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Der Okmok brachte Rom zur Strecke

Ein Vulkanausbruch in Alaska trug zum Untergang der Republik bei.

Von Christian Mihatsch

In den beiden Jahren nach der Ermordung von Julius Cäsar im Jahr 44 v. u. Z. spielte im Mittelmeerraum das Wetter verrückt. Das war allerdings nicht die Rache von Cäsar-freundlichen Göttern, sondern Folge eines Vulkanausbruchs. Im Januar oder Februar des Jahres 43 v. u. Z. brach 9000 Kilometer von Rom entfernt ein Vulkan aus: der Okmok in Alaska. Die gigantische Eruption hinterließ einen Krater mit zehn Kilometern Durchmesser, die Asche wurde bis zu 30 Kilometer hoch in die Atmosphäre geschleudert. Dort verdunkelte sie die Sonne - mit weitreichenden Folgen.

Eine Studie von Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen zeigt auf, wie der Okmok das Schicksal sowohl der römischen Republik als auch das von Kleopatras Königreich in Ägypten beeinflusste. In den »Proceedings« der nationalen Wissenschaftsakademien der USA (PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2002722117) berichten die Forscher über die Ergebnisse der Analysen eines Eisbohrkerns. Dieser enthielt in der Schicht aus dem Jahr 43 v. u. Z. auffällig viel Vulkanasche. Für den Paläovulkanologen Michael Sigl von der Universität Bern ist klar, dass außer der Okomok-Eruption kein anderer bekannter Vulkanausbruch jener Zeit eine Asche mit einem geochemischen Fingerabdruck wie bei der im Eisbohrkern hinterlassen haben kann. Aus der Vulkanasche im Eis errechneten Vulkanologen die wahrscheinliche Aschemenge aus der Eruption. Mit diesen Daten wurde ein Klimamodell gefüttert, das dann die Wetterberichte für den Mittelmeerraum in den Jahren 43 und 42 v. u. Z. lieferte: Beide Jahre waren dort drei bis sieben Grad kälter als normal. Auch Analysen von Baumringen zeigen, dass die beiden Jahre zu den kältesten der letzten zweieinhalb Jahrtausende zählen. In Italien fiel damals doppelt so viel Regen wie im Durchschnitt jener Zeit. Gleichzeitig verschob sich der Sommermonsun vom Oberlauf des Blauen Nil nach Süden, weswegen das Nilhochwasser in Ägypten ausblieb.

Die Folgen dieser Wetterextreme wurden von römischen Geschichtsschreibern dokumentiert. Plutarch schreibt etwa in seinem »Leben des Antonius«, dass dessen Soldaten im April 43 v. u. Z. unter Hunger litten und Wurzeln, Baumrinde und Tiere aßen, »die vom Mensch noch niemals gegessen wurden«. Julius Obsequens schreibt, im Orakel von Delphi habe man im gleichen Jahr eine Stimme gehört, die schrie: »Wahnsinn der Wölfe im Winter. Und im Sommer wird das Getreide nicht geerntet.« Auch das Folgejahr war hart, wie der Historiker Appian schreibt. Damals war Rom »vom Hunger verwüstet«. Auch Ägypten litt unter Hunger. Seneca schreibt, dass in beiden Jahren der Nil nicht über die Ufer trat. Das hatte auch geostrategische Konsequenzen im Bürgerkrieg zwischen Marcus Antonius und Octavian (dem späteren Kaiser Augustus) auf der einen Seite und den Mördern Cäsars auf der anderen. Im Oktober 42 v. u. Z. konnte Kleopatra die Truppen von Marcus Antonius nicht mit Getreide beliefern, weil Ägypten von »Hungersnöten erschöpft war«, wie Appian schreibt. Antonius und Octavian gewannen die Schlacht bei Philippi allerdings trotzdem.

Letztlich trug Okmok so zum Untergang von zwei Supermächten bei: Die römische Republik wich dem Kaiserreich, und das Königreich der Ptolemäer endete mit Kleopatra. Die Autoren schreiben in »PNAS«: »Naturkatastrophen sind bekannt dafür, einen ›Ausnahmezustand‹ zu schaffen, der Raum für schnellen sozialen und politischen Wandel schafft.« Allein verantwortlich ist Okmok allerdings nicht, meint der Historiker Joe Manning von der Yale University (USA) und warnt vor Umweltdeterminismus. Die Klimaänderungen durch die Vulkanasche seien nur ein Faktor gewesen, jedoch ein wichtiger.

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