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Ein Kino stirbt in der Coronakrise

MEINE SICHT: Tomas Morgenstern beklagt das Ende des »Colosseums«, einer Berliner Institution

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist eine Schande, dass der Bezirk Pankow so teilnahmslos dem langsamen Sterben des Kinos »Colosseum« zugesehen hat. Der umtriebige Filmproduzent Arthur Brauner hatte das in der DDR zwar arg verschlissene, aber hoch geschätzte Premierenkino Anfang der 90er erworben und zu einem Multiplex umgebaut. Dass es allerdings seit Monaten in Gefahr war, darüber wusste der Bezirk wohl Bescheid. Wie es heißt, lagen 2019 Anfragen für eine etwaige Neubebauung des Areals vor.

Dass keine Reaktion aus dem Rathaus erfolgte, ist nicht nur deshalb so unverständlich, weil das »Colosseum« mit bald 100 Jahren eines der ältesten erhalten gebliebenen Lichtspielhäuser Deutschlands ist - und darüber hinaus unter Denkmalschutz steht. Es ist ein Stück des alten Berliner Ostens, von denen es inzwischen immer weniger gibt.

Vor allem gehört das »Colosseum« zu Prenzlauer Berg und ganz besonders zur Schönhauser Allee. Gerade das Gesicht dieser speziellen Straße prägte und prägt es für viele Anwohner und Besucher bis heute. Tag und Nacht, so wie etwa Konnopkes Currywurst-Imbiss, der »Magistratsschirm« genannte Hochbahnabschnitt der U-Bahnlinie oder die heutige Kulturbrauerei. Als Ort für Erstaufführungen und Kulturinstitution war es, so kann man sicher sagen, einst DDR-weit bekannt.

Warum die Erben des 2019 verstorbenen Arthur Brauner mit dem Kino gleich den ganzen Kulturstandort schleifen möchten, um dort Büros entstehen zu lassen? Es wäre am Bezirk Pankow, das aufzuklären und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das abzuwenden. Sicher, es gibt noch einige Kinos im Bezirk. Richtig gut geht es den wenigsten, nicht erst seit Corona. Sie alle bräuchten dringend Hilfe. Pankow hatte 1994 verschlafen, dass mit dem Abriss des damaligen Kinos »Tivoli« in der Vinetastraße eine Wiege der gesamtdeutschen Lichtfilmgeschichte verschwand. Eingetauscht für eine profane Lidl-Filiale. Viel gelernt hat man daraus seither wohl nicht.

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