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Kundenakquise ist ihr täglich Brot

Sabine Weigelt kümmert sich seit 21 Jahren um Geschäftsanzeigen für Ihre Zeitung

Von Heidi Diehl

Es mag ja Leute geben, die Anzeigen in der Zeitung als etwas absolut Überflüssiges ansehen. Auf Sabine Weigelt trifft das garantiert nicht zu. Denn zum einen war es eine Anzeige in der Zeitung, durch die sie 1999 zur Mitarbeiterin von »neues deutschland« wurde, zum anderen verdient sie dort mit Anzeigen ihr Geld. Damals suchte die studierte Ökonomin dringend nach einem neuen Job, von dem sie und ihre Familie ihren Lebensunterhalt bestreiten konnten - und der sollte auch noch Spaß machen. Und das »nd« suchte jemanden, der Geschäftsanzeigen für die Zeitung akquiriert. Denn ohne Anzeigen kann keine Zeitung auf Dauer überleben.

Sabine Weigelt bewarb sich und bekam den Job. Seitdem »hängt« sie täglich am Telefon und »redet sich den Mund fusslig«. »Leichter ist es über die Jahre nicht geworden, Geschäftsleute davon zu überzeugen, in unserer Zeitung zu werben«, sagt die lebenslustige Frau. »Überall wird gespart, am Anzeigenbudget eher als in anderen Bereichen, und für viele ist das ›neue deutschland‹ nicht die erste Wahl, wenn es um die Verteilung der knappen Mittel geht.« Doch so schnell gibt Sabine Weigelt nicht auf, und »außerdem macht es mir auch Spaß«.

Das Anzeigengeschäft wurde ihr nicht in die Wiege gelegt. Die Zwickauerin hatte einst an der Fachschule für Ökonomie in Rodewisch studiert und war danach als Planerin für den Außenhandel des Schwermaschinenbaukombinats »Ernst Thälmann« Magdeburg tätig. »Ich habe diese Arbeit gern gemacht, doch Anfang der 90er Jahre war leider Schluss damit«, erzählt sie. »In kürzester Zeit wickelte die Treuhand alle rund 40 Außenhandlesbetriebe der DDR ab.« Sabine Weigelt wollte jedoch nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und auf die unvermeidbare Kündigung warten, sondern trat die Flucht nach vorn an. Sie kündigte selbst und studierte noch einmal - Marketing.

Einen Job indes bekam sie danach nicht. »Mit fast 40 zählte ich auf dem Arbeitsmarkt als nicht mehr vermittelbar.« Doch klagen ist nicht ihr Ding, sie machte sich mit einem Otto-Bestellcenter selbstständig. Doch so sehr sie sich auch drehte, es reichte nicht zum Leben, insbesondere, als ihr Mann auch noch arbeitslos wurde.

Da war die Anzeige in ihrer Zeitung so etwas wie die Rettung in höchster Not. Mehr als eine Ablehnung konnte ihr ja nicht passieren, sagte sie sich und bewarb sich. Kurze Zeit später hatte sie nicht nur wieder ein festes Einkommen, sondern als Anzeigenberaterin auch einen Job, der ihr Spaß macht. Mit Leuten reden war schon immer ihr Ding, und während ihrer Selbstständigkeit hatte sie auch gemerkt, dass ein gewisses Verkaufstalent in ihr steckt.

Seit 21 Jahren nun sorgt Sabine Weigelt für die Geschäftsanzeigen in Ihrer Zeitung. Anfangs war es schon sehr frustrierend, wenn immer wieder Absagen kamen. Mit den Jahren aber hat sie gelernt, dass sie die nicht persönlich nehmen muss. Dranbleiben ist ihre Devise. Inzwischen gibt es auch Kunden, die dank ihrer freundlichen, aber auch hartnäckigen, nicht nachlassenden Art regelmäßig im »nd« Anzeigen schalten.

In gut einem Jahr wird sich Sabine Weigelt in ihren wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Worauf sie sich freut? Auf endlich noch mehr Zeit fürs Wandern und zum Reisen - und darauf, nicht mehr jeden Tag stundenlang am Telefon »zu hängen«.

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