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Denkmäler

Alexander von Humboldt als Micky Maus

Denkmäler sind von Symbolen der Vergangenheit zu Anlässen für Debatten über gesellschaftliche Zukunft geworden.

Von Samuela Nickel

Mit der Zeit gehen. Denkmäler sind von Symbolen der Vergangenheit zu Anlässen für Debatten über gesellschaftliche Zukunft geworden. Wer wird wie geehrt und wer vergessen? Das wird gerade neu ausgehandelt. Statuen fallen, Denkmäler werden in Keller gesperrt. Eine Plane wird drübergeworfen und erst mal abgewartet, wie es weitergeht. In Sofia spielen Sprayer*innen und die bulgarische Polizei schon seit Längerem Katz und Maus: Das Monument der sowjetischen Armee im Zentrum der Stadt dient außer als Kulisse für einen guten Skatespot immer mal wieder auch als Leinwand. Seit den 90er Jahren ist das Denkmal Projektionsfläche alter und neuer nationalistischer Erzählungen, die abwechselnd mal für den Erhalt, mal für die Demontage des Reliefs wüten. Einen neuen Anstrich in der Debatte verpasste den Soldaten das Kollektiv »Destructive Creation« - sie wurden zu Santa Claus und Ronald McDonald, also zu Superhelden und Bösewichten; später trugen die Armeeleute Guy-Fawkes-Masken oder bunte Pussy-Riot-Wollbalaklawas.

Auch die russische Botschaft mischt sich regelmäßig ein, verbittet sich diese Albereien und fordert einen besseren Schutz der in der Zeit erstarrten Soldaten. Denkmäler zeigen besser als jedes Geschichtsbuch: Der staatliche Blick zurück ist relativ und hängt vom Standpunkt der Zurückschauenden ab, die dem Vergangenen jenes Gewand umhängen, das den eigenen künftigen Interessen am zuträglichsten ist.

Postkoloniale Aktivist*innen schlagen deswegen gerade vor, kolonialrassistische Statuen auf den Kopf zu stellen - als kritischer Umgang mit der Vergangenheit, ohne sie zu verdrängen. Ich plädiere auch dafür, Denkmäler zu legalen Graffitiwalls zu erklären und die Resultate zu genießen. Ich freue mich schon auf Alexander von Humboldt als Micky Maus.

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