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Mit »Die Zerstörung der Presse« liefert Rezo eine Kommentierung und Analyse ab, was aus seiner Sicht im Journalismus falsch läuft. Ein interessantes Stück Medienkritik.

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf Journalisten, die mit Youtube und den sprachlichen Codes der Generation »Social Media« kaum in Berührung kommen, muss der Titel des neuesten Machwerks des Webvideoproduzenten Rezo fast zwangsläufig verstörend wirken. Immerhin kündigt er mehr als ein Jahr nach »Die Zerstörung der CDU« nun »Die Zerstörung der Presse« an. Medienschaffende, die sich darüber echauffieren, sind sozusagen der lebende Beweis für das, was der 27-Jährige in seinem knapp einstündigen Video zu erklären versucht. Das Vertrauen von Lesern, Zuschauern oder Zuhörern in die gesamte Medienbranche leidet, wenn Journalisten sich wie Verschwörungsgläubige an Halbwahrheiten und aus dem Kontext gerissenen Zitaten bedienen oder nur eine oberflächliche Auseinandersetzung mit Themen stattfindet.

»Zerstörung«, darauf wies der Publizist Mario Sixtus schon 2019 hin, »ist im Youtube-Slang ein gängiger Begriff, eine Metapher für ›Entlarvung‹ oder auch ›Blamage‹«. Rezo klärt auch nach etwas über zwei Minuten auf, dass es ihm um eine Medienkritik geht, die Missstände in der Branche aufzuzeigen soll.

Wer beim Anschauen im Hinterkopf behält, dass sich dieses Video mit seiner jugendlichen Sprache, den schnellen Schnitten und der Musik nicht in erster Linie an die Journalistenfachblase richtet, sondern an eine Zielgruppe, die sonst wenig mit tradionellen Medienprodukten in Kontakt kommt, kann in dem Beitrag »ein Stück Medienkompetenz, wie sie in dieser Zeit mehr denn je not tut« erkennen, wie Daniel Bouhs auf rbb24.de kommentiert.

Gleich mehrere Thesen zur Medienbranche präsentiert Rezo. Ein zentrales Thema greift er aber gleich in der ersten Hälfte seines Videos auf. Der Youtuber erkennt Parallelen in der Strategie von Verschwörungsideologen, die ihre Erzählungen pseudojournalistisch verpackt im Netz verbreiten, und in der Arbeit von Teilen der etablierten Medien. Rezos zentraler Begriff: Desinformation. Zur Erklärung schlägt er einen Bogen von der Regenbogenpresse, die in ihren Klatschheften ohne Konsequenzen erfundene Geschichten verbreitet über die »Bild«, die jüngst mit einer verzerrten Berichterstattung eine Kampagne gegen den Virologen Christian Drosten lostrat. Dieser »Bullshit«, so Rezo, könne dazu führen, dass Menschen »keinen Anspruch an den Wahrheitsgehalt von Medien« mehr erheben, was sie anfälliger für Verschwörungserzählungen machen könne: Warum überhaupt noch glauben, was in der Zeitung steht?

Rezo fordert: »Seriöse« Medien sollen auf Abstand zu »unseriösen« gehen. »Damit man weiß, dass eure Standards höher sind«, sollten Geschichten aus dem Boulevard nicht weiterverbreitet werden. »Differenzierung ist nicht nur in der Verantwortung der Rezipienten. Und solange ihr als seriöse Presse diese Linie nicht völlig klar macht, erzeugt ihr weiterhin unnötiges Misstrauen und Verunsicherung.«

Eine Schwäche des Videos ist dann aber, wo Rezo die Trennlinie zwischen »seriös« und »unseriös« zieht. Jenseits von »Bild« und »Bunte« sind die Übergänge fließend.

Die Zerstörung der Presse

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