So viele Flüchtlinge wie noch nie

Laut UNHCR-Bericht hat sich die Zahl Vertriebener seit 2010 verdoppelt - Tendenz steigend

  • Von Ulrike Wagener
  • Lesedauer: 2 Min.

Im vergangenen Jahr waren insgesamt 79,5 Millionen Menschen vor Kriegen, Gewalt, Konflikten oder aus Angst vor Verfolgung auf der Flucht; rund ein Prozent der Weltbevölkerung. Das teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Donnerstag in seinem Bericht anlässlich des Weltflüchtlingstags am Samstag mit. Die Zahl liegt damit auf einem Rekordhoch, allein im vergangenen Jahr ist sie um fast neun Millionen angestiegen.

Den Zuwachs erklärt UNHCR-Chef Filippo Grandi mit neuen Vertreibungen in Kongo, in der Sahelregion, im Jemen und in Syrien. In dem Bürgerkriegsland sind mehr als 13 Millionen Menschen auf der Flucht.

Die meisten Menschen weltweit suchen dabei in anderen Regionen ihres Landes Zuflucht, 45,7 Millionen gelten als Binnenvertriebene. Dazu kommen 26 Millionen Flüchtlinge, die in andere Länder geflohen sind und 4,2 Millionen Asylsuchende. Erstmals zählte das UNHCR auch die 3,6 Millionen Venezolaner mit, die ins Ausland geflohen waren, aber keinen Flüchtlingsstatus haben.

Die Türkei nahm mit 3,6 Millionen Flüchtlingen und 300 000 Asylsuchenden die meisten Menschen auf, gefolgt von Kolumbien, Pakistan, Uganda und Deutschland. Insgesamt kamen 85 Prozent der Menschen auf der Flucht in sogenannten Entwicklungsländern unter; weniger als zehn Prozent in Europa.

Dort liegt derzeit - hauptsächlich aufgrund der coronabedingten Grenzschließungen - die Zahl der eingehenden Asylgesuche auf einem Tiefpunkt. Im April wurden laut dem Europäischen Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) nur 8730 Asylanträge im EU-Raum gestellt, das war ein Rückgang um 87 Prozent im Vergleich zu Januar.

Trotzdem scheitern aus politischen Gründen Initiativen, Menschen aus überfüllten Lagern in Griechenland aufzunehmen, einem Land, in dem im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich mehr Menschen Zuflucht gefunden haben als etwa in Deutschland. Allein in Moria auf Lesbos stehen 20 000 Menschen unter Lockdown. Nahrungsmittel und medizinisches Personal sind knapp.

Gleichzeitig hat die Pandemie die Fluchtgründe in vielen Teilen der Welt noch verschärft. Grandi rechnet damit, dass die Bevölkerungsbewegungen weiter ansteigen, sowohl innerhalb der von Armut besonders betroffenen Regionen als auch nach Europa.

Die EU muss sich also darauf vorbereiten, künftig mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Dazu gibt es bislang aber kein funktionierendes System, die zentrale Unterbringung in Hotspots ist gescheitert, und der neue europäische Migrationspakt lässt schon seit Anfang Juni auf sich warten.

In ihre Heimat kehren aufgrund andauernder Konflikte immer weniger Menschen zurück. Die Zahl sank von durchschnittlich 1,5 Millionen pro Jahr in den 90ern auf 385 000.

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