Handball-Bundesliga

Gemischte Gefühle

Ein emotionsloser Akt beendet eine ungerechte Handballsaison, um die neue wird gekämpft.

Von Alexander Ludewig

Als »surreal« beschreibt Hendrik Pekeler seine Eindrücke vom Donnerstag. Er stand mit seinen Teamkollegen vom THW Kiel auf einem Podium - mit Abstand, Gesichtsmasken und weißen Handschuhen. Die Halle, in der sonst 10 000 Zuschauer toben, wenn Kiels Handballer spielen, war menschenleer. Und es wirkte fast so, als sei die silberne Meisterschale ein unerwünschtes Objekt, so unbeholfen, stocksteif und emotionslos wie sie präsentiert wurde.

Seine Rückkehr auf den Bundesligathron hatte sich der Rekordmeister nach fünf langen Jahren des Wartens ganz sicher anders vorgestellt. Kiels Trainer Filip Jicha empfand den Moment der Siegerehrung dennoch als wichtig. Nicht weil er gleich in seiner ersten Saison den Titel gewann, sondern »als Würdigung der Leistung der Spieler«. Nach dem am 21. April mit großer Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten beschlossenen Saisonabbruch wurde der THW als Tabellenführer vom Ligaverband HBL zum Meister erklärt.

Jichas Gefühl kann Ullrich Sierau sehr gut nachvollziehen. Deshalb wählte Dortmunds Oberbürgermeister mit dem Blick nach Kiel nochmals deutliche Worte. Als »Ungerechtigkeit« empfindet er, dass Borussia Dortmunds Handballerinnen keinen Titel zugesprochen bekamen. Als die Handball Bundesliga Frauen (HBF) im März ihr vorzeitiges Saisonende beschlossen hatte, führte die Borussia die Tabelle an - mit 17 Siegen aus 18 Spielen. Trotz ähnlicher Ausgangslage wie bei den Männern argumentierte die HBF gegenteilig: Weil noch fast ein Drittel der Saison und auch das Spitzenduell des BVB mit den einen Punkt dahinterliegenden Handballerinnen aus Bietigheim noch zu spielen gewesen wäre, gibt es keinen Meister. Borussia Dortmunds Präsident Reinhard Rauball sprach damals von »Diskriminierung«. Ullrich Sierau kritisierte jetzt, »dass sich Sportlerinnen und Teams nicht ausreichend für ihre Leistung wertgeschätzt fühlen«.

Gute Nachrichten gibt es auch. Seit Wochen arbeiten HBL, HBF und der Deutsche Handball-Bund an einem Konzept, wie und wann die neue Saison gestartet werden kann. Im Herbst soll es so weit sein, möglichst mit Zuschauern. Am Donnerstag wurde im Rahmen des Konjunkturpakets des Bundes auch eine Hilfe in Höhe von rund 200 Millionen Euro für die Topligen im Sport beschlossen.

»Anders als der Fußball leben wir nicht von den TV-Einnahmen, sondern sind auf das Geld angewiesen, das wir rund um die Spiele generieren«, erläuterte HBL-Präsident Uwe Schwenker. Viele Vereine treibt die handballlose Zeit an den Rand des Ruins. Ein Mittel zur Genesung haben die Verantwortlichen schon gefunden. Weil die Gehälter der Spieler rund 65 Prozent der Vereinskosten ausmachen, sollen sie auf 25 Prozent verzichten. Die Aktiven sind bereit zu helfen, fordern aber Transparenz. »Wir brauchen Zahlen und Fakten, um Entscheidungen zu treffen. Es kann nicht sein, dass der Betrag, der als Risiko dasteht, auf die Spieler abgewälzt wird«, erklärte Nationaltorwart Johannes Bitter, der als Vorstand der Spielergewerkschaft Goal derzeit viel zu tun hat.

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