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Gedenken an die Opfer des Massakers von Srebrenica

Am 25. Jahrestag des Völkermords haben Angehörige den 8000 ermordeten Jungen und Männern gedacht

  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Mann liest die Namen der Opfer des Massakers von Srebrenica auf dem Gedenkfriedhof in Potočari
Ein Mann liest die Namen der Opfer des Massakers von Srebrenica auf dem Gedenkfriedhof in Potočari

Srebrenica. Am 25. Jahrestag des Massakers von Srebrenica ist in Bosnien-Herzegowina der Opfer der schlimmsten Verbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gedacht worden. Srebrenica habe sich als »das dunkelste Kapitel der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien« ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Videobotschaft für die zentrale Gedenkzeremonie. Auf dem Gedenkfriedhof in Potočari wurden neun erst kürzlich identifizierte Opfer beigesetzt.

»Der tausendfache Mord, der hier an muslimischen Jungen und Männern verübt wurde, ist in seiner Brutalität und Dimension singulär für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg«, sagte Steinmeier und betonte: »Es war Völkermord.«

Am 11. Juli 1995 waren unter Führung des Generals Ratko Mladic bosnisch-serbische Milizen in die UN-Schutzzone einmarschiert. Innerhalb weniger Tage ermordeten sie in Srebrenica mehr als 8000 muslimische Jungen und Männer, die hier mit ihren Familien Zuflucht gefunden hatten.

Bis heute wurden die sterblichen Überreste von knapp 6900 Opfern des Massakers gefunden und identifiziert. Hasib Hasanovic fand an diesem Samstag endlich seine letzte Ruhestätte. Seine sterblichen Überreste gehörten zu jenen, die erst im Laufe des vergangenen Jahres zugeordnet werden konnten.

Auch ihre vier Schwestern hätten bei dem Massaker ihre Männer verloren, sagte Hasanovics 48-jährige Witwe Ifeta. »Mein Bruder wurde getötet, ebenso sein Sohn. Meine Schwiegermutter hat einen weiteren Sohn sowie ihren Ehemann verloren.«

Trotz strengster Vorkehrungen wegen der Corona-Pandemie nahm auch der 27-jährige Sehad Hasanovic an der Zeremonie teil, um seines ermordeten Vaters Semso zu gedenken. Zwei Jahre alt war Hasanovic, als sein Vater »in den Wald ging und nie wieder zurückkehrte«. Geblieben seien von Semso nur »wenige Knochen«, fügte Hasanovic hinzu.

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag stufte das Massaker von Srebrenica als Völkermord ein. Viele Vertreter der serbischen Seite weisen dies bis heute zurück. Erst kürzlich relativierte Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic das Massaker, indem er lediglich von »etwas, auf das wir nicht stolz sein sollten und können«, sprach.

Der bosnisch-serbische Bürgermeister des bis heute von Armut geprägten Srebrenica, Mladen Grujicic, behauptete am Freitag, es gebe »täglich neue Beweise, die die derzeitige Darstellung von allem, was passiert ist, widerlegen«. Der Präsident der serbischen Teilrepublik Srpska in Bosnien, Milorad Dodik, spricht von dem Massaker sogar als »Mythos«.

Viele Serben verehren Mladic, der vom UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien wegen Kriegsverbrechen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, bis heute. Zu lebenslanger Haft verurteilt wurde in Den Haag auch der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic.

Der Chef der größten bosnischen Partei SDA, Bakir Izetbegovic, erinnerte am Samstag an das Versagen der internationalen Gemeinschaft in Srebrenica. Sie habe »Srebrenica vor 25 Jahren nicht verteidigt, aber sie hat die Möglichkeit, die Wahrheit zu verteidigen, die angezweifelt wird«, sagte der Sohn des früheren bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic.

Der bosnische Groß-Mufti Husein Kavazovic warb für Verständigung auf Grundlage einer Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Menschen könnten »eine bessere Zukunft aufbauen, wenn wir die Wahrheit als Leitlinie akzeptieren«, sagte er.

Auch Steinmeier sprach sich für Dialog und Versöhnung aus. Dafür, dass die Wunden der Vergangenheit noch nicht geheilt seien, sei auch eine Rhetorik verantwortlich, die »das vermeintlich Trennende« in den Vordergrund stelle. Es gelte nun, das Gespräch zu suchen, »wo lange kein Wort mehr gesagt wurde«.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nutzte den Jahrestag des Massakers, um vor gefährlichem Nationalismus zu warnen. »Nationalistischen Tendenzen, wo immer sie uns begegnen, müssen wir entschieden entgegen treten«, sagte Maas. Ein Verbrechen wie Srebrenica dürfe sich niemals wiederholen. AFP/nd

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