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Neonazis versorgen sich mit Immobilien

Mitglieder rechter Gruppierungen kaufen vermehrt Häuser und Grundstücke in ländlichen Gebieten

Berlin. Der Rechtsextremismusexperte beim sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz, Henry Krentz, warnt vor mehr Immobilienkäufen durch Rechtsextremisten. »Neonazis und extreme Rechte gehen gezielt nach Sachsen und andere ostdeutsche Bundesländer und suchen vor allem im ländlichen Raum nach Grundstücken und Gebäuden«, erklärte Krentz gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. 2018 seien in Sachsen noch 22 Immobilien in rechtsextremer Hand gewesen, 2019 bereits 27. »Der Trend wird 2020 weitergehen«, betonte er.

Die Funke-Zeitungen verweisen auf eine eigene Umfrage in den Bundesländern, wonach die Zahl der Immobilien im Besitz von Rechtsextremisten in den meisten Ländern gleich bleibe. Jedoch sei etwa die Zahl der Gebäude in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu Anfang 2019 von neun auf mittlerweile 22 gestiegen.

»Hinter den Käufen steckt kein rechtsextremes Mastermind«, sagte Krentz. Vielmehr suchten sich einzelne Gruppierungen und Akteure eigenständig Gebäude, die etwa als Schulungszentrum für Kader oder als Gasthof für Rechtsrockkonzerte dienen sollen. »Gerade durch die Razzien, die Verbotsverfahren und die zahlreichen Ermittlungen ist die Szene enorm unter Druck«, betonte Krentz. Um diesem Druck zu entgehen, weiche die Szene auf das Land aus, wo Miet- sowie Kaufpreise günstig seien und die Zivilgesellschaft schwach. »Wenn die Rechtsextremen erst einmal eine Immobilie besitzen, dann bleibt das meist über viele Jahre ein Treffpunkt der Szene«, so Krentz. Dann sei es sowohl für die Gemeinden als auch für die Sicherheitsbehörden schwierig, etwas dagegen zu unternehmen.

Auch in Brandenburg schlugen die Behörden dieser Tage Alarm. So befürchtet das Brandenburger Innenministerium, dass im Spreewald ein neuer Treffpunkt für Anhänger der rechtsextremen Szene entsteht. Einen entsprechenden Bericht der »Berliner Morgenpost« bestätigte ein Sprecher. Demnach sollen in Burg im Spreewald Unternehmer, die erhebliche Bezüge zur rechtsextremistischen Mischszene im Raum Cottbus aufwiesen, eine Immobilie für Treffpunkte erworben haben. Es gebe besondere logistische Voraussetzungen für rechtsextremistische Events wie etwa Konzerte, so der Sprecher. Das Gebäude sei bereits kurz nach Lockerung der Corona-Maßnahmen an Himmelfahrt von zahlreichen Anhängern der rechtsextremistischen Szene aufgesucht worden.

Ebenfalls im Besitz einer Immobilie ist laut der Thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss die Ende Juni verbotene Gruppierung »Nordadler«. Nach Angaben der Linkspolitikerin verfügt die Gruppierung seit 2018 über ein eigenes Objekt mit Grundstück und zweigeschossigem Wohnhaus in Hohenstein, einem Ortsteil von Mackenrode im thüringischen Kreis Nordhausen. Dieses sollte auch für ein völkisches Siedlungsprojekt genutzt werden, erklärte König-Preuss. Zudem habe es mehrere Umzüge von Mitgliedern der Gruppierung nach Mackenrode oder in die unmittelbare Umgebung des Ortes sowie nach Niedersachsen gegeben. Agenturen/nd

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