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Der Bankier

Personalie

  • Von Denis Trubetskoy
  • Lesedauer: 2 Min.

Er gilt als der Mann, auf den viele kritische Belarussen, die sich mit der radikalen Opposition nicht anfreunden konnten, lange gewartet haben: Wiktor Babariko hat bis zu seiner Präsidentschaftskandidatur bei den Wahlen am 9. August etwa 20 Jahre lang die private Belgazprombank, eine Tochter des russischen Gazpromkonzerns, geführt. Bekannt wurde er aber vor allem durch seine Kinderstiftung »Chance« und seine finanzielle Förderung der belarussischen Kultur.

Seit 2016 gibt es in Belarus keine Umfragen mehr. Als Babariko aber auf einmal die Internetumfragen auf unabhängigen Nachrichtenseiten anführte, wurden auch diese untersagt. »Die Belarussen wollen nicht mehr das alte Leben«, sagte der Ex-Bankier dazu. »Es geht nicht darum, ob man mich jetzt loswerden wird. Es wird einfach nie mehr wie zuvor. Denn das ist das neue Belarus.«

Babariko loszuwerden dürfte tatsächlich schwer werden. In Belarus konnte der 56-Jährige 365 000 Unterschriften für seine Kandidatur bei der Wahlkommission einreichen, nur 45 Prozent davon wurden jedoch für gültig erklärt. Dennoch hat die Wahlkommission gegenüber Babarikos Wahlstab bereits bestätigt, dass eine Kandidatur an den Unterschriften nicht scheitern wird.

Doch bereits seit dem 18. Juni befinden sich Babariko und sein Sohn in U-Haft. Der Präsidentschaftskandidat wurde plötzlich mit Vorwürfen, darunter Geldwäsche und Steuerhinterziehung, konfrontiert. Unter anderem soll er von den Konten der Belgazprombank 430 Millionen US-Dollar nach Lettland überwiesen haben. Ob er unter diesen Umständen zugelassen wird, ist zweifelhaft - auch weil der amtierende Präsident Lukaschenko gerne Babarikos Russland-Verbindungen anspricht. Doch der Bankier positioniert sich als Gegner einer vertieften Russland-Integration: »Unser Land soll vor allem probelarussisch und wirtschaftlich unabhängig sein.«

Einen solchen Gegner hatte Lukaschenko seit seinem Amtsantritt vor 26 Jahren nicht. Und sollte er Babariko aus dem Rennen nehmen, wird es in Belarus nicht folgenlos bleiben.

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