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Klimaschutz, sonst nichts?

Elena Balthesen von Fridays für Future über Rassismus und Antirassismus in der Klimabewegung

  • Von Elena Balthesen
  • Lesedauer: 4 Min.

»Gibt es Fridays For Future überhaupt noch?« »Macht ihr überhaupt noch was?« Diese Fragen bekomme ich in letzter Zeit häufig gestellt. Klar gibt es uns noch. In vielen Städten finden sogar wieder jeden Freitag Aktionen statt. Und natürlich ist auch die Klimakrise noch da. Aber der politische Fokus liegt gerade woanders.

Nach dem Mord an George Floyd und wegen der starken Black-Lives-Matter-Bewegung muss es gerade um Polizeigewalt und strukturellen Rassismus gehen. Mit beidem hat aber auch die Klimabewegung zu tun.

Fridays For Future Deutschland hat sich in den Sozialen Medien erst spät mit den Black-Lives-Matter-Protesten solidarisiert. Die Klimabewegung hat ein Rassismusproblem, schrieb die Aktivistin Tonny Nowshin kürzlich auch deshalb im Online-Portal »Klimareporter«. Nowshin hat in der deutschen Klimabewegungen Rassismus erfahren. Das liegt unter anderem daran, dass die Menschen darin überwiegend weiß sind. Darüber diskutieren wir bei Fridays for Future seit längerem, andere Gruppen tun das ebenfalls. Geändert hat sich dadurch bisher nicht viel.

Der große Irrtum ist, dass wir oft denken, selbst frei von rassistischen Denkmustern zu sein, weil sie nicht unserer politischen Einstellung entsprechen. Aber wir sind rassistisch sozialisiert worden und somit Teil des Problems. Unser Rassismus mag keine Absicht sein, aber er ist da. Auch ich bin eine weiße Person. Ich muss auch noch viel dazulernen, meine Privilegien hinterfragen. Rassismus durchzieht unsere gesellschaftlichen Strukturen.

Die weiße Mehrheit in der Klimabewegung muss BIPoC, also Schwarzen, Indigenen und People of Colour, mehr Raum geben. Wie machen wir das?

Ich habe darauf keine vollständige Antwort, aber ein Anfang ist es, Bücher von BIPoC zu lesen. Wir müssen lernen. Ich möchte an dieser Stelle deshalb auf Autorinnen wie Tupoka Ogette, Alice Hasters und andere kluge Menschen hinweisen, die antirassistische Arbeit leisten. Es gibt viel Material von BIPoC zu dem Thema.

Dann gilt es, Erfahrungsberichten wie dem von Tonny Nowshin zu glauben, keine Entschuldigungen zu suchen dafür, warum BIPoC mal wieder ausgegrenzt wurden. Etwas war nicht böse gemeint? Darum geht es nicht. Und dann müssen wir aktiv die Zusammenarbeit mit BIPoC suchen und uns mit antirassistischen Kämpfen solidarisieren.

Es gibt Stimmen, die meinen, Fridays For Future solle sich stattdessen auf das Kernthema der Bewegung fokussieren, also Klimaschutz. Das hat oft strategische Hintergründe. Unter den Klimabewegungen nimmt Fridays for Future die Rolle der niedrigschwelligen Gruppe ein. Wir fordern Klimaschutz, berufen uns auf die Wissenschaft. Wir sind anschlussfähig für Menschen mit unterschiedlichen politischen Positionen. An und für sich finde ich das wichtig. Andere Gruppen fordern mehr - auch das finde ich gut. Die Klimabewegung braucht beides.

Aber: Antirassismus sollte erstens für alle politischen Lager anschlussfähig sein, die nicht rechtsextrem sind. Wenn wir uns in dieser Hinsicht klar positionieren, sollte das keine Auswirkungen auf unsere breite gesellschaftliche Akzeptanz haben.

Und zweitens: Für wen sind wir niedrigschwellig? Offenbar bleiben für viele Menschen hohe Hürden, sonst wären wir nicht so wenig divers. Zwar gestalten wir unsere Großstreiks möglichst barrierefrei, und Menschen jeden Alters sind bei unseren Aktionen vertreten. Aber wir sind auffällig weiß, privilegiert, gut ausgebildet und wohlhabend.

Um dieses Problem in Angriff zu nehmen, bilden wir Arbeitsgruppen zum Thema, sprechen generell sehr viel darüber und sind gerade dabei, antirassistische Workshops zu organisieren. Wir sind dabei zu lernen. Wichtig ist, dass wir dabei vor allem BIPoC zuhören.

In meiner letzten Kolumne vor vier Wochen ging es um Feminismus. Ich habe geschrieben, dass alle Diskriminierungsformen bekämpft und überwunden werden müssen, um eine ökologische, soziale und gerechte Welt zu erreichen. Das gilt natürlich auch für Rassismus. Unser System, in welchem die Klimakrise entstanden ist, hat patriarchale und rassistische Strukturen. Um unsere Gesellschaft wirklich umzuwandeln, müssen diese überwunden werden. Das ist keine Entweder-oder-Frage. Nur den Emissionsrückgang zu fordern, reicht nicht.

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