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Zoo Leipzig

Schnell mal in den Dschungel

Gegen Fernweh: Gondwanaland im Zoo Leipzig ist Europas größte Tropenhalle.

Von Carsten Heinke

Ab dem 15.6. darf wieder gereist werden, europaweit zumindest, so hat es die Bundesregierung beschlossen. Für alle, die weiter weg wollen, bleibt die Sehnsucht nach einem Platz, an dem es immer warm und grün ist. Doch gar nicht so weit entfernt - in Sachsen - liegt so ein Ort: Gondwanaland. Statt Flug und Visum braucht man dafür nur Auto, Fernbus oder Zug sowie ein Eintrittsticket für den Zoo Leipzig. Genau zu dem gehört Europas größte Tropenhalle. Nicht weit vom Hauptbahnhof, ist sie bequem zu Fuß oder per Tram erreichbar.

Hinter der Schleusentür ist ewig Sommer. T-Shirt-Wetter, mindestens 25 Grad. Sogar die Luft ist feucht wie in den echten Tropen. Durch eine dunkle Lavatunnelröhre, bewohnt von nachtaktiven Lungenfischen, Tüpfelmardern und Kowari-Beutelmäusen, gelangt man direkt mitten in den Regenwald. Und staunt.

Wie in der echten Wildnis

Ringsum Grün in allen Tönen. Schillernd bunte Vögel, Schmetterlinge und Libellen flattern, schwirren frei umher. Es riecht nach feuchter Erde, Blüten, Laub und Gras. Ein Konzert aus Zwitschern, Pfeifen und Zikadenzirpen. Die schrillen Solostimmen: Affenschreie. Ein Rudel Totenkopfäffchen tobt wie »eine Herde wild geword’ner Affen« durchs Geäst - manchmal so nah, dass man sie berühren könnte. Doch das sollte tunlichst lassen, wer die scharfen Zähnchen und kräftigen Zangenfinger der flinken Kletterer nicht zu spüren bekommen will.

Überall gibt es viel zu sehen. Man läuft über Waldwege und Brücken, steigt auf Hügel und genießt die großartige Aussicht. Oder man fährt mit dem Boot auf dem Fluss Gamanil und erkundet die belebte Natur vom Wasser aus. Das Wegesystem ist durchdacht und die Landschaften sind so gekonnt in Szene gesetzt, dass man schnell vergisst, in einer Halle unterwegs zu sein. Auch die anderen Besucher nimmt man kaum wahr.

Die lichtdurchflutete, 35 Meter hohe Kunstwelt von gut zwei Fußballfeldern Grundfläche ist die Heimat vieler Tiere aus Asien und Australien, Südamerika und Afrika. Neben zahlreichen Vogel- sowie Affenarten gehören dazu auch Tapire und Ozelots, Faultiere und Riesenotter, Zwergflusspferde, Leguane und Komodowarane. Die Gehege sind den Lebensräumen nachempfunden und gehen harmonisch ineinander über. Einige der Tiere, die sich frei bewegen dürfen, lassen sich aus unmittelbarer Nähe beobachten.

Verstecke finden sie genügend. Denn wie im echten Dschungel wuchern vielgestaltige Gewächse zu Zigtausenden in mehreren Etagen. Von Bodendeckern, Kräutern, Blumen, Sumpf- und Wasserpflanzen über Büsche, Bambushaine bis hin zu hohen Bäumen reicht die Artenliste in Gondwanaland. Die Kollektion der wilden Spezies wird ergänzt durch Nutzvegetation: In einem Garten gedeihen exotische Gewürze, Obst und Gemüse. Inzwischen gut gewachsen und vermehrt, stammen die meisten Pflanzen ursprünglich aus Baumschulen und Gärtnereien Thailands, Singapurs, Malaysias und Floridas.

Nachhaltige Architektur

Wann immer es möglich ist, nutzt Gondwanaland die natürliche Sonneneinstrahlung, um sich wie ein Gewächshaus aufzuheizen. Das Dach und die oberen Seitenwände bestehen aus dreilagigen, transparenten Folienkissen, die zwischen dem tragenden Stahlgestänge eingelassen sind. Da sie auch die für Tiere und Pflanzen wichtige UV-Strahlung zu 100 Prozent durchlassen, ist keine zusätzliche künstliche Beleuchtung notwendig. Darüber hinaus bieten die durchsichtigen Luftkissen eine hohe Dämmung und helfen, die Temperatur konstant zu halten.

In einem 100 000 Liter fassenden Erdwärmespeicher wird die tagsüber erzeugte Wärme zunächst gespeichert. Nachts beheizt man damit dann die Halle einschließlich Brauchwasser und Schwimmbecken. Nur in den kalten Monaten ist eine zusätzliche Heizung nötig. Im Sommer dagegen werden die tierischen und pflanzlichen Bewohner vor Überhitzung geschützt.

In der Mitte von Gondwanaland stehen künstliche Baumriesen, die die warme Luft absaugen. Ein ausgeklügeltes System aus Weitwurfdüsen, Bodenauslässen und Lüftungsöffnungen im Dach und den Wänden versorgt die Tropenlandschaft mit frischer, teils gekühlter Luft. Ein Wasserfall sorgt zusätzlich für die notwendige Befeuchtung, um das tropische Klima zu erhalten. Wo es geht, bezieht man weitere natürliche Ressourcen ein. Regenwasser etwa wird in Zisternen gesammelt, gereinigt und zur Bewässerung genutzt.

Mit Gondwanaland als Highlight zählt der Zoo Leipzig zu den populärsten Attraktionen der mitteldeutschen Metropole. Der moderne Tiergarten am Rand des Stadtzentrums, der 1878 als Exotenschau eines Ausflugslokals seinen Anfang nahm, verwandelt sich seit der Jahrtausendwende zu einem »Zoo der Zukunft«. Viele enge Gehege der Vergangenheit wichen tierfreundlicheren Erlebnislandschaften wie einer afrikanischen Savanne, der Tiger-Taiga oder Pongoland, dem weitläufigen Menschenaffendomizil.

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