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Brutal unterwegs

Endgültige Entscheidung über das Aus der Berliner Kaufhof-Filialen in dieser Woche erwartet

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Noch in dieser Woche will die Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof eine definitive Ansage machen, welche ihrer Berliner Filialen tatsächlich schließen und welche verschont bleiben. Das erfuhr »nd« am Dienstag aus dem Bezirksamt Lichtenberg. Nicht nur Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) rechnet fest damit. Auch Wirtschaftsstadtrat Kevin Hönicke (SPD) sagt: »Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen fallen.«

Wie berichtet, plant der Konzerneigner der Signa Holding, allein in Berlin sechs seiner elf Häuser zu schließen, dazu die Sportsfiliale in Charlottenburg. In ganz Berlin stehen über 1000 Jobs auf dem Spiel. Lichtenberg wäre dabei von dem Kahlschlag besonders betroffen. Beide Filialen im Bezirk - die im Ring-Center an der Frankfurter Allee und die im Linden-Center in Neu-Hohenschönhausen - stehen auf der Abschussliste.

»Die Verhandlungen mit dem Galeria-Eigentümer verlaufen sehr zäh«, berichtet Bürgermeister Grunst. So sei die zum Firmenimperium der Hamburger Unternehmerfamilie Otto gehörende ECE Projektmanagement, der Vermieter beider Standorte, nach Grunsts Informationen zwar zu Mietnachlässen bereit. »Ob das die Rettung für die Filialen ist, kann ich aber nicht einschätzen. Die Signa Holding ist brutal unterwegs.« Klar sei aber: »Wir werden weiterhin nichts unversucht lassen im Kampf um die beiden Häuser.«

Systemrelevanter Standort

Auch deshalb schlossen sich Michael Grunst und Stadtrat Kevin Hönicke am Dienstagnachmittag zusammen mit über 100 weiteren Unterstützern einer Protestkundgebung der Gewerkschaft Verdi vor dem Linden-Center an. »Die Eigentümer sollen begreifen, dass das Einkaufszentrum am Prerower Platz systemrelevant ist«, sagt Grunst, der zugleich - auch hier im Einklang mit dem Wirtschaftsstadtrat - das »Entwicklungspotenzial« von Neu-Hohenschönhausen hervorhebt.

Erika Ritter, Leiterin des Verdi-Landesfachbereichs Handel, sieht die Sache etwas düsterer. »Wenn Kaufhof hier dicht macht, dann geht das ganze Einkaufszentrum den Bach runter«, sagt Ritter. Tatsächlich nimmt die Galeria-Filiale einen Großteil der gesamten Verkaufsfläche des Linden-Centers ein. Auch Gewerkschafterin Ritter will sich noch nicht geschlagen geben. Gleichwohl ist sie zurückhaltend, was die Überlebenschancen für den Standort Neu-Hohenschönhausen angeht. Es sehe für sie danach aus, als wolle sich Signa der Filiale im Linden-Center entledigen. »In Spandau, wo die Filiale ja erhalten werden soll, wittert der Konzern wohl eine gut betuchte Klientel. Das ist in Neu-Hohenschönhausen offenbar nicht der Fall.«

Lobende Worte findet die Gewerkschaft für die Bemühungen des rot-rot-grünen Senats um den Erhalt der Hauptstadt-Standorte. Frühzeitig hatte sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) in die Verhandlungen eingeklinkt. »Das ist gut, dass mit allen Beteiligten gesprochen wird«, betont Erika Ritter mit Blick auf die Arbeit von Pop. Und auch Stadtrat Hönicke sagt: »Frau Pop macht das engagiert.« Die Senatswirtschaftsverwaltung selbst hält sich zum Stand der Dinge indes bedeckt. Wie eine Sprecherin »nd« mitteilt, »wurde Vertraulichkeit vereinbart«.

Horror für die Beschäftigten

Die vom Konzern angestrebte »Portfoliobereinigung« bleibt bei alldem vor allem für die betroffenen Beschäftigten eine Horrorvorstellung. »Der Mitarbeiterstamm in der Filiale im Linden-Center ist in den letzten Jahren ja ohnehin schon radikal von 200 auf etwas über 50 runtergekürzt worden«, so Stadtrat Hönicke. »Schon deshalb geben wir nicht auf.«

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