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Horst Seehofer

Der lange Abschied

Andreas Koristka überlegt, wie Horst Seehofer effektvoll die politische Bühne verlassen könnte

Von Andreas Koristka

Horst Seehofer ist ein Mann des Volkes. Deshalb ist er stets darum bemüht, es dem Ottonormalhorst so einfach wie möglich zu machen. Aus diesem Grund und weil visuelle Elemente beim Lernen und Verstehen hilfreich sind, schaffte man für Seehofers jüngsten Pressetermin in Stuttgart eigens einen zerbeulten Polizeiwagen herbei, den man eigentlich längst vom Tatort der Stuttgarter Ausschreitungen entfernt hatte.

Mit diesem einfachen Mittel konnte der Innenminister den Menschen da draußen zu verstehen geben, warum er eigentlich nach Stuttgart gereist war: um zu zeigen in welcher Perfektion die Polizei in Deutschland mit den regionalen Abschleppunternehmen harmoniert und welch hohen Respekt diese Tatsache verdient.

Es ist schön zu sehen, dass man sich in Stuttgart nicht zu fein war, für diese politische Inszenierung ein paar hundert Euro aus der Staatskasse zu entnehmen. Diese paar Kröten sind nichts im Vergleich zum pädagogischen Effekt, den Seehofer erzielen konnte. Das ist umso wichtiger, weil er nun doch keine Strafanzeige gegen die Taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah einreichen wird. Aber er hat mit seiner Aktion immerhin deutlich gemacht, dass die Polizei nicht - wie von Yaghoobifarah behauptet - auf die Müllhalde gehört. Einzige Ausnahme ist, wenn sie dort im Schrott nach Autowracks für eine Pressekonferenz des Innenministers sucht.

Im politischen Berlin jedenfalls könnte die Aufregung kaum größer sein. Angela Merkel höchstpersönlich soll Horst Seehofer von der Strafanzeige abgeraten haben, weil die Idee zwar gut ist, aber die Welt noch nicht bereit für eine Demokratie nach russischem Vorbild. Brechen jetzt alte Wunden auf? Seehofer stand schließlich schon einmal kurz davor hinzuschmeißen, als er feststellen musste, dass er mit dieser Frau einfach nicht mehr zusammenarbeiten konnte. Jetzt, nach nur wenigen Jahren, könnte der dünne Faden, an dem Seehofers Geduld hing, endgültig gerissen sein.

Schon munkelt man, dass Seehofer die Pressekonferenz seines Rücktritts plant. Warum sie noch nicht stattfand, ist klar: Noch arbeitet ein renommierter Bildhauer an einer Skulptur, die Seehofers geschundene Seele nach den nicht erfolgten Grenzschließungen 2015 erfahrbar, ja sogar begreifbar machen soll. Es wird eine Skulptur mit Dellen und Beulen sein - in ihrer Erscheinung dem Stuttgarter Polizeiauto nicht ganz unähnlich. Vor ihr wird dann der Innenminister das Wort an uns richten. Er habe stets nur das Beste gewollt für Land und Leute, wird er sagen. Danach verkündet er seine letzte Amtshandlung: die Abschiebung einiger Afghanen; ihre Anzahl entspricht er Zahl seiner Jahre in politischen Ämtern. Plus ein Afghane extra als kleines Kommunionsgeschenk für sein Patenkind.

Eigentlich ist Seehofer klar, dass er etwas Besseres zu seinem Abschied verdient hätte. Denn standesgemäß und angemessen wäre es gewesen, wenn zu seiner Abschiedspressekonferenz Angela Merkel gekommen wäre. Die hätte er dann wie damals auf dem CSU-Parteitag öffentlich gedemütigt. Aber dieses Mal hätte er sie nicht nur verbal zur Sau gemacht. Er hätte sie zum Abschluss einfach übers Knie gelegt und ihr vor der versammelten Nation den Hintern versohlt, so doll, wie das seine halbe Lunge eben noch mitmacht. Danach hätte er sie geteert und gefedert und gemeinsam mit einem Mob ihm treu ergebener Staatssekretäre durch einen beliebigen sächsischen Wutbürgerort gejagt.

Aber so leicht wird er der Kanzlerin sicherlich nicht habhaft werden. Obwohl: Er könnte ja mal bei der Stuttgarter Polizei nachfragen…

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