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Der Plan geht auf

Alba Berlin setzt seit Jahren auf die Jugend und einen festen Spielerkern. Das zahlt sich aus

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

Es kommt selten vor, dass Manager und Sportdirektoren noch vor einem Finale schon von Glücksgefühlen sprechen. Marco Baldi und Himar Ojeda, die seit gut vier Jahren als Duo die sportlichen Geschicke des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin lenken, konnten am Donnerstag aber nicht anders. Am Abend zuvor war ihr Team in München nicht einfach nur ins Meisterschaftsfinale eingezogen. Alba war beim 81:59 gegen Oldenburg erneut dominant, fokussiert und zugleich spielfreudig aufgetreten. Derart konstant haben die Berliner seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr auf so hohem Niveau gespielt.

Das ist besonders bemerkenswert, da die Mannschaft nur gut zehn Trainingstage hatte, um nach knapp drei Monaten Pause wieder zueinanderzufinden. Unter diesen Umständen profitiert Alba aber von dem Weg, den der Klub seit Ojedas Ankunft im Februar 2016 eingeschlagen hat.

»Im Sport braucht es Langzeitplanung, um ein Konzept wirklich umzusetzen. Sonst ist Erfolg nur kurzlebig, wenn er sich überhaupt einstellt. Daher bin ich so dankbar, dass ich meine Vision in Berlin umsetzen durfte«, sagte der spanische Sportdirektor am Tag vor dem Finalhinspiel gegen Ludwigsburg an diesem Freitagabend. »Ich wollte einen Kern von Spielern über mehr als zwei Jahre zusammenhalten und dazu junge Spieler entwickeln. Das hilft uns jetzt. Dass wir so gut zusammenarbeiten, macht mich innerlich extrem glücklich.«

Schon 2018 und 2019 stand Berlin im Meisterschaftsfinale, doch beide Male scheiterte man am FC Bayern. Diesmal ist Alba klarer Favorit. Im Finalturnier 2020 ist Berlin noch ungeschlagen, auch der kommende Gegner Ludwigsburg wurde in der Vorrunde bezwungen. Natürlich betonen Funktionäre wie Spieler, dass noch nichts gewonnen sei, doch man merkt allen Berlinern an, dass sie ihre Chance erkennen und entschlossen sind, sie diesmal zu nutzen. »Die Mannschaft ist gewachsen. Sie ist stabiler, die Amplituden sind kleiner«, beschrieb Manager Marco Baldi seine jüngsten Eindrücke. Soll heißen, es gibt kaum noch Partien, in denen das Team nicht sein hohes Grundniveau erreicht.

Wenn es ein Team schaffen kann, Alba von seiner Wolke runterzuholen, dann sind es aber die Riesen aus Ludwigsburg. »Das ist ein sehr spezieller Gegner. Man kann ihre Intensität nicht simulieren, und doch muss man sich darauf einstellen«, umriss Baldi die schwierige Vorbereitung auf ein physisch vermutlich sehr hartes Spiel. »Wenn es nicklig wird, dürfen wir nicht hadern oder irgendetwas anderes ausprobieren. Wir müssen weiter das Risiko suchen und schnell spielen, denn das macht uns stark.«

Selbst für Ludwigsburgs Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann ist Alba »das Maß der Dinge dieser Saison«. Der Ex-Berliner prognostizierte daher »zwei ganz schwierige Spiele. Aber wir sind weit gekommen und haben jetzt viel Selbstbewusstsein. Ich erwarte ein enges Ding. Bei uns weiß man nie genau, was kommt. Und das könnte unser Vorteil sein.«

Der Trumpf der Berliner ist das schnelle Spiel, mit dem sie bislang jeden Gegner irgendwann überrannt haben. Kein Team erzielte im Schnitt so viele Punkte wie Alba. Im Basketball heißt es sonst, dass nur eine gute Defensive Meisterschaften gewinne, doch Alba ist gerade drauf und dran, dies zu widerlegen. »Unser Spiel sieht gut aus und ist dazu erfolgreich. Das sind Dinge, von denen man häufig denkt, dass sie sich ausschließen. Bei uns werden sie vereint. Das macht mich glücklich«, so Baldi.

Außerdem betonte der Berliner Manager, dass der Klub bereits vor Jahren - mehr oder weniger notgedrungen - beschlossen hatte, dem Budget-Rennen des FC Bayern und der Baskets aus Bamberg nicht mehr zu folgen und stattdessen in eine breite Basis zu investieren. Im Halbfinalrückspiel standen nun zeitweise fünf Berliner Spieler gleichzeitig auf dem Feld, vier bei Alba, und mit Filip Stanic einer bei Oldenburg, der aber auch Albas Jugendprogramm entwachsen ist. »Es ist erfüllend, dass das über die Jahre so aufgegangen ist«, freute sich der Manager nun.

Einer dieser jungen Spieler, die bei Alba eine Chance bekamen, und sich jetzt durchgesetzt haben, ist Jonas Mattisseck. Mit durchschnittlich gut 17 Minuten Spielzeit steht der 20-jährige Aufbauspieler in München noch länger auf dem Feld als in der abgebrochenen Hauptrunde. »Wir haben sehr viel Spaß an unserem Spiel. Aber wir sind alle auch sehr fokussiert, um das Ding nach Hause zu holen«, sagte Mattisseck nach dem Halbfinale. »Es wird jetzt drauf ankommen, am Freitag und am Sonntag noch zweimal mit Spielfreude aufs Parkett zu gehen.«

Die größte Gefahr für die Berliner liegt darin, zu überzeugt von sich zu sein. »Auch Ulm hatte vor dem Halbfinale kein Spiel verloren. Dann hat Ludwigsburg sie rausgeworfen«, warnte Himar Ojeda sein Team vor einem härteren Gegner als im Halbfinale. »Die Gefahr ist uns bewusst«, sagte Mattisseck pflichtbewusst. »Unsere Trainer und Führungsspieler achten sehr darauf, dass sich keine Selbstzufriedenheit einstellt.« Die ist zumindest bis Sonntagabend nur Albas Funktionären gestattet.

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