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Mehr Symbol als Kathedrale

Notre-Dame de Paris prägte Frankreichs Geschichte

  • Von Ralf Klingensieck
  • Lesedauer: 2 Min.

An der Stelle, wo auf der Pariser Seine-Insel, der Ile de la Cité, zur Zeit der römischen Besetzung ein Tempel für den Gott Jupiter stand und wo später vier große galloromanische Kirchen entstanden, wurde 1163 durch Bischof Maurice de Sully der Grundstein für eine ehrgeizig große Kathedrale gelegt. Ihr immer wieder durch Geldmangel unterbrochener Bau dauerte fast 200 Jahre.

Notre-Dame de Paris, mit 127 Metern Länge und 48 Metern Breite sowie einer Höhe des Kirchenschiffes von 33 Metern eine der größten Kirchen des Landes, wurde ein Meisterwerk des gotischen Baustils. Sie war nicht nur über all die Jahrhunderte die Kirche des Erzbischofs von Paris, sondern immer auch eng mit den Königen verbunden, deren Festgottesdienste, Taufen, Eheschließungen und Totenmessen zumeist hier stattfanden. Hier wurden die Dornenkrone und andere wertvolle christliche Reliquien aufbewahrt, die der besonders gläubige König Saint Louis 1239 in Konstantinopel für eine Summe erworben hatte, die einem Jahresetat des Staates entsprach.

In der Kathedrale legte Henrich von Navarra seinen protestantischen Glauben ab und wurde Katholik, um 1589 als Henri IV König werden zu können. Zur Rechtfertigung soll er gesagt haben: »Paris ist eine Messe wert.« Ihre Verwobenheit mit dem Königshaus führte dazu, dass die Kathedrale während der Revolution von 1789 nicht nur vorübergehend entweiht, sondern auch verwüstet und beschädigt wurde. Beispielsweise wurden die Figuren der »Galerie der Könige« an der Frontfassade geköpft oder ganz zerschlagen. 1804 hat sich Napoleon in der Kathedrale in Anwesenheit des Papstes selbst zum Kaiser gekrönt. Später fanden hier auch die Trauerfeiern für die Präsidenten der Republik statt, von Adolphe Thiers, Sadi Carnot und Paul Doumer über Charles de Gaulle und Georges Pompidou bis zu François Mitterrand und Jacques Chirac. Im August 1944 wurde mit einem Festgottesdienst in Anwesenheit von General de Gaulle die Befreiung von Paris begangen.

Bis zum Brand am 15. April 2019, der im In- und Ausland große Betroffenheit und Mitgefühl auslöste, war die Kathedrale Notre-Dame mit jährlich 13 bis 14 Millionen Menschen das meistbesuchte Kulturdenkmal der Stadt. Auf dem Vorplatz markiert eine Messingplatte im Boden den Punkt, von dem aus alle Entfernungen zwischen der Hauptstadt und beliebigen Orten im Land gemessen werden.

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