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Münster behält Gedenkort für Paul Wulf

Streit um dauerhafte Ehrung für von den Nazis Verfolgten damit zu Ende

Die Stadt Münster wird den Gedenkort an Paul Wulf dauerhaft erhalten. Das hat die Bezirksvertretung Münster-Mitte Ende Juni einstimmig beschlossen. Damit geht ein jahrelanger Streit um die lebensgroße Wulf-Skulptur am Münsteraner Servatiiplatz zu Ende. Sie wurde 2007 im Rahmen einer Skulpturenausstellung von der Künstlerin Silke Wagner gestaltet. Der Kopf ist dem Konterfei von Paul Wulf nachempfunden. Der Körper ist im Rahmen einer Litfaßsäule gestaltet, auf der in regelmäßigen Abständen Flugschriften zu aktuellen politischen Themen zu lesen sind.

Für die Wechselplakatierung und Betreuung der Internetseite stellt die Bezirksvertretung jährlich 5000 Euro zur Verfügung. 2012 wurde nach Paul Wulf ein Weg in Münster benannt - späte Ehrung für einen, der im Nationalsozialismus als Asozialer verfolgt und sterilisiert wurde und auch in den Nachkriegsjahren statt Entschädigung Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren hatte. Unterstützer fand Wulf bis zu seinem Tod 1999 bei der politischen Linken. Schon in den 1950er Jahren verkehrte er im Umfeld der KPD, in den 1970er Jahren fand er Kontakt zur autonomen und libertären Szene. »Er war nicht immer einfach«, erinnerte sich der Herausgeber der libertären Monatszeitung »graswurzelrevolution« Bernd Drücke an seine ersten Begegnungen mit Wulf. »Immer wieder übergab er Flugschriften zu aktuellen politischen Themen«, so Drücke gegenüber »nd«. Am Ende seines Lebens habe er sich als Anarchokommunist in der Tradition von Erich Mühsam bezeichnet.

Die Einheitsfront gegen Rechts war ihm als NS-Verfolgter besonders Anliegen. So beteiligte er sich 1980 an Aktionen gegen den damaligen Kanzlerkandidaten der Unionsparteien Franz Josef Strauß. Drücke erinnert sich gern an Wulfs derben Humor, der in der autonomen Linken nicht allen gefiel. Er bezeichnet Wulf als einen frühen Spaßguerillero. Dem von ihm gegründeten Freundeskreis Paul Wulf (www.paul-wulf.net) ist es zu verdanken, dass die Skulptur 2007 überhaupt temporär aufgestellt werden konnte. Mehrmals war sie gefährdet. Doch dem Freundeskreis gelang es immer wieder, Unterstützer für ihren Verbleib zu finden.

Zu Paul Wulfs 100. Geburtstag am 2. Mai 2021 soll ein Buch über ihn erscheinen. Bereits 2007 hatte der Freundeskreis Paul Wulf im »graswurzel-Verlag« das Buch »Lebensunwert? Paul Wulf und Paul Brune. NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand« herausgegeben. Aktuell sammelt eine Münsteraner Initiative Unterschriften für die Forderung, den Danziger Platz nach der Schwarzen Deutschen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz umzubenennen. Sie hat ihre Schulzeit in Münster verbracht und wurde später unter dem Namen May Ayim als Schriftstellerin und Aktivistin gegen Rassismus in Deutschland bekannt.

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