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Exodus im deutschen Handball

Immer mehr Spielerinnen verlassen die Bundesliga in Richtung Ungarn, wo deutlich höhere Gehälter gezahlt werden

  • Von Svenja Huber, Köln
  • Lesedauer: 2 Min.

»Szia« statt »Hallo« und »Kezilabda« statt »Handball« - gleich fünf deutsche Nationalspielerinnen wechseln in diesem Sommer aus der Bundesliga nach Ungarn. Die beiden Torhüterinnen Dinah Eckerle und Ann-Cathrin Giegerich, Kreisläuferin Julia Behnke sowie die Rückraum-Asse Emily Bölk und Alicia Stolle tauschen ein Nischendasein in Deutschland gegen den Alltag hochbezahlter Profis.

Sehr zur Freude von Bundestrainer Henk Groener, seit seinem Amtsantritt 2018 ermuntert dieser seine Spielerinnen, zu europäischen Topklubs zu wechseln. »Nur Profis können Medaillen gewinnen«, sagte Groener dem SID: »Seinen Stellenwert kann man nur durch gute Leistungen erhöhen.« Dafür braucht man professionelle Bedingungen, die es im deutschen Frauenhandball kaum gibt.

Zumeist vergeblich versuchen die deutschen Vereine, finanziell Schritt zu halten, lediglich Borussia Dortmund (Kelly Dulfer) und der zweimalige Meister SG BBM Bietigheim (Stine Jörgensen, Xenia Smits) haben internationale Hochkaräter im Kader. Der siebenmalige Champion Thüringer HC muss dagegen passen. »Wir hatten nicht den Hauch einer Chance«, sagt THC-Trainer Herbert Müller über den Wechsel von Bölk und Stolle zum ungarischen Spitzenclub FTC-Rail Cargo Hungaria. Die finanziellen Mittel der ungarischen Vereine nennt Müller »utopisch«.

Bundestrainer Groener will, dass sich die Nationalspielerinnen ausschließlich auf Handball konzentrieren können, was im Ausland problemlos möglich ist. »Der Stellenwert ist ein ganz anderer, man wird als Sportler ganz anders wahrgenommen«, sagt die langjährige Nationaltorhüterin Clara Woltering, die mit Podgorica aus Montenegro zweimal die Champions League gewann.

Hochprofessionelle Bedingungen wie eigene Sporthallen, hauptamtliche Trainer und Physiotherapeuten böten »mehr Möglichkeiten, den Sport intensiv auszuüben«, sagt Clara Woltering. Fünfmal pro Jahr sei sie mit ihrem Klub aus Podgorica im Trainingslager gewesen: »Man kann trainieren, wann immer man will.« Undenkbar in Deutschland, wo eine Bundesligaspielerin nicht selten gefragt wird: Und was machst du beruflich?

Emily Bölk schwärmt jedenfalls von ihren ersten Eindrücken in Budapest: »Eine eigene Arena, eigene Umkleide, eigenes Fitnessstudio, alles in einem Trainingsareal.« Konträrer könnten die Gegensätze nicht sein, bislang trainierte sie sowohl beim Buxtehuder SV als auch beim Thüringer HC in Schulturnhallen.

Bölk will mit Budapest »alles gewinnen, das mittelfristige Ziel ist die Teilnahme am Champions-League-Finale«. Das findet übrigens, wie könnte es anders sein, seit einigen Jahren in Budapest statt. Vor 11 000 Zuschauern. SID/nd

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