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»Black and white. Unite, unite!«

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

Weston McKennie, Jadon Sancho, Achraf Hakimi, Marcus Thuram, Anthony Modeste. Fällt was auf? All diese Spieler, die in den vergangenen Tagen ihre Solidarität mit George Floyd in Stadien der Fußball-Bundesliga zeigten, sind schwarz. Die weißen Macher in Liga und Verband sagen, der Protest sei in Ordnung. Man solle mit Augenmaß an die Sache herangehen und die Spieler nicht für politische Botschaften auf dem Platz bestrafen. Derlei war am Dienstag nun auch vom Deutschen Fußball-Bund zu hören. Doch ist es das, was McKennie und Co. wirklich wollen? Die Erlaubnis zu protestieren, so wie sie es tun? Wollen sie nicht vielmehr ihre Teamkameraden, Trainer, Manager und Präsidenten an ihrer Seite wissen? Vereint im Protest?

Audioreportage von USA-Korrespondent Max Böhnel zu den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus

In England ist zumindest auf Spielerebene genau das jetzt passiert. Die Spieler des FC Liverpool knieten vor dem Training am Montag alle gemeinsam. Egal ob schwarz oder weiß.

Als Footballer Colin Kaepernick vor knapp vier Jahren damit begann, im Protest gegen rassistische Polizeigewalt in den USA während der Nationalhymne zu knien, solidarisierten sich fast ausschließlich schwarze Spieler mit ihm. Manche ihrer weißen Kollegen legten zwar den Arm um die Kameraden, um noch irgendwie eine Teameinheit zu präsentieren, aber am Ende war es doch ein schwarzer Mann auf Knien und ein weißer, der über ihm stand. Die größte Angst der NFL-Bosse, dass sich auch die weißen Spieler am Protest beteiligen würden, blieb unbegründet. Und so blieb der Eindruck hängen, dass alles sei nur ein Problem der Schwarzen in den USA.

Signale der Solidarität mit George Floyd und den unzähligen anderen Opfern rassistischer Polizeigewalt - nicht nur in den USA - wären so viel stärker, wenn auch weiße Spieler »Black lives matter« auf ihre Hemden und Schuhe schreiben würden. Ein gemeinsames Knien gab es in der Bundesliga-Geschichte schon mal zu Zeiten von Kaepernick, als sich Spieler, Trainer und Manager von Hertha BSC im Berliner Olympiastadion gemeinsam dem Protest anschlossen. In aller Welt gab es Beifall dafür. In Deutschland wurde dem Klub stattdessen vorgeworfen, es nur für die gute PR getan zu haben. Dies wurde nie belegt. Und selbst wenn: In diesem Fall heiligen die Mittel allemal den guten Zweck. In Liverpool ging der Protest eindeutig von den Spielern aus. Das war schon daran zu erkennen, dass der Klub das Bild erst Stunden nach den Spielern twitterte.

Ja, auch weiße deutsche Fußballer, die noch nie Angst vor Polizisten haben mussten, sollten sich den Protesten ihrer Kameraden anschließen. Rassismus ist nun mal ein Problem der gesamten Gesellschaft, nicht nur das einer Minderheit. Deswegen ist das Bild, das der FC Liverpool bot, so kraftvoll und wichtig.

»Black and white. Unite, unite!« So beschrieb einst Wolf Biermann die Forderung des weißen Briefträgers William L. Moore, der in den 1960er Jahren gegen Rassismus in den USA protestierte, bis er erschossen wurde. »Die Weißen können niemals wirklich frei sein, solange nicht alle Menschen ihre Rechte haben«, war Moores eindrucksvolle These. Biermanns Ballade über ihn endet mit den Zeilen: »Und er starb ganz allein. Und er bleibt nicht allein!« Mehr als ein halbes Jahrhundert danach ist es Zeit, dass dieser Wunsch endlich in Erfüllung geht. Oliver Kern

Foto: twitter.com/VirgilvDijk

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