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Vom Eise befreit

Aktivitäten des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung durch Coronakrise beschränkt

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Eisschollen liegen links und rechts vom Eingang des Hauptgebäudes, als Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) am Mittwoch am Alfred-Wegner-Institut für Polarfoschung vorfährt. Natürlich bestehen sie nicht aus gefrorenem Wasser, sondern die Eisschollen sind Kunst am Bau und eine Anspielung auf das gewaltige Forschungsgebiet des Instituts, wie Leiter Professor Bernhard Diekmann erklärt. Die »Schollen« tragen Namen wie Südpol, Nordpol, Polarstern und sind auch nach Forschungsstationen benannt. »Unsere Außenposten sind uns auf diese Weise ganz nah.« Im Hof des Instituts wurde eine Trundra-Landschaft der Dauerfrostbodenregion nachgestaltet.

Ministerin Schüle ist sichtlich begeistert von dieser ersten »grandiosen« Möglichkeit nach Erlass der Corona-Lockerungen, hier einen Besuch abzustatten und sich nach dem Woher und Wohin zu erkundigen. Sie habe die ewigen Telefonkonferenzen satt, gesteht sie. Es sei wunderbar, sich wieder real in die Augen sehen zu können. »Alles lässt sich nicht online machen.«

Im Eingangsbereich des Instituts steht die Büste von Alfred Wegener, einem deutschen Polarforscher, der dem Institut seinen Namen gab, nachdem er »auf tragische Weise in Grönland ums Leben gekommen ist«, wie Diekmann sagt.

Ausgestellt ist hier der Schädel eines Wollhaarmammuts aus dem nicht mehr so ewigen Eis der russischen Tundra. Professor Guido Große, Leider der Abteilung Permafrost, hat ihn von seiner ersten Expedition dorthin mitgebracht. Die rund 50 ständigen Mitarbeiter des Instituts sind in der Vergangenheit immer mal in Kanada, Alaska und Russland unterwegs gewesen. Die Corona-Pandemie hat allerdings vielen derartigen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was aber weiterhin vom Institut betreut wird, ist die Expedition »Mosaik«, in deren Rahmen sich ein Forschungsschiff bei Grönland vom Eis treiben lässt. Man stehe in ständigem Kontakt zur Besatzung und werte die übermittelten Daten sofort aus, sagte Große.

Laut Institutsleiter Dieckmann ist festzustellen, dass sich die Erderwärmung im arktischen Bereich noch viel rasanter fortsetzt, als es in Europa feststellbar ist. Natürlich hat es schon immer einen Klimawandel gegeben, fährt er fort. Aber der sei noch nie so rasant verlaufen, und noch nie ist der Anteil des Menschen mit 80 Prozent dabei so bestimmend gewesen. Den Umfang des Kohlendioxidausstoßes drastisch zu reduzieren, sei die einzige sinnvolle Option.

Bei dem Besuch der Ministerin müssen die Corona-Einschränkungen Thema sein. Die Labortätigkeit ist reduziert worden, sagt der Institutsleiter, allerdings sei es gelungen, alle Daueraufgaben weiter zu erfüllen. »Die Fortführung von Untersuchungen, die nicht abgebrochen werden können, haben wir hinbekommen.« Weil aber dennoch vieles coronabedingt habe ruhen müssen, kämen junge Wissenschaftler um die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zustellen und »sich zu profilieren«. Ministerin Schüle weist darauf hin, dass es gelungen sei, für Wissenschaftler eine Verlängerung ihrer zeitbegrenzten Forschungstätigkeit zu finanzieren, leider gelte das für Studierende nicht.

Das Institut ist eng mit der Potsdamer Universität »verbandelt«, wie Professor Dieckmann sagt. Im Normalfalle sind hier junge Wissenschaftler, Doktoranden und auch Studierende zugange, es findet Lehrbetrieb in den Institutsräumen statt. Am Standort wird auch das »Arktis-Büro« unterhalten, mit dem Auftrag, wissenschaftliche Erkenntnisse der Politik zur Verfügung zu stellen. Durch Corona angetrieben sei überall zu beobachten, dass das Wort der Wissenschaft gehört wird und gefragt ist, schildert die Ministerin ihren Eindruck.

Im Vorsaal des Instituts ist die aktuellste Welt-Permafrost-Karte aufgehängt. Bis auf wenige weitere Punkte ist Deutschland nur noch mit seinem höchsten Berg, der Zugspitze, darauf vertreten. Wie es sich entwickeln wird, wenn die Erde weiter trockener und wärmer wird, bleibt eine offene Frage. Aber im Alfred-Wegener-Institut Potsdam finden sie die Antwort darauf.

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