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Feuer und Flamme für einzigartiges Kulturhaus

Rüdersdorf muss sich entscheiden, ob es viel Geld in Brandschutz und Sanierung eines Baudenkmals steckt

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

»Ein wunderbares, architektonisch einzigartiges Haus«, schwärmt Frank Schaal, Geschäftsführer der Museumspark und Kultur GmbH Rüdersdorf über das Kulturhaus »Martin Andersen Nexö«. Für eine Kommune mit 16 000 Einwohnern sei das »der Hammer«. 1956 wurde das Kulturhaus gebaut, das wegen seiner beeindruckenden Dimensionen und seiner außergewöhnlichen Fassade besser als Kulturtempel oder Kulturpalast bezeichnet wäre. Es steht unter Denkmalschutz. Aber es hat ein Manko. Schaal weiß das. »Dieses Haus ist von der Optik toll, aber nicht von der Technik.« 1,1 Millionen Euro würde es kosten, die Beleuchtung und die anderen Anlagen zu modernisieren. Dann könnte man mit Tagungen und anderen Veranstaltungen mehr Gäste anlocken, mehr Geld einnehmen und unter dem Strich sparen.

Aber die Technik ist nicht das Dringendste. Zuerst müsste sich die Gemeinde kümmern, die heutigen Erfordernisse des Brandschutzes zu erfüllen. Da wäre beispielsweise außen eine zweite Treppe als Rettungsweg anzubringen, da müssten zugemauerte Kellerausgänge geöffnet werden, um als Fluchtweg zur Verfügung zu stehen, da wären feuerfeste Türen erforderlich und so weiter. Kostenpunkt: 2,8 Millionen Euro.

Überhaupt nur unter der Bedingung, dass die Gemeindevertretung alsbald beschließt, dies anzugehen, erlaubt die Bauaufsicht des Landkreises Märkisch-Oderland einstweilen noch die Nutzung des Kulturhauses. Fasst das Gemeindeparlament dazu jedoch keinen Grundsatzbeschluss, droht die sofortige Schließung. Rüdersdorf müsste trotzdem jährlich 90 000 Euro Unterhalt für das Gebäude aufwenden. Die Vereine dürften aber nicht mehr hinein, es würde keine Bälle geben, keine Oper, nichts.

Damit nicht genug. Das Kulturhaus benötigt auch eine 5,1 Millionen Euro teure Sanierung. Zwar stehen Fördermittel in Aussicht. Das Land und der Bund würden je 40 Prozent der Kosten übernehmen. Aber insgesamt 3,1 Millionen Euro müsste Rüdersdorf selbst schultern, rechnet Bürgermeisterin Sabine Löser (parteilos) am Montagabend in einer Sondersitzung der Gemeindevertretung vor. Das sei »'ne Menge Geld«.

Je 300 000 Euro sind für die Jahre 2020 und 2021 im aktuellen Doppelhaushalt schon vorsorglich für die Baumaßnahmen am Kulturhaus eingeplant worden. Doch mit solchen Summen würde es zehn Jahre dauern, alles zu erledigen. Für Geschäftsführer Schaal wäre das eine Katastrophe. Denn während im Haus gebohrt, geschweißt und gemalert wird, kann er es nicht für Events vermieten. Dabei will er nicht jedes Jahr vor dem Gemeindeparlament stehen und um mehr Zuschüsse betteln. Schneller als in drei Jahren kann die Sanierung keinesfalls über die Bühne gebracht werden. Bis zu sechs Jahre sind realistisch. Das würde jährlichen Ausgaben von 443 000 Euro entsprechen. Rüdersdorf müsste einen Kredit aufnehmen, um seinen Eigenanteil rechtzeitig aufzubringen.

Vielleicht ist der Zeitpunkt günstig, zu Klotzen statt zu Kleckern, denkt Gemeindevertreterin Monika Huschenbett (Linke). Es müssten aber andere Investitionen verschoben werden, und deswegen äußert CDU-Fraktionschef Norbert Pose Bedenken. Schließlich solle die Einwohnerzahl um 2000 bis 3000 wachsen. Neue Wohngebiete sind extra ausgewiesen. Aber dafür werden zusätzliche Kitas und Schulen benötigt.

Die Entscheidung über die Zukunft des Kulturhauses ist keine einfache, sagt der Vorsitzende des Gemeindeparlaments Ronny Neumann (Linke). Einerseits sei dies eine emotionale Angelegenheit. Jeder Rüdersdorfer habe dort »etwas erlebt«, er selbst habe im Kulturhaus Jugendweihe gefeiert, erzählt der 41-Jährige. Andererseits müsse man einen kühlen Kopf bewahren und sorgfältig abwägen.

Zwei Stunden wird das Projekt am Montagabend von allen Seiten beleuchtet und Bürger dürfen Fragen stellen. Danach beraten die Gemeindevertreter unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter. Sie beschließen aber noch nichts, wollen alles sacken lassen und erst bei einer zweiten Sondersitzung am 22. Juni über die Varianten abstimmen. Es wäre beispielsweise möglich, das Haus zu verkaufen und sich beim neuen Eigentümer gewisse Nutzungsrechte zu sichern.

Geschäftsführer Schaal gerät derweil nicht nur beim Kulturhaus ins Schwärmen. Den Museumspark, in dem über Kalkabbau und Zementindustrie informiert wird, bezeichnet er als einen »Rohdiamanten«, der deutlich mehr Besucher anlocken könnte. Am Dienstag wollte Schaal nach Potsdam fahren, um dort abzuklären, ob der Museumspark ins Weltkulturerbe aufgenommen werden könnte. Allein schon, wenn man auf der Liste der Anwärter stünde, ließe sich damit ordentlich Werbung machen, auch wenn es noch zehn Jahre bis zur Anerkennung dauert. »Die Chancen stehen ganz gut«, versichert Schaal.

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