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Drei Wochen Überwachung

Basketballprofis müssen in München Chips tragen

  • Von Lars Reinefeld, München
  • Lesedauer: 3 Min.

Als die Basketballer der zehn teilnehmenden Teams am Meisterturnier der Bundesliga in ihrem Münchner Quarantäne-Hotel eintrudelten, wartete eine unliebsame Überraschung auf sie. Dass sie noch einen weiteren Coronatest über sich ergehen lassen müssen, wussten sie bereits, auch dass sie danach in ihren Zimmern isoliert werden, bis das (in allen Fällen negative) Ergebnis vorlag. Dass sie aber zusätzlich während der gesamten drei Wochen einen Chip, also eine Art Bewegungsmelder tragen sollten, sorgte dann doch für Diskussionen.

»Es kam nicht gut an, weil es nicht früh genug kommuniziert wurde. Da hätte es einen größeren Vorlauf geben können«, kritisierte der Crailsheimer Maurice Stuckey. Schon im Vorfeld der Veranstaltung, bei der die Basketballer unter strengen Hygienevorkehrungen ihren Meister ermitteln, hatten sich viele Spieler nicht genug eingebunden gefühlt.

Und nun eine elektronische Fußfessel? Noch eine Überrumplungsaktion der Liga? Nein, vielmehr tauchte die Idee dazu erst am vergangenen Mittwoch auf, als sich die Ligachefs zu einer letzten Absprache mit dem Münchner Gesundheitsamt trafen. Dort wurde der Fall durchgespielt, was passiert, wenn trotz aller Vorkehrungen ein Spieler im Hotel positiv getestet wird. »Da war klar, dass das Gesundheitsamt München sagt: Die Stärke des Konzepts ist gleichzeitig auch die Schwäche«, sagte der Hygienebeauftragten der BBL, Florian Kainzinger. Das Amt machte offenbar deutlich: Gibt es einen positiv Getesteten, wird die 250 Personen umfassende »Basketballfamilie« im Hotel genauso behandelt wie ein gewöhnlicher Familienhaushalt mit vier Personen. Alle anderen sind Kontaktpersonen und gehen in Quarantäne. »Das wäre der Supergau. Wenn das passiert, ist das ganze Turnier vorbei«, sagte Kainzinger.

Also suchte die Liga unter Hochdruck nach einer Lösung. Der Vorschlag des Amtes, auch im Hotel eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes einzuführen und Abstandsregeln zu befolgen, wurde abgelehnt. »Das ist genau das, was wir nicht wollten, weil wir den Spielern gesagt haben, ihr könnt Euch im Hotel frei bewegen«, sagte Kainzinger. So blieb als Alternative nur noch der Chip, den alle Beteiligten im Hotel nun bei sich haben müssen.

Über die Technik kann bei einem positiven Fall nachvollzogen werden, mit wem und wie lange der Erkrankte Kontakt hatte. So kann das Amt dann auch eine kleinere Gruppe isolieren. Die Teams wurden am Donnerstag über die Neuerung informiert, es gab eine Einweisung durch einen Arzt. Inzwischen hat sich die Aufregung etwas gelegt. »Es kam ein bisschen kurzfristig, aber das ist nichts Großes. Es dient unserer Sicherheit, es soll ja keine Strafe sein«, sagte der Ulmer Nationalspieler Andreas Obst. Zumal die Daten anonymisiert erfasst werden.

Die Spieler von Alba Berlin mussten sich sogar nur wenig umgewöhnen. Der Pokalsieger nutzt solche Chips bereits im Training zur Athletikanalyse. Danach wird er jetzt allerdings nicht mehr abgelegt. Drei Wochen lang. dpa/nd

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