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Markus Söder Superstar

Der bayerische Ministerpräsident sticht derzeit alle möglichen CDU-Kanzlerkandidaten aus

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 4 Min.
Söder 2017 als Homer Simpson
Söder 2017 als Homer Simpson

Er war Oger Shrek, Homer Simpson, Marilyn Monroe, Prinzregent Luitpold und auch schon Edmund Stoiber. Zur »Fastnacht in Franken« erschien Markus Söder viele Jahre in aufwendiger Verkleidung, zelebrierte seine Auftritte und pflegte so das Image eines Politikers, der die Fähigkeit besitzt, sich selbst auch einmal nicht so ernst zu nehmen. Lange Zeit taten das allerdings auch außerhalb der Faschingszeit sehr viele nicht, vor allem jenseits der bayerischen Grenzen. Zu sehr erweckte der CSU-Mann den Eindruck, in dem Körper eines Hünen stecke statt eines durchweg kompetenten Politikers ein kleiner, trotziger Junge.

Doch nach der Übernahme von Ministerpräsidentenamt und CSU-Parteivorsitz hat es Söder nun tatsächlich geschafft, sich auch zu einem bundespolitischen Schwergewicht zu mausern - der nach jetzigem Umfragenstand gar gute Chancen hätte, nicht nur Edmund Stoiber als CSU-Kanzlerkandidat der Union, sondern auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu beerben. Söder wie Merkel auf Seiten der Union sowie Sozialdemokrat und Finanzminister Olaf Scholz profitieren derzeit von einer positiven Wahrnehmung ihres Coronakrisen-Managements.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Kantar für die »Bild am Sonntag« geben die Befragten der Kanzlerin dafür eine Durchschnittsschulnote von 2,4; und insgesamt 67 Prozent bescheinigen ihr, dass sie ihre Arbeit »gut« oder »sehr gut« mache. Söder folgt mit einer 2,6 und 57 Prozent, die seine Arbeit mit »sehr gut« oder »gut« auf Platz zwei bewerten. Scholz bekommt eine 2,8 und von 42 Prozent »sehr gut« oder »gut«. Knapp dahinter ordnen die Befragten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ein, den sie mit einer 2,9 bewerten (43 Prozent: »sehr gut« oder »gut«). Erst weit dahinter sortiert sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein, der sich mit Spahn als Vize im Doppelpack um den CDU-Vorsitz bewirbt und lange Zeit auch als aussichtsreicher Kanzlerkandidatenkandidat galt: Er wird lediglich mit einer 3,5 bewertet (18 Prozent: »sehr gut« oder »gut«).

Während Laschet und Spahn zwar keine Bestnoten für ihr Krisenmanagement erhalten, so stehen sie wenigstens qua Amt im Fokus der Öffentlichkeit und damit auf Aufmerksamkeitsaugenhöhe mit Söder. Die beiden anderen prominenten Bewerber um den CDU-Vorsitz und damit automatisch auch um eine mögliche Unions-Kanzlerkandidatur - Friedrich Merz und Norbert Röttgen - werden hingegen durch die Coronakrise derzeit weit zurückgeworfen. Um Aufmerksamkeit müssen sie kämpfen, und Möglichkeiten, sich als Macher zu profilieren, haben sie schlichtweg nicht - was auch Auswirkungen auf ihre Chancen haben dürfte, sich nach einem etwaigen Sieg gegen Laschet/Spahn in Sachen CDU-Vorsitz dann noch gegen Söder in der K-Frage durchzusetzen.

So ist es wieder der Franke, der eine weitere Umfrage dominiert. Wenn der Kanzler direkt gewählt würde, hat laut einer Forsa-Befragung für das RTL/ntv-Trendbarometer allein Söder das Potenzial, mögliche Kandidaten von SPD und Grünen zu schlagen. So würde sich der CSU-Chef gegen Scholz mit 40 zu 26 Prozent durchsetzen und gegen Grünen-Chef Robert Habeck gar mit 46 zu 24 Prozent vorne liegen. Ein möglicher Kanzlerkandidat Merz hingegen würde gegen Scholz mit 20 Prozent zu 37 Prozent den Kürzeren ziehen. Laschet käme im Vergleich zu Scholz gar nur auf 15 Prozent, während für den Finanzminister 39 Prozent der Bürger stimmen würden. Und auch gegen Habeck würden Merz mit 31 zu 26 Prozent und Laschet mit 30 zu 21 Prozent verlieren. Nach den Chancen Norbert Röttgens wurde in der Umfrage gar nicht erst gefragt.

Auch wenn Söder selbst weiterhin beteuert, dass sein Platz in Bayern ist, und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warnt, »jetzt keine langanhaltende Diskussion über Personalfragen zu führen«, kann man angesichts andere Aussagen der beiden durchaus annehmen, bei der Ziererei handele es sich dann doch eher um ein taktisches Spielchen.

Wenn Söder etwa in Bezug auf einen Kanzlerkandidaten als Anspruch formuliert, »nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen«, sind Merz und Röttgen schon einmal raus. Und wem anderes als seinem eigenen Chef dürfte Dobrindt folgende Eigenschaften zuschreiben, wenn er erklärt: »Aber klar ist doch, dass man bei Entscheidungen über eine Kanzlerkandidatur sich immer mit den Elementen Kompetenz, Zustimmung und Chancen auseinandersetzen wird.« Mit Agenturen

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