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Die Corona-Weltmeister

Hände waschen, Klopapier bunkern - die Deutschen dürfen stolz sein, findet Andreas Koristka

Von Hände waschen, Klopapier bunkern – die Deutschen dürfen stolz sein, findet Andreas Koristka

Wir Deutsche sind schon ziemliche Mordskerle und -frauen. Und wir haben es geschafft! Gut, vielleicht war es nur die erste Welle, aber man muss doch konstatieren, dass wir schon diese erste Welle viel besser niedergesurft haben als andere Länder der Welt. Selbst halbwegs funktionierende Staaten wie Großbritannien und Schweden haben wir weit hinter uns gelassen. Sie wurden von unserem Lockdown geradezu deklassiert. Welch ein wunderbarer Erfolg!

Die derzeitige Euphorie gleicht denn auch der des Sommermärchens 2006. Die Leute liegen sich dort, wo es schon wieder erlaubt ist, vor Glückseligkeit in den Armen. Allerorten sieht man fröhliche Gesichter. Schwarz-Rot-Gold wird geschwenkt. Vereinzelt gibt es sogar Hitlergrüße als Zeichen von fröhlichem Patriotismus. Und das nicht ohne Grund, denn während man an der Copacabana mit dem Intubieren kaum hinterherkommt, kann man im Rewe in der Revaler Straße in Berlin schon wieder ohne Einkaufswagen (!) die freie Marktwirtschaft genießen. Eine Erfahrung, die für die Brasilianer mindestens genauso schmerzlich sein dürfte wie das 7:1 im Halbfinale 2014. Ja, es ist schon beeindruckend, wie wir diese Seuche im Griff haben. Drum lässt sich mittlerweile mit Bestimmtheit sagen: Deutschland ist Corona-Weltmeister!

Das schmeckt natürlich nicht allen. Um den miesepetrigen Bedenkenträgern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Klar darf man da schon mal ein bisschen stolz sein auf sein Land. Denn wir haben das alle zusammen wirklich ganz, ganz toll gemacht. Wir haben uns die Hände gewaschen, das Ablecken von Rolltreppenhandläufen auf das Nötigste beschränkt und haben unter Einsatz unseres Lebens Toilettenpapier gebunkert. Deshalb darf jetzt auch Uli Hoeneß mit vor Stolz geschwelltem Nürnberger Rostbratwürstchen in einem Interview mit der »FAZ« verkünden: »Ich glaube, dass der deutsche Sport genau wie die deutsche Politik in dieser Krise wirklich vorbildlich gearbeitet und Meilensteine für alle anderen Länder auf der Welt gesetzt haben. Insofern können jetzt gerne alle nach Deutschland schauen.«

Jawoll! Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Volk! Oder mit anderen Worten: Sieg! Welch köstlicher Triumph. Dabei wäre es gelogen zu behaupten, dass uns vor ein paar Monaten gar nicht bange gewesen wäre. Denn schon am 24. Februar war dem »Tagesspiegel« eines klar: »Es geht nicht nur um ein Virus.« Nein, nein, wenn es nur darum gegangen wäre, dann hätten wir uns entspannt zurücklehnen und Covid-19 die heruntergewirtschafteten Geriatrien leeren lassen können, wie es sonst nur das Norovirus vermag. Es ging viel mehr um die Frage - und keiner kann das so schön formulieren wie der »Tagesspiegel«: »Sind wir in der Lage, einer solchen Epidemie ähnlich effizient oder gar erfolgreicher zu begegnen als ein Staatswesen wie das autoritäre China?«

Hinsichtlich dieser Frage können wir uns jetzt auf die Schulter klopfen und sagen: Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist im Beschränken von Grundrechten mit China tatsächlich auf Augenhöhe. Dabei mussten wir noch nicht mal alle unsere Möglichkeiten ausschöpfen. Das bisschen Blockwartmentalität, das wir in den letzten Tagen zur Schau gestellt haben, ist doch noch gar nichts. Da kann Deutschland noch viel mehr, und wir werden uns nicht scheuen, unsere Fähigkeiten während der zweiten, dritten und vielleicht sogar vierten Welle notfalls einzusetzen.

Dann sollten wir auch noch mal genauer hinschauen, ob die Chinesen mit ihren plötzlich zurückgehenden Coronazahlen nicht doch ein bisschen geschummelt haben. Bei denen muss man auf alles gefasst sein. Im Sport dopen sie ja auch …

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