Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Richtig steuern

Ines Wallrodt über Lehren aus dem Tönnies-Skandal

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 2 Min.

So sehr sich Clemens Tönnies, der »Fleischbaron«, zum Feindbild eignet - es wäre falsch, sich vor allem auf ihn zu konzentrieren. Die Arbeitsbedingungen in Rheda-Wiedenbrück sind Ausdruck von Missständen, die es in der gesamten Fleischbranche gibt. Deshalb reicht es nicht, nach einem Tönnies-Boykott durch Supermärkte oder Kunden zu rufen. Zu lange schon wird in erster Linie über die individuelle Entscheidung an der Fleischtheke gestritten, dabei führen moralische Appelle, teureres Fleisch zu kaufen, offenkundig nicht zu den nötigen Effekten.

Es ist daher gut, dass die Debatte endlich auf die Verantwortung des Staates für Arbeitsbedingungen und Tierwohl schwenkt. Hier allerdings wieder nur bei höheren Fleischpreisen anzusetzen, ändert an der Ausbeutung der Beschäftigten erst mal gar nichts. Im Zweifel bleibt nur mehr hängen bei Händlern und Produzenten. Die Missstände in der Tierhaltung und in den Zerlegebetrieben sind zuallererst Aufgaben für den Staat. Und wenn vernünftige Standards für Mensch und Tier durchgesetzt werden, wird sich das auch auf die Preise auswirken.

Verboten gehört deshalb ein Geschäftsmodell, das Verantwortung auf Subunternehmer abschiebt. Verboten gehören Werkverträge, deren einziger Zweck es ist, Beschäftigten Schutz vorzuenthalten. Und ermöglicht werden müssen regelmäßige und effektive Kontrollen auf Schlachthöfen - auch unangemeldet. Das alles ist auch nach dem jetzigen Skandal kein Selbstläufer. Dafür ist anhaltender Druck nötig, der sich mal eine Weile nicht von Appellen an Einzelne ablenken lassen darf.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln