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So wenig wie möglich

Friends of Gas

Wir gehen von Bana nach Lität«, keucht Nina Walser in dem Song »Teilchen« von Friends of Gas. »Ich mag das Reduzieren«, erzählte sie dem Deutschlandfunk, »so wenig wie möglich zu sagen, alles so offen wie möglich zu halten und alles Überflüssige wegzunehmen.«

Dem Podcast »Keine Angst vor Hits« erzählte sie, dass es im Song »Waldbrand« um soziale Medien gehe, dass »die kleinen unwichtigen Dinge sofort zu Riesenthemen werden, denen man nicht mehr ausweichen kann, und auch noch dem Druck ausgesetzt ist, sich irgendwie dazu zu positionieren«. Derartige Bedeutungshuberei haben die Songs von Friends of Gas gar nicht nötig. Sie funktionieren ohne Hermeneutik.

Der Song »Bad« etwa entfaltet sich im Kopf des Hörers wie ein sehr düsteres, zerknülltes Schwarz-Weiß-Foto. »Ich lieg am Boden / im Bad meiner Eltern / schau an die Decke / im Bad meiner Eltern / spür die Kälte der Fliesen am Rücken / im Bad meiner Eltern …« Also eigentlich: Von Bana nach Lität. Aber diese Musik: jenseits von Dur oder Moll. Jenseits jeglicher Gefälligkeit. Manchmal fast schon schmerzhaft. Dazu der gepresste Gesang Walsers. Das umschlingt das Gemüt beim Hören wie ein in Zeitraffer ums Gehirn wachsender Symbiont.

Beim Hören stellt man sich verratzte Post-Punk-Kids in dunklen und feuchten Düsseldorfer Spelunkenkellern vor. Aber auf Bandfotos sieht man nette, junge Leute, die auch Sozialpädagogik-Studierende sein könnten. Und sie sind nicht aus Düsseldorf. Sie kommen aus dem sauberen München.

2016 veröffentlichte die Band ihr Debut »Fatal schwach«, das sie live eingespielt hatten und das von der Kritik positiv aufgenommen wurde. Seither gab es verschiedene Singles und EPs. Und jetzt das zweite Album »Kein Wetter«. Von Olaf O.P.A.L. (The Notwist, Die Sterne) klar und kalt wie ein Glas Leitungswasser produziert. Die Gitarren von Thomas Westner und Veronica Burnuthian klirrend clean, ebenso die Bassläufe von Thomas Tagar. Schlagzeuger Erol Dizdar unterlegt das Ganze mit filigraner rhythmischer Wucht. Walsers Gesang ist gewöhnungsbedürftig. Die einzige Referenz ist Kim Gordon von Sonic Youth, an deren Sound Friends of Gas erinnern. Aber auch an die kalte Präzision der frühen Gang of Four. Und an den Sepiasound von The Cure in der ersten Hälfte der Achtziger. Nervöser, aufgekratzt aggressiver Post-Punk.

Die Songs entstehen aus Jam-Sessions. Walser bringt ihre Texte mit und baut sie da ein, wo sie passen. Oft bestehen sie nur aus wenigen Versen, die sie lautmalerisch einfügt: »Du bist noch beim ersten Kapitel / und du denkst schon ans Kapitulieren«. Wahrscheinlich entsteht gerade daraus der nahezu morphologische Sound, der diese Band und diese Platte so hörenswert macht.

Friends of Gas: »Kein Wetter« (Staatsakt/H’Art)

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