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Der Überlebende

Personalie

Von Ulrike Henning

Im Februar schien Covid-19 noch weit von Europa entfernt. Peter Piot, der Direktor der London School of Hygiene and Tropical Medicine sprach damals in einem Vortrag in Berlin über den Stand der Vorbereitung auf eine mögliche neue Pandemie. Im Museum für Naturkunde, im Sauriersaal, direkt zu Füßen des Brachiosaurus brancai, lauschte eine im Durchschnitt recht junge Wissenschaftsgemeinde seinen Worten. Damals sagte Piot: »Covid-19 zeigt uns definitiv, dass der Ausbruch einer Infektionskrankheit viele Tausend Kilometer weit entfernt nicht mehr länger eine lokale Angelegenheit ist.«

Wie nahe ihm das neue Coronavirus kommen sollte, konnte der Infektionsbiologe vor drei Monaten noch nicht ahnen. Inzwischen ist der 71-Jährige schon fast wieder von seiner Infektion mit Sars-CoV-2 genesen. Der in seinem Fall recht schwere Verlauf der Krankheit hat jedoch Spuren hinterlassen. Piot kommt die Treppen in seinem Haus noch nicht ohne Verschnaufpause hoch. Vor der Ansteckung, von der er bis heute nicht weiß, wo sie erfolgte, hielt er sich für recht fit. Er hatte schon immer viel gearbeitet, berichtete er den Medien, war viel zu Fuß gegangen und regelmäßig mehrmals in der Woche gejoggt. Letzteres kann er noch nicht wieder, möglicherweise muss er bis zum Lebensende Blutverdünner nehmen. Das alles hindert Piot aber nicht daran, sich beruflich weiter mit der Pandemie auseinanderzusetzen - nur jetzt noch reflektierter.

Der Belgier hatte 1976 in Zaire das Ebola-Virus mit entdeckt, er war Initiator früherer HIV/Aids-Hilsprogramme und leitete UNAIDS von 1995 bis 2008. Aus dieser beruflichen Erfahrung heraus betont Piot heute, dass gesellschaftliche Folgen von Pandemien immer mitzudenken und mitzugestalten sind. »Hier in England fordern einige Behörden bereits einen Stopp aller medizinischen Behandlungen für Menschen über 70 Jahre ... Ich bestehe darauf, dass jedes Menschenleben unter allen Umständen wichtig ist«, lautet eine seiner Schlussfolgerungen zum aktuellen Pandemiegeschehen.

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