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Jeder Horst ist ein maximaler Horst

Best of Menschheit, Teil 27: Horst

  • Von Tim Wolff
  • Lesedauer: 3 Min.
Trägt einfach den besten Namen.
Trägt einfach den besten Namen.

Als der Mensch es aus dem Ungefähren der tierischen Laute zur Präzision der sprachlich artikulierten geschafft hatte, gab er sich wohl alsbald auch Namen. So wurde das Sippentier Sapiens zur Ansammlung von Individuen, die früher oder später mit ihren Namen vor allem geschäftsfähig wurden. Der älteste schriftliche Beleg eines Menschennamens ist etwa 5000 Jahre alt, es ist die Unterschrift »Kushim« unter einer Gerstenbestellung auf einer Tontafel. Namen, so viel kann man daraus lernen, sind notwendig, um Bier zu bestellen.

Womöglich ist aber auch »Iri-Hor« der älteste festgehaltene Name. Diese Lautfolge beziehungsweise die Bildfolge Horusfalke - Mund bezeichneten womöglich einen prädynastischen ägyptischen Pharao vor fast 6000 Jahren. Aber man weiß es nicht genau, vielleicht war es auch nur eine Art Stempel »Besitztum des Königs«. Viele schöne Namen fanden Menschen für ihre Nachkommenschaft in den folgenden Jahrtausenden: Aristophanes, Kleopatra, Caligula, Acht Hirsch Jaguarkralle, Wu Zetian, Pippin der Bucklige, Jeanne d’Arc, Abraham Lincoln, Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili, Margaret Thatcher oder Hackl Schorsch, um nur einige wenige zu nennen. Zum wahren Höhepunkt des Benamsens kam es aber erst in einer Art Zirkelschluss mit der subtilen »Iri-Hor«-Variante »Horst«.

Ja, Horst ist womöglich der beste Name, der je erdacht und vergeben wurde. Allein schon deshalb, weil aber auch jeder Horst exakt so handelt, spricht und aussieht wie ein Horst eben. Über, sagen wir, Isabellas ließe sich so etwas nicht so leicht sagen.

»Horst« bezeichnet vieles: Wuchsformen von Pflanzen, Greifvogelnester, geologische Verwerfungen, eine kurkölnische Unterherrschaft (was immer das ist), doch nur in der Markierung eines deutschen Mannes findet diese aus dem runden Wohlklang ins Zischen knallende Schallreihung ihre wahre Bestimmung. Obendrein ist jeder Horst, der einem spontan einfällt, ein maximaler Horst: Horst Lichter etwa, das deutsche Es, dieser Horrorclown aus dem Fress- und Antiquitäten-TV. Wenn man auch nur einmal versehentlich in »Bares für Rares« reinschaut, macht dieser Horst garantiert so etwas, wie einen zum Verkauf eines Gemäldes angetretenen Stiefvater zu fragen, ob die danebenstehende Stieftochter nicht wohl die werte junge Gattin sei.

Aber das ist natürlich nichts gegen den größten Horst aller Horste: Horst Seehofer. Er ist zugleich fahrig onkelhaft und ganz konkret ein schrecklicher Mensch - horstiger geht es kaum. Seehofer hat nicht die geringsten Probleme damit, sich öffentlich darüber zu freuen, dass zu seinem 69. Geburtstag 69 Afghanen in ihre tödliche Heimat abgeschoben werden. Denn für diesen Horst, der ein aufgeblasenes Innenministerium zum Heimatministerium gemacht hat, ist Heimat immer gut. Vor allem, wenn sie für Menschen, die nicht Horste sind, Unglück bedeuten.

Der Seehofer Horst hat kein Interesse an irgendetwas, höchstens aufflammende Abscheu gegen etwas, das ihn in seiner brummdämlichen Gemütlichkeit stört. So ist es auch kein Problem für ihn, eine Anzeige gegen eine Taz-Autor*in anzukündigen und es später wurschtig doch sein zu lassen. Es ist für ihn ungefähr dasselbe, wie eine Untersuchung des Racial Profiling der Polizei doch abzublasen, weil Racial Profiling ja eh nicht erlaubt ist. Alles ist nichts in der großen Horstigkeit des Daseins. Das genügt schon, um zusammenzufassen: Seehofers Eltern wussten implizit, was ich hier mühsam nachzuweisen versuche. Zum Horst muss gemacht werden, was ein Horst ist!

Denn nur dieser Menschenname hält zuverlässig, was er verspricht. Er ist einfach der beste der Humanhistorie.

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