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SChufa der LIebe

»It’s been a bad day, please don’t take a picture«

Von Paula Irmschler

Das sogenannte Upskirting ist künftig in Deutschland eine Straftat, die mit zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Es könnte also voraussichtlich ab Herbst 2020 Konsequenzen haben, wenn man Personen unter den Rock oder in den Ausschnitt fotografiert. Cool, 2020 - ich danke der Academy. Sexuelle Selbstbestimmung, Privatsphäre, Schutz vor Übergriffen - und das im Jahre 2020. Es wird! Vielleicht.

Vor wenigen Wochen erzählte mir eine Freundin, wie sie in der Bahn von einem Typen fotografiert wurde, ganz offensichtlich. Er hat es nicht mal versteckt, so als wäre es das Normalste der Welt. Darauf angesprochen, entgegnete er nur: »Du hast doch so einen schönen Rock an!« Nun könnte man bald dagegen angehen, es bleibt aber noch immer die Frage, wie man den Typen festhält, bis die Polizei kommt, und ob man die Person, die zum Beispiel die Bahn fährt, zur Mithilfe bewegen kann. Es ist also wie immer, wenn es um sexuelle Übergriffe geht, nicht so einfach.

Meine Freundin bekam Hilfe von anderen Frauen, die das Geschehen mitbekommen hatten. Diese Form von Zivilcourage ist leider die Ausnahme. Weil es für viele noch immer nichts Schlimmes bedeutet, jemanden einfach so zu fotografieren. Ich las Kommentare, die argumentierten, Upskirting sei ein »opferloses Verbrechen«, man sehe ja nicht das Gesicht der Betroffenen.

Das ist eine weitverbreitete Sichtweise. Ich sehe ständig Bilder im Internet, die Leute ungefragt von anderen angefertigt haben. Diese Leute reden sich damit raus, dass man die Person darauf »ja nicht richtig erkennen« könne und dass auch niemand in der Bubble, mit der sie das Bild teilen, sie kennen würde.

Ich erinnere mich daran, wie ein Mädchen mal von mir im Zug ein Bild machte, als ich mich gerade ein wenig auf meinem Rucksack ausruhen wollte. So ist das halt: Man fotografiert Leute, von denen man findet, dass sie lustig aussehen, schickt es seinen Freunden oder stellt es gleich ins Netz. Es geht aber nicht nur darum, was aus dem Foto wird (es kann zu Mobbing führen, das eigene Gesicht kann zum Meme werden und so weiter), sondern auch darum, was das Menschen für ein Gefühl gibt. Dass sie sich nicht mehr unbeobachtet fühlen, weil sie beobachtet werden können, und zwar nicht nur von den sichtbaren Menschen in ihrer Umgebung, sondern auch von einer potenziellen Netzgemeinde. Es ist eine ständige Bedrohung.

Erst kürzlich las ich die Geschichte einer Frau, Jahrgang 1996, die von ihrer ersten sexuellen Begegnung erzählte. Ein paar der Handlungen an sich waren schon nicht konsensuell, und im Anschluss wurde sie zudem gefilmt, als sie noch nackt war. Die Generation, die mit Smartphones aufgewachsen ist, wird von dieser Drohung sogar in ihre intimsten Momente hinein verfolgt.

Dabei ist es wirklich total einfach, Leute. Fragt, bevor ihr jemanden fotografiert. Und haltet bitte eure Freunde davon ab, diese Form von Übergriffigkeit zu begehen. Wär voll lieb, danke!

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