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Blutspur ins Nazihaus

Sprengstoffanschlag auf Haus einer Antifaschistin in Einbeck bei Göttingen. Ein Täter verletzte sich selbst

  • Von Simon Volpers
  • Lesedauer: 3 Min.

Antifaschisten im südniedersächsischen Einbeck müssen sich seit geraumer Zeit mit einer Gruppe Neonazis herumschlagen. Am Mittwoch haben die fortwährenden Bedrohungen einen vorläufigen Höhepunkt gefunden. In den Morgenstunden explodierten Sprengsätze im Eingangsbereich eines Hauses, in dem eine aktive Antifaschistin wohnt. Sie war schon zuvor mehrfach Ziel von Attacken aus der rechten Szene. Wie die weiteren Bewohner des Hauses blieb sie glücklicherweise unverletzt.

In der 30.000-Einwohner-Stadt nahe Göttingen tummeln sich rechte Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam mit Neonazis aus der Region. Bis Ende Januar dieses Jahres agierten sie als »Kameradschaft Einbeck«. Im Februar traten sie in identischer Personenkonstellation als neuer Kreisverband der Kleinpartei »Die Rechte« auf. Sie betreiben mehrere Facebook-Seiten zu Propagandazwecken, organisieren Minikundgebungen und treten stets gemeinsam in der Öffentlichkeit auf.

Für einen überregionalen Eklat sorgten Mitglieder der Gruppe im November letzten Jahres, als sie bei einer Führung in der nahe gelegenen Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Moringen das historische Geschehen relativierten und anschließend mit T-Shirts mit antisemitischen Motiven posierten.

Am 12. Mai wurde laut Auskunft der Antifagruppe »161 Einbeck« eine rechte Kundgebung vor dem Wohnhaus einer Aktivistin des Seenotrettungs-Solidaritätsnetzwerks »Seebrücke« abgehalten. Rund drei Wochen zuvor hatten Einbecker Neonazis einer weiteren Person gedroht, sie nachts »besuchen« zu kommen, wie das »Antifaschistische Bildungszentrum und Archiv Göttingen« berichtete.

Diesen Plan hat die Gruppe nun offenbar in die Tat umgesetzt. Rasmus Kahlen, Anwalt der vom Anschlag betroffenen Frau, sagte am Donnerstag gegenüber »nd«, es sei ein Sprengsatz in den Briefkastenschlitz der Eingangstür gesteckt worden. Die Wucht der Detonation habe Trümmer und Glasscherben im dahinterliegenden Hausflur weit verteilt und hätte verheerende Verletzungen verursachen können, wäre ein Mensch in der Nähe gewesen. Dafür wiederum lieferte ein zweiter Sprengsatz, der an der Hauswand angebracht wurde, den Beweis.

Denn einer der Täter verletzte sich offenbar bei dessen Zündung schwer. »Die ganze Tür war mit Blutsprenkeln bedeckt«, sagte Kahlen. »Die Polizei konnte anschließend der Blutspur folgen und landete zwei Straßen weiter vor einem von Neonazis bewohnten Haus. Diese hatten die Hand des mutmaßlichen Täters notdürftig abgebunden und waren anscheinend gerade auf dem Weg ins Krankenhaus.«

Das Landesinnenministerium gab am Donnerstag bekannt, die Wohnung zweier Tatverdächtiger sei durchsucht worden. Man habe Waffen und andere Beweismittel sichergestellt. Der verletzte 26-Jährige sei vorläufig festgenommen worden. Gegen ihn und einen weiteren Mann werde wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen mit. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) verurteilte den Anschlag. Man dulde »keinen Extremismus, egal wo er herkommt«, sagte er am Donnerstag in Hannover.

Das »Offene Antifaschistische Treffen Einbeck« hat für den Freitag zu einer Solidaritätskundgebung für von Rechten bedrohte und angegriffene Menschen aufgerufen.

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