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Einmal der letzte Hotelgast sein

Vier Teams wollen neuer deutscher Basketballmeister werden. Der große Favorit ist raus

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.
Die Münchner um Ex-NBA-Spieler Paul Zipser (r.) hatten keine Antwort auf Ludwigsburgs Intensität.
Die Münchner um Ex-NBA-Spieler Paul Zipser (r.) hatten keine Antwort auf Ludwigsburgs Intensität.

John Patrick war plötzlich sehr gefragt. »Ich habe 83 Nachrichten aufs Handy bekommen. Und von manchen Absendern hatte ich davor seit der Highschool nichts mehr gehört«, berichtete der mittlerweile schon 52-jährige Basektballtrainer der Riesen Ludwigsburg am Samstagmorgen. Am Abend zuvor hatte sein Team sensationell Titelverteidiger Bayern München aus dem Turnier um die deutsche Meisterschaft geworfen. Das 73:74 reichte nach dem Hinspielsieg mit vier Punkten Vorsprung, um in die Runde der letzten vier einzuziehen. Die Bayern dagegen erreichten erstmals seit 2012 nicht das Halbfinale.

Da dann auch Bamberg gegen Oldenburg ausschied, sind die besten Teams der vergangenen neun Jahre nicht mehr dabei. Ulm, Ludwigsburg, Oldenburg und Berlin wollen nun der Nachfolger sein. Klar, dass auch John Patrick da lautere Töne anschlug als je zuvor: »Wir sind noch nicht fertig. Wir wollen dieses Turnier gewinnen.« Wie gegen die Bayern holte sein Team dann auch im Halbfinalhinspiel gegen Ulm einen Neun-Punkte-Rückstand zum 71:71 auf.

Die Münchner Dominanz der vergangenen zwei Titeljahre endete angesichts der Kombination aus fehlenden Stars wie Greg Monroe, der nach der Coronapause nicht mehr zu den Bayern zurückgekehrt war, und unerklärlichen Schwächephasen einer ansonsten sehr erfahrenen Mannschaft. Center Danilo Barthel kritisierte denn auch: »Wir haben in beiden Spielen in der ersten Halbzeit immer guten Basketball gespielt, sind dann in der zweiten aber leider wieder als Mannschaft auseinandergefallen. Wir fanden keine Antwort auf die Physis der Ludwigsburger. Die haben mit viel Einsatz und Energie gespielt und über 80 Minuten den kühleren Kopf bewahrt.« Sein Coach Oliver Kostić wollte die Einstellung der Spieler nicht kritisieren, eher die fehlende Kaltschnäuzigkeit. »Wir hatten Chancen, haben sie aber nicht genutzt. Wenn man das nicht macht, verliert man. So ist der Sport«, kommentierte der Serbe das knappe Ausscheiden.

Bleibt die Frage, wer die Gelegenheit nutzt, die sich plötzlich bietet. »Seit 2015 bin ich Headcoach in der Bundesliga. Und natürlich träumt man davon, irgendwann an der Spitze der Pyramide zu stehen«, gab Oldenburgs Coach Mladen Drijenčić offen zu. »Jetzt gehören wir zu den vier Besten und haben die Chance, als Allerletzte das Hotel zu verlassen. Ich bin mir sicher, dass die Jungs alles tun werden, um den Titel zu gewinnen.«

Als Favorit auf die Meisterschaft gilt jedoch eher Oldenburgs Halbfinalgegner Alba Berlin. Schließlich ist der Vizemeister der vergangenen beiden Jahre beim Geisterturnier in München noch ungeschlagen und als aktueller Pokalsieger angereist. »Alba spielt auf sehr konstantem Level und auch einen sehr ansehnlichen Basketball. Jeder Spieler ist gefährlich. Deswegen sind sie jetzt Favorit«, sagte Drijenčić.

Diese Bürde würde Albas Trainer Aíto García Reneses lieber gleich wieder ablegen. Ja, München sei aus dem Weg, »aber jetzt spielt Ulm sehr stark, Ludwigsburg strahlt sehr viel Energie aus, und Oldenburg agiert sehr clever«, beschrieb der Spanier die Stärken der anderen Halbfinalisten. Sich selbst als Favorit zu bezeichnen, hat er offenbar sogar den eigenen Spielern verboten. Als er hörte, dass es Albas Kapitän Niels Giffey in einem Interview dennoch tat, drohte er - freilich im Scherz -, dass Giffey am Montag im Halbfinalhinspiel nicht zum Einsatz kommen würde.

Oldenburg war 2009 der letzte Meister, der nicht Bamberg oder München hieß. Zuletzt scheiterten die Baskets in den vergangenen zwei Jahren aber im Halbfinale an Alba. Und auch im Pokalfinale waren die Berliner im Februar zu stark für die Niedersachsen. Deren Center Rašid Mahalbašić glaubt dennoch an eine Chance, schließlich spiele man diesmal nicht wieder die letzte Partie in der Hauptstadt: »Wir konnten immer gut mitgehalten, und in einer leeren Halle könnte es am Ende eventuell anders kommen als sonst«, hofft der Österreicher.

Alba Berlins Aufbauspieler Martin Hermannsson zog ganz andere Schlüsse aus dem Pokalsieg vor vier Monaten: »Auch da waren die Bayern überraschend früh gescheitert, und alle sagten, dass Berlin nun Favorit ist. Ich finde, wir haben eine gute Antwort darauf gefunden. Und das werden wir jetzt wieder tun.«

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