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Anwältin für den erhofften Aufschwung

Die Juristin Eva von Angern soll Sachsen-Anhalts Linkspartei in den Landtagswahlkampf 2021 führen

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: 4 Min.
Eva von Angern 2017 an einem Wahlstand ihrer Partei in Magdeburg
Eva von Angern 2017 an einem Wahlstand ihrer Partei in Magdeburg

Die Nächste soll eine Frau sein: Den Wunsch äußerten viele Abgeordnete, als es kürzlich in der Landtagsfraktion der Linken um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl am 6. Juni 2021 ging. Das Ansinnen teilt nun auch die Partei. Auf einem kleinen Parteitag mit Kreisvorsitzenden und Landesparteirat schlug der Landesvorstand am Samstag die 43-jährige Eva von Angern für Platz 1 der Landesliste vor.

Sie »zählt seit Jahren zu den profiliertesten Politikerinnen Sachsen-Anhalts«, sagte Landeschef Stefan Gebhardt und hob ihren »leidenschaftlichen Einsatz für sozialen Zusammenhalt, Gleichstellung und Solidarität« hervor. Am 11. Oktober soll ein Parteitag über die Wahlstrategie samt der Personalie befinden; im Januar wird die Liste gewählt. Zuletzt hatte 2002 mit Petra Sitte eine Frau einen Landtagswahlkampf der Partei angeführt. Bei drei Wahlen seither war Wulf Gallert Spitzenkandidat.

Folgten die Delegierten dem Vorschlag, würde eine prominente Vertreterin der Partei gewählt, die bisher freilich in der zweiten Reihe stand. In Magdeburg führte sie einst den Stadtverband; in der Landtagsfraktion ist sie stellvertretende Vorsitzende. Gemessen daran, ist sie in den Medien aber oft präsent - als Fachpolitikerin, aber auch dank ihrer Position im Landesfrauenrat. Als bundesweit einzige Linke führt sie eine solche Dachorganisationen in einem Land an; bald könnte sie ihre dritte Amtsperiode antreten.

Die Juristin gilt als selbstbewusst und hält mit ihren Ansichten nicht hinterm Berg, auch wenn sie - etwa bei der Sicht auf die DDR - mal nicht mit denen manch anderer Genossen harmonieren. Selbstbewusstsein indes wäre eine Eigenschaft, die auch die Landespartei gut gebrauchen könnte. Bei der Wahl 2016 hatte sie sich fest aufs Regieren eingerichtet und stürzte von 23 auf 16 Prozent ab. Mit 16 Abgeordneten steht sie in der Opposition oft im Schatten der stärkeren, provokant auftretenden AfD. Intern ist von einem Trauma die Rede, von dem man sich nur schwer erhole.

Von Angern traut sich zu, ihrer Partei wieder mehr Gehör und Zuspruch zu verschaffen. Gerade nach Corona »liegen die Themen für uns auf der Straße«, sagt sie. Eine wichtige Frage sei, wie die Folgen der Pandemie ohne soziale Ungerechtigkeiten zu bewältigen sind. Auch die Rolle von Frauen in der Gesellschaft und die Wertschätzung für Berufsfelder, in denen sie stark vertreten sind, wird verstärkt diskutiert.

Zwei Herzensthemen von Angerns sind der Kampf gegen Rechtsextremismus, der sie einst ins Magdeburger »Bündnis gegen Rechts« und vor fast 25 Jahren auch zur PDS führte, sowie das Engagement gegen Kinderarmut. Vor drei Jahren war die dreifache Mutter Mitgründerin eines entsprechenden Landesnetzwerks. »Im Wahlprogramm wird das ein Schwerpunkt«, sagt sie. Gleiches gilt für Krankenhäuser, in denen es im Land zuletzt Streiks und Insolvenzen gab. »Solche Einrichtungen der Daseinsvorsorge«, sagt von Angern, »gehören nicht in die Hand von Privaten.«

In der Landespolitik gilt von Angern bisher vor allem als Fachfrau für Gleichstellung und Fragen von Recht und Verfassung. Sie sitzt seit zehn Jahren im Rechtsausschuss und ist inzwischen dort die einzige Juristin, die auch Praxiserfahrung hat: Sie arbeitet neben dem Mandat in einer Magdeburger Kanzlei für Straf- und Verkehrsrecht. In Brandenburg wurde sie 2016 als Justizministerin gehandelt. Durch die Mitgliedschaft im Finanzausschuss und die Arbeit im Landesfrauenrat ist sie aber auch mit vielen anderen Themen vertraut - was zum »Stellenprofil« einer Spitzenkandidatin gehört.

Als Anwärter auf die Rolle hatte auch Fraktionschef Thomas Lippmann gegolten, der Landeschef der Bildungsgewerkschaft GEW war und als Quereinsteiger 2016 in den Landtag kam. Er betont, die Partei müsse »die Konstellation finden, in der sie am stärksten abschneidet«. Sein Herzensthema bleibe der Bildungsbereich, und so lange dieser im Land »in einem so schlechten Zustand ist wie jetzt, fällt es mir schwer loszulassen und mich der gesamten Themenpalette zuzuwenden«. Wichtig sei, dass der Landesverband »mit einer starken Spitze, einem starken Team und starken Themen« in den Wahlkampf gehe: »Ich sehe meinen Platz an der Seite von Eva.«

Großes Ziel von Angerns wäre, dass die Linke in der neue Wahlperiode wieder mehr Einfluss in der Landespolitik bekommt: »Wir wollen mitgestalten«, sagt sie. Zwar wird sie, anders als Gallert 2011 und 2016, nicht als Ministerpräsidenten-Kandidatin nominiert. Angesichts von Umfragewerten um 16 Prozent würde das wenig plausibel wirken. Zugleich zeigt sich aber die SPD wieder offener für Bündnisse jenseits der CDU; gleiches gilt für Teile der Grünen. Beide Parteien treten ebenfalls mit Frauen an der Spitze an.

Die SPD wählte per Mitgliederentscheid Fraktionschefin Katja Pähle zur Nummer 1; bei den Grünen bewirbt sich Amtskollegin Conny Lüddemann - die einst Geschäftsführerin im Landesfrauenrat war. In dem Gremium, sagt von Angern, habe sie gelernt, »überparteilich zu arbeiten, ohne dabei den linken Anspruch aufzugeben«. Das gilt nicht nur für Landespolitik und nicht nur für Mitte-links-Bündnisse. Ihr Kanzleipartner ist CDU-Mitglied.

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