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Corona lastet auf dem Arbeitsmarkt

Zum ersten Mal seit 2015 steigt die Arbeitslosenzahl in Berlin wieder auf über 200 000

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Coronakrise hatte auch im Mai den Arbeitsmarkt in der Hauptstadtregion fest im Griff. Konnten die Unternehmen in den Vorjahren von der üblichen Frühjahrsbelebung der Konjunktur profitieren, so bleibt dieser sonst mit sinkenden Arbeitslosenzahlen ver᠆bundene Effekt in diesem Jahr, ungeachtet erster Lockerungen der Corona-Eindämmungsverordnung, aus. »Der Arbeitsmarkt bleibt weiter stark angespannt«, sagt Bernd Becking, Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, am Mittwoch auf »nd«-Anfrage. Anlass war die Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen für Mai 2020.

In einer dazu veröffentlichten Mitteilung der Agentur hieß es, die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen in Wirtschaft und Gesellschaft hinterließen tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt - daran ändern auch die jüngsten Öffnungsschritte noch nichts. »In Berlin und Brandenburg ist die Arbeitslosigkeit im Mai erneut gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Gleichzeitig arbeiten Zehntausende Unternehmen kurz«, so die Agentur.

»Vor allem auf dem Berliner Arbeitsmarkt sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie schmerzlich spürbar«, erklärt Becking. Den Angaben zufolge waren im Mai in Berlin 200 641 Menschen arbeitslos gemeldet. Damit stieg die Zahl zum ersten Mal seit April 2015 wieder über die Marke von 200 000. Im Vergleich zum April liegt die Zahl der Arbeitslosen um 18 023 höher. Gegenüber Mai 2019 beträgt der Zuwachs 47 210 Personen. Die Arbeitslosenquote erreichte in der Hauptstadt damit zehn Prozent.

Auch in Brandenburg wuchs die Erwerbslosigkeit im Mai deutlich an, die Quote stieg auf 6,5 Prozent. Bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern waren im Mai 86 980 Arbeitslose registriert, 3840 mehr als im April und 11 386 mehr als im Mai 2019. Damit registrierte Brandenburg erstmals seit 1991 in einem Mai wieder einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Wie Bernd Becking dem »nd« weiter erläuterte, seien in den Ländern Berlin und Brandenburg verschiedene Wirtschaftsbereiche in unterschiedlichem Ausmaß von den Folgen des Lockdowns und insbesondere von Entlassungen aus der Erwerbstätigkeit betroffen. In Berlin seien das im Mai weiterhin das Gastgewerbe, gefolgt von den persönlichen Dienstleistungen und der Handel gewesen. Wobei inzwischen eine leichte Abschwächung der negativen Entwicklung eingetreten sei. In Brandenburg seien vor allem Menschen in den Branchen Handel und Dienstleistungen arbeitslos geworden. »An dritter Stelle, und das gibt Anlass zu besonderer Sorge, findet sich in Brandenburg das Verarbeitende Gewerbe mit mehr als 600 Betroffenen«, so Becking. Darunter seien Bereiche wie die Zulieferer in der Automobilindustrie, die bereits vor der Coronakrise in Schwierigkeiten geraten waren. Das Gastgewerbe folgt in Brandenburg erst an vierter Stelle.

Eine noch größere Zunahme der Arbeitslosigkeit wurde, dem Monatsbericht zufolge, durch den Schutzschirm der Kurzarbeit verhindert. Seit März haben in Berlin 37 154 Unternehmen Kurzarbeit für 388 288 Mitarbeiter angezeigt. In Brandenburg vollzogen bislang 24 025 Firmen diesen Schritt für 238 637 Mitarbeiter, um ihre Belegschaften zu halten.

Becking ergänzte, dass in Berlin 4700 Personen zur Grundsicherung Ergänzungszahlungen zu ihren Kurzarbeiterbezügen erhielten, in Brandenburg seien es 920 Personen. »Im Juni greift die erste Erhöhung des Kurzarbeitergeldes für die, die seit März kurzarbeiten«, teilte in diesem Zusammenhang die Arbeitsagentur mit. »Wie viele Menschen tatsächlich kurzgearbeitet haben, kann erst nach den Abrechnungen der Unternehmen berechnet werden.«

Der Agentur zufolge konnten in Berlin im Mai 7696 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und einen neuen Job finden, in Brandenburg waren es 4480. »Die Unternehmen meldeten in Berlin 2800 neue offene Stellen - das sind 500 mehr als im April«, heißt es da. »In Brandenburg kamen 3400 Stellen hinzu.« Neue Stellen gab es demzufolge in Berlin vor allem im Einzelhandel und im Sicherheitsgewerbe, in Brandenburg insbesondere im Ausbaugewerbe, im Bereich Lagerwirtschaft und Güterumschlag.

Erste positive Signale ungeachtet des massiven Drucks machte auch Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, am Arbeitsmarkt aus. »Ohne das Instrument der Kurzarbeit wäre die Lage aber weitaus schlimmer«, sagt er. »Die Unternehmen haben für mehr als 600 000 Beschäftigte in der Region Kurzarbeit angezeigt. Das zeigt, dass die Unternehmen alles daran setzen, ihre Fachkräfte zu halten. Nur dann können sie nach der Krise durchstarten.«

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg erklärte, die Entwicklung müsste auch dem Letzten klargemacht haben, wie notwendig jetzt entschlossene Konjunkturprogramme, die mittel- und langfristig Sicherheit vermitteln könnten. »Gerade für die Entwicklung von Berlin und Brandenburg sollten hier Infrastrukturthemen im Mittelpunkt stehen: Breitbandausbau, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindungen. Das brauchen wir auch, damit es gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land gibt«, so Hoßbach.

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