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Ein Hauch Normalität

Abseits des Fußballs wird in vielen Sportarten versucht, wieder Wettbewerbe abzuhalten

Zwei Tischtennisspieler und rings um sie Dutzende Bälle auf dem Boden verstreut: Was die Nachhaltigkeit anbetrifft, gaben Timo Boll und Steffen Mengel keine gute Figur ab, als sie am Dienstagnachmittag das Endspiel des ersten Düsseldorf Masters bestritten, in leerer Halle, aber immerhin live gestreamt im Internet.

Doch die Hygieneregeln des Turniers verlangten es so: Bei jedem Aufschlag wurde ein neuer Ball verwendet, der später immerhin aufgesammelt und gereinigt wurde. Der Schiedsrichter trug einen Mundschutz und Handschuhe; auf Seitenwechsel wurde verzichtet bei dieser Wettkampfserie mit 16 deutschen und internationalen Spitzenspielern, die allesamt in Deutschland wohnen.

Während die Öffentlichkeit ihr Augenmerk vor allem auf die Profifußballerinnen und Fußballer richtet, mühen sich die »anderen« Sportarten, ebenfalls zu so etwas wie Normalität zurückzukehren - zu Wettkämpfen. Nicht nur, um die Sportinteressierten bei der Stange, sondern auch um die Athleten ein wenig bei Laune zu halten. Als der frühere Weltranglistenerste Timo Boll am Dienstag seinen Kontrahenten mit 3:1 bezwungen hatte, zeigte er sich erleichtert: »Es wird einfach Zeit, dass ich wieder ein bisschen Adrenalin bekomme«, sagte der 39-Jährige der ARD. Fortan sollen jeden Montag und Dienstag beim Düsseldorf Masters Punkte gesammelt werden.

Eigene »Beach Liga«

Auch die Beachvolleyballer bemühen sich um Wettkampfpraxis. Und wenn sich der eigene Verband nicht flexibel genug zeigt, organisieren sich die Sportler das Turnier gleich selbst: Vom 13. Juni an werden acht Männer- und acht Frauenteams in Düsseldorf in der »Beach Liga« gegeneinander antreten, die der Profi Alexander Walkenhorst gegründet hat - ohne den Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Im Zeitraum von vier Wochen spielt viermal jeder gegen jeden. Und am letzten Wochenende werden dann in einem Final Four die Meister ermittelt.

Natürlich gelten auch hier Corona-Auflagen. Während des Turniers wird regelmäßig auf Sars-CoV-2 getestet. Zuschauer sind nicht vor Ort, die Streamingplattform Twitch überträgt die Spiele, was die »Beach Liga« vor allem einem jüngeren Publikum bekannt machen könnte.

Der DVV will indes seine Meisterschaften vom 4. bis 6. September am Timmendorfer Strand ausrichten, man hofft, wenigstens 700 Zuschauer auf der 1000-Zuschauer-Tribüne dabei haben zu können. Die Entscheidung darüber soll bis 15. Juni fallen.

Langsam geht es wieder los

Auch die Straßenradsportler haben am Pfingstwochenende ihren ersten Wettkampf seit der Corona-Pandemie ausrichten können - auf geschichtsträchtiger Strecke. 40 Profis starteten auf die 120 Kilometer auf einem 3,5-Kilometer-Rundkurs am legendären Sachsenring, wo 1960 Bernhard Eckstein und Täve Schur bei der Weltmeisterschaft Gold und Silber errangen. Zuvor hatten sich die Radprofis nur auf Rollentrainern gegeneinander messen können.

Die Basketballer schaffen es immerhin, ihre Spielzeit halbwegs ordentlich zu Ende zu bringen. Der Meister der BBL-Saison 2019/20 wird ab Samstag in einem dreiwöchigen Finalturnier in München ermittelt, an dem zehn Klubs teilnehmen.

In den Spätsommer haben die Leichtathleten ihre nationalen Meisterschaften verlegt: Ursprünglich sollten sie am kommenden Wochenende in Braunschweig ausgetragen werden. Nun sind der 8. und 9. August als Termin gesetzt, erneut in Braunschweig. Wegen Corona können Laufdisziplinen ab 1500 Meter nicht ausgetragen werden, die 800 Meter werden auf einer Bahn durchgerannt. Staffeln werden nicht gelaufen. Stabhochspringer und Werfer dürfen nur ihre eigenen Sportgeräte nutzen.

Auch in der Leichtathletik improvisieren die Sportler schon. Das Leipziger Kugelstoßteam um den zweimaligen Weltmeister David Storl wird am Freitag ein Minimeeting ohne Zuschauer auf der Nordanlage des Sportforums abhalten. Es messen sich zehn Athleten aus Leipzig, Chemnitz und Halle. Das Geschehen wird im Livestream via Youtube übertragen.

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