der Möglichkeit, sich telefonisch beraten zu lassen. Wenn dies nun plötzlich die Regel ist, stellt es andere wiederum vor große Herausforderungen: »Wir müssen uns zurechtfinden in dieser Situation, die wir so noch nicht hatten«, erklärt Marcus Weichert die Schwierigkeiten aufseiten der Jobcenter. Immerhin habe es seit Beginn des Shutdowns 40 000 telefonische Beratungsgespräche gegeben, etliche Menschen würden anzeigen, dass sie angesichts der Krise auch zur beruflichen Umorientierung und Weiterbildung bereit sind.

Dies scheint nicht verwunderlich, denn die Arbeitslosigkeit wird vor dem Hintergrund vielfach erwarteter oder bereits ausgesprochener Kündigungen oder in Kündigungen umgewandelter Kurzarbeitsverhältnisse voraussichtlich weiter dramatisch ansteigen. Über 30 000 Menschen mehr hätten sich im April arbeitslos gemeldet, referiert auch Weichert anhand entsprechender Zahlen: 182 618 Menschen arbeitslos (April 2019: 152 565), 343 465 erwerbsfähige Leistungsbezieher, 32 000 Unternehmen in Kurzarbeit.

Bisher hätten aber alle, die auf Leistungen angewiesen seien, diese auch bekommen, erklärt Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke).

Und auch wenn Christian Hoßbach, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Berlin-Brandenburg, dem Arbeitsagentur-Vertreter insofern beipflichtet, dass man davon ausgehen könne, dass eine Berufsorientierung mittlerweile nicht erst drei Monate vor Ausbildungsbeginn einsetze, hat auch er Zweifel, dass die Bemühungen der Arbeitsagentur derzeit ausreichen. Es brauche mehr Personal, mehr Kommunikation.

»Die Regionaldirektion muss aufstocken«, fordert auch die arbeitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Katina Schubert. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sabine Bangert, nimmt Weichert zugleich ordentlich in die Mangel: »Wann werden die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wieder hochgefahren«, fragt sie den Geschäftsführer mehrmals, ohne eine konkrete Antwort zu erhalten. Bangert nennt die Reduzierung der Jugendarbeitsagenturen »eine Katastrophe«. Von Jörg Nolte, Geschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), der ebenfalls zur Anhörung erschienen ist, fordert sie in diesem Zusammenhang zusätzliche Ausbildungsplätze.

Nolte verweist indes auf die »verheerende Lage« in den von der Krise besonders betroffenen Branchen Gastronomie und Tourismus. Zwischen 30 und 70 Prozent betragen demnach die erwarteten Einbußen. Allein auf diese Bereiche entfallen 30 Prozent der Ausbildungsplätze.

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