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Tarifkonflikt bei Teigwaren

Neues Büchlein der NGG informiert anschaulich über bekannten Arbeitskampf der »Nudelwerker«

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.
Zentrale NGG-Streikkundgebung in Dresden am 17. Juni
Zentrale NGG-Streikkundgebung in Dresden am 17. Juni

Seit Jahren gilt Sachsen als betrieblich mitbestimmungsfreie Zone und Billiglohnland. Die Tarifbindung der Beschäftigten liegt bei ungefähr 39 Prozent im Vergleich zu 70 in Nordrhein-Westfalen. Gewerkschaften haben es branchenübergreifend schwer, in Westdeutschland verdient man für dieselbe Arbeit nicht selten einige Hundert Euro mehr. Aber wenn der Freistaat in den Nachrichten auftaucht, dann eher wegen rechter Umtriebe als wegen Arbeitskämpfen. Immer öfter wollen sich Beschäftigte das aber nicht mehr bieten lassen. Sie begehren auf gegen die Zustände. Just im Juni fanden neue Warnstreiks in der Ernährungsindustrie statt, Mitte des Monats eine zentrale Streikkundgebung in Dresden. Arbeitsaussetzungen gab es bei Sonnländer Getränke in Rötha, im Frosta-Tiefkühlwerk Lommatzsch, im Cargill-Ölwerk Riesa sowie bei Bautz’ner Senf. Ihr Vorbild: Die Mitarbeiter von Teigwaren Riesa.

Was in dem Nudelwerk mit seinen rund 180 Beschäftigten in der Kleinstadt links der Elbe in den vergangenen zwei Jahren geschehen ist, beeindruckte bundesweit Gewerkschafter und linke Aktivisten. Betriebsräte des Risaer Unternehmens sprachen 2019 unter Applaus auf der »Unteilbar«-Demonstration in Dresden und auf der linksgewerkschaftlichen Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Braunschweig. Der Arbeitskampf der Nudelwerker macht auch vielen Menschen in der Region neuen Mut. Aufbruch Ost wurde zu mehr als einer Parole. Umso schöner ist es, dass sich nun ein jüngst veröffentlichtes Büchlein der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststsätten (NGG) ausführlich mit den Organisierungsbemühungen und den Streiks in der »Nudelbude« auseinandersetzt.

Mitarbeiter, Betriebsräte und Gewerkschafter beschreiben, wie die Belegschaft in einem mühevollen Ringen zentrale Meilensteine wie die Einsetzung eines Betriebsrates und einen Tarifvertrag erkämpfen konnte. Sie zeigen auf, wie der gewerkschaftliche Organisierungsgrad von sechs Prozent im März 2018 auf nunmehr 85 Prozent anwuchs. Zeittafeln, Fotos sowie Protest- und Solidaritätsbilder runden die spannenden Texte ab. Man bekommt einen guten Eindruck von den Herausforderungen, einen Arbeitskampf zu meistern, aber auch von den Zweifeln und Sorgen derjenigen, die etwas verändern wollen. Und man kann lernen, dass konkretes Handeln nützlicher ist als abstrakte Solidaritätsaufrufe. »Jammern konnten wir immer ganz gut, aber davon wurde ja nichts besser«, berichtet die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Anja Reisky. »Durch die Streiks sind wir zusammengerückt«, ergänzt die Betriebsrätin Carola Werner. Doch nicht nur die Belegschaft hat sich durch die Kämpfe verändert. »Das alles hat auch bei uns einen Lernprozess bewirkt«, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner. Das Büchlein ist nicht nur Protokoll eines der spannendsten Arbeitskämpfe der jüngsten Zeit in Ostdeutschland. Es ist auch eine Anleitung für alle anderen, die dem Beispiel der Nudelwerker aus Riesa folgen wollen.

Gewerkschaft Nahrung-Genuss- Gaststätten (Hg.): Man darf sich nicht ergeben! Eigenverlag, 56 S., geb., kostenlos online zu bestellen: Region.Dresden-Chemnitz@ngg.net
Digital hier einsehbar

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