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AfD-Bürgermeister von Burladingen tritt ab

Mit Harry Ebert ist der einzige extrem rechte Bürgermeister in Baden-Württemberg in den Ruhestand gegangen

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

21 Jahre lang war Harry Ebert Bürgermeister von Burladingen. 12.000 Einwohner, eine Kleistadt in Baden-Württemberg malerisch zwischen Bergen, Wiesen und Tälern gelegen. Fotos auf der Webseite der Gemeinde zeichnen das Bild eines spießigen, kleinbürgerlichen Idylls.

Ebenfalls auf dem Internetauftritt findet sich eine Erklärung Eberts, der sich am 1. Juni in den Ruhestand verabschiedete. Die Mitteilung liest sich, wie sich wohl jeder Bürgermeister nach so vielen Jahren verabschieden würde. Ebert lobt seine Leistungen als Rathauschef, betont, was sich unter seiner Führung positives getan hat - schreibt über die Sanierung öffentlicher Infraktstruktur, die solide Haushaltspolitik und den geplanten Bau von Windkraftanlagen.

Das alles wäre nur für die Lokalpresse interessant, wäre Ebert einfach nur ein x-beliebiger Bürgermeister gewesen. Doch die Kleinstadt, die bundesweit zuvor höchstens jemand etwas durch den Sitz des Textilherstellers Trigema sagte, geriet 2018 in die bundesweiten Schlagzeilen. Damals wurde Eberts Mitgliedschaft in der AfD bekannt.

Wie vergiftet die Stimmung in der Lokalpolitik seitdem gewesen sein muss, lässt sich an Eberts Abschiedserklärung erahnen. »Die letzten Jahre waren kommunalpolitisch insbesondere durch Streit geprägt«, schreibt der Ex-Bürgermeister. Gegen den Gemeinderat teilt er am Ende seiner politischen Laufbahn noch einmal kräftig aus. Er sei kein »Anhänger einer der Altparteien«, gegen ihn habe nur ein »kleine Gruppe von Störenfrieden« gehandelt und auch die Lokalpresse habe eine »unrühmliche Rolle« gespielt und sich in ihrer Berichterstattung gegen einen »missliebigen Bürgermeister« gerichtet.

Durchforstet man allerdings die Berichterstattung der einschlägigen Lokalmedien, wird klar, dass Ebert nicht einfach nur der harmlose Bürgermeister war, als den er sich selbst sieht. Schwaebische.de berichtet, Ebert sei früher CDU-Mitglied gewesen, die Migrationspolitik habe ihn 2018 in die AfD getrieben. Sein Wechsel hatte damals für Schlagzeilen gesorgt. Nach Kenntnis von Städte- und Gemeindetag gibt es in Baden-Württemberg sonst keinen weiteren Bürgermeister mit AfD-Parteibuch.

Laut »Südwestpresse« fiel Ebert aber schon lange vor seinem Wechsel in die Partei der extremen Rechten wiederholt durch fragwürdiges Handeln auf. Als 2006 Neonazis eine Schlägerei auf dem Weihnachtsmarkt anzetteln, erklärt Ebert, er lasse sich seine Stadt nicht braun anmalen. Als 2012 das Grab einer durch das NS-Regime verfolgten Sinti-Familie unter Denkmalschutz gestellt wird, bleibt der Bürgermeister der Feierstunde fern. Den Vogel schoß Ebert sprichtwörtlich ab, als er im Februar 2019 dem völkisch-nationalistischen »Flügel« die Stadthalle für eine Veranstaltung zur Verfügung stellte.

Auch mit der Lokalpresse überwarf sich das Stadtoberhaupt und behinderte wiederholt die Arbeit von Reportern, weshalb Ebert 2018 den Negativpreis »Verschlossene Auster« der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche erhielt.

So unrühmlich wie die letzten Amtsjahre war auch Eberts Abgang. Bereits im Sommer 2019 hatte er seinen Rückzug von der Rathausspitze für Ende Oktober angekündigt, passiert ist damals nichts. Nun hat er sich doch aus dem Amt verabschiedet. Seine reguläre Amtszeit hätte erst 2023 geendet.

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