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Opferfonds nach Attentat gefordert

Die erneuten Ermittlungen zum Oktoberfestattentat 1980 sind abgeschlossen. Betroffene leiden bis heute

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat am Mittwoch zum zweiten Mal die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat 1980 abgeschlossen. Beim Sprengstoffattentat in München waren damals zwölf Menschen getötet und mehr als 200 teils schwer verletzt worden. Der Attentäter Gundolf Köhler starb dabei ebenfalls.

Trotz seiner Zugehörigkeit zur rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann war es beim ersten Abschluss der Ermittlungen im Jahr 1982 nicht zur Einordnung gekommen, dass es sich um ein rechtsextremistisch motiviertes Attentat handelte. Die Ermittlungen zu zwei Tatbekenntnissen mit direkter Verbindung in die Wehrsportgruppe des Neonazis Karl-Heinz Hoffmann, waren von der Bundesanwaltschaft eingestellt worden.

Schon vor Abschluss der Ermittlungen 1982 waren Vernehmungsunterlagen an den Journalisten Ulrich Chaussy aus Behördenkreisen weitergeleitet worden, die der öffentlich vertretene These eines Einzeltäters widersprachen. Für Chaussy wurde das Attentat ein lebenslanges Thema, das er in Buchform, als Drehbuchautor des Films »Der blinde Fleck« (2013) und auf der Seite »Oktoberfest-Attentat.de« bearbeitete. Chaussy setzte sich, wie auch der Opferanwalt Werner Dietrich, für eine Wiederaufnahme des Verfahrens ein.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nahm am 11. Dezember 2014 die Bundesanwaltschaft ein bereits abgeschlossenes Verfahren wieder auf. Wie die Bundesanwaltschaft nun in Karlsruhe bekannt gab, wurden in den vergangenen fünfeinhalb Jahren rund 770 Spuren bearbeitet, mehr als 1000 Vernehmungen geführt und über 300 000 Seiten an Akten gesichtet. Konkrete und strafrechtlich relevante Hinweise seien jedoch nicht gefunden worden. Asservate des seinerzeit als abgeschlossen geltenden Falles wurden im Jahr 1997 vernichtet.

»Die Möglichkeit einer Beteiligung weiterer Personen als Anstifter, Gehilfen oder Mittäter kann zwar nicht ausgeschlossen werden«, sagte die Behörde zum Abschluss ihrer Untersuchungen. Allerdings sei nicht ersichtlich geworden, wie sich eine etwaige Beteiligung konkret in den Entschluss zur Tat, ihre Vorbereitung oder ihre Durchführung eingefügt haben könnte. Karlsruhe stuft die Tat nun aber eindeutig als rechtsextremistisch ein und nennt erstmals konkrete Details zur Motivation Köhlers. Er habe Kontakte in rechtsextremistische Kreise gehabt und sich kurz vor der Tat geäußert, wie man die bevorstehende Bundestagswahl beeinflussen könne sowie in diesem Zusammenhang den Wunsch nach einem dem nationalsozialistischen Vorbild folgenden Führerstaat geäußert.

Weiterhin nicht abgeschlossen ist der Fall für Opfer und Hinterbliebene des schwersten Terroraktes der Nachkriegsgeschichte. »Durch die Einstufung der Tat als rechtsextremistisch sehe ich auch bessere Chancen für eine angemessene Opferentschädigung«, sagte Opferanwalt Werner Dietrich der dpa. Er habe erst vor kurzem an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschrieben und sie aufgerufen, sich »angemessen und zeitnah« mit namhaften Beträgen an einem Fonds zu beteiligen.

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»Es wird nicht das letzte Attentat bleiben«, sagte der 51-jährige Robert Höckmayr, der im Alter von zwölf Jahren zusammen mit seiner Familie Opfer des Anschlages wurde. Höckmayr wurde 42 mal operiert und hat bis heute Splitter im Körper. Zwei Geschwister starben damals vor seinen Augen. Die Eltern und zwei weitere Geschwister überlebten - die Schwester und der Bruder hätten jedoch die Folgen des Attentats nicht verarbeiten können und sich umgebracht. Er selbst habe zwei Jahrzehnte lang keine Leistungen erhalten, sagte er. Dass der Anschlag politisch motiviert war, sei für ihn schon als Kind klar gewesen. Allerdings sei es ein Schritt in die richtige Richtung, dass nun auch seitens der Ermittler die rechtsextremistische Motivation ausdrücklich festgestellt worden sei. »Es war mir leider Gottes schon klar, dass es so kommen muss«, kommentierte Höckmayr den Abschluss. Mit Agenturen

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