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Tausende gegen rassistische Gewalt

Zahlreich wurde am Wochenende für eine offene Gesellschaft demonstriert - und von rechts dagegen

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Proteste in Berlin: Tausende gegen rassistische Gewalt
Marie Hecht stellt in einem Audiobeitrag für ndAktuell die Frage, was Black Lives Matter in Deutschland bedeutet.

Es gibt keinen Grund, nachzulassen, keinen Einzigen. Auch am vergangenen Wochenende gingen in der Hauptstadt Tausende Menschen auf die Straße, um im Zuge der weltweiten »Black Lives Matter«-Bewegung für ein Ende rassistischer Diskriminierung und gegen den anhaltenden gewalttätigen Druck von rechts zu demonstrieren.

Mehr als 1000 Menschen waren dafür am Samstagmittag auf der Straße des 17. Juni an der Siegessäule zusammengekommen. Am Rande des Protests fuhr zeitgleich der durch rechte Verschwörungsidelogien auffällig gewordene Kochbuchautor Attila Hildmann mit einem Autokorso vorbei. Hildmann hatte zuvor bei einer von ihm angemeldeten rechtsoffenen Kundgebung Teilnehmer*innen des antifaschistischen Gegenprotests und Pressevertreter*innen beleidigt, bedroht und eingeschüchtert, wie zum Beispiel auf Videomitschnitten des Vereins Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus zu sehen ist. Einem Pressevertreter wurde dabei offenbar die Kamera aus der Hand geschlagen.

Bereits am Freitagnachmittag kamen am Hermannplatz in Neukölln mehr als 1000 Menschen zusammen. Unter dem Motto »Rechten Terror stoppen« demonstrierten sie für Aufklärung und Schutz. Grund: Die Attacken und Angriffe auf migrantische Geschäfte in der Gegend reißen nicht ab. Erst am Freitag vor einer Woche war in der Sonnenallee eine syrische Konditorei nachts mit Nazisymbolen besprüht und ein davor parkender Transporter angezündet worden. Der Laden wurde in den vergangenen Monaten bereits sieben Mal angegriffen. Die Polizei meldete die Symbole zunächst nicht, sondern zählte den Fall in einer Sammelmeldung zu Autobränden. Einen Tag später wurde in der Jahnstraße ein Auto zerkratzt und rassistisch besprüht, meldete die Initiative »Neukölln Watch«. Spätverkauf- und Cafébesitzer in der Wildenbruchstraße und Schierker Straße berichten »nd« von Buttersäure-Anschlägen auf ihre Ladengeschäfte. Auch wenn sie keine Zusammenhänge mit rechten Angriffsserien herstellen, die Stimmung im Kiez ist angespannt. »Die Aufklärungsrate des rechten Terrors in Neukölln liegt seit elf Jahren bei null Prozent«, schreibt der Neuköllner Linke-Politiker Ferat Kocak dazu auf seinem Twitteraccount. Die Täter seien so motiviert, weiter die Bevölkerung zu terrorisieren. Betroffene werden von der Politik nicht gehört, klagt Kocak an, der selbst einen Anschlag nur knapp überlebte. »Die einzige Stimme, die wir noch haben, ist der Protest auf den Straßen.«

Das Netzwerk Migrantifa Berlin ruft für diesen Montag um 16 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Ministerium für Inneres, Bau und Heimat auf, um sich gemeinsam mit Betroffenen von Polizeigewalt und denen, die darüber berichten, zu solidarisieren. Sprechen werden unter anderem die Autorin Ferda Ataman sowie Initiativen wie »NSU Komplex auflösen« und der Migrationsrat Berlin.

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