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Untergang trotz Bademeister

Corona bremst Seebad Friedrichshagen als Gastro- und Eventlokation aus

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Sprung vom Drei-Meter-Brett wird im nahezu leeren Bad zum exklusiven Vergnügen – kühles Wetter und Coronaregeln machen’s möglich.
Der Sprung vom Drei-Meter-Brett wird im nahezu leeren Bad zum exklusiven Vergnügen – kühles Wetter und Coronaregeln machen’s möglich.

Die wirtschaftliche Lage der kleineren Pachtbäder in Berlin ist angesichts der Auflagen für den Betrieb in der Coronakrise selbst auf dem Höhepunkt der Urlaubssaison dramatisch. Mitte Juni, unmittelbar vor Ferienbeginn, hatten zehn Betreiber unter dem Motto »Berlin geht Baden« in einem Appell vom Senat Unterstützung gefordert. Angesichts aufwendiger Hygienekonzepte und zugleich dramatisch einbrechender Einnahmen schrie᠆ben sie: »Lasst uns nicht baden gehen. Mieterlass, nicht Stundung! Verlängerung der Nutzung, nicht Kürzung durch Corona.«

Den Zugang zum Seebad Friedrichshagen im gleichnamigen Köpenicker Ortsteil gibt ein Durchgang in der Häuserfront am Müggelseedamm frei. Durch Leander Haußmanns Filmsatire »Hai-Alarm am Müggelsee« hat es sogar eine gewisse bundesweite Bekanntheit erlangt. Seit 1896, als das damalige Wilhelmsbad gegründet wurde, tummeln sich hier im Sommer vor allem junge Leute und Friedrichshagener Familien mit Kindern. Dass es derzeit anders ist, liegt nicht in erster Linie am Wetter. Der Vormittag mit Nieselregen und 18 Grad Lufttemperatur lockt nur zwei Schuljungen ins Bad. Den Sprungturm mit Drei- und Fünf-Meter-Plattform haben sie ganz für sich, das Wasser ist mit 21 Grad okay.

»Die beiden zählen gerade zu den eher wenigen ›Stammgästen‹, sie sind fast täglich hier«, sagt Miriam Saykowski, die an diesem Mittwoch das Tagesgeschäft leitet. Die Eventmanagerin, gelernte Veranstaltungskauffrau, eine der beiden Autorinnen des Appells, trägt es mit Fassung, dass das Bad fast leer ist. Die strengen Hygieneauflagen, über die bereits am Eingang ein Aufsteller informiert, hält sie angesichts der längst nicht gebannten Virusgefahr für unumgänglich. Auf dem Sandstrand sind Karrees abgesteckt, die den sicheren Abstand zwischen den einzelnen Liegeflächen vorgeben. »Die uns vor Kurzem zugebilligte Verdopplung der zulässigen Besucherzahl auf 400 Gäste haben wir bislang noch gar nicht erreicht«, sagt sie. »Die Leute sind vorsichtig. Und wir achten auch streng darauf, dass die Regeln eingehalten werden.«

Der Badebetrieb ist nur eines von drei Geschäftsfeldern, auch wenn er davon profitiert, dass ein Floßvermieter und ein Verleiher von »Stand Up Paddle«-Boards auf dem Areal ihren Service anbieten. Geld wird in normalen Jahren vor allem auch mit der Wintereisbahn und dem Bankettgeschäft mit Hochzeiten, Familien- und Betriebsfeiern verdient. Und da liegt seit Ausbruch der Corona-Pandemie der Hund begraben. »Unser Kalender war voll für dieses Jahr, jetzt ist er fast leer«, sagt Saykowski. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen. »Aber es ist gut für den Kopf, dass wir überhaupt etwas tun können, damit man nicht in ein tiefes Loch fällt.«

Tobias Apelt, seit 2009 Geschäftsführer, der Betreibergesellschaft des Seebades, hat das mit Corona drohende wirtschaftliche Desaster kommen sehen. »Wir wussten, wenn wir aufmachen, dann machen wir noch mehr Verlust«, sagte er dem »nd«. Gemeinsam mit den Betreibern der Köpenicker Strandbäder in Grünau und Wendenschloss habe er im Mai Alarm geschlagen und ein Netzwerk geknüpft. Für das Seebad sieht Apelt nur eine Chance, wenn ihm für ein bis zwei Jahre die Pacht erlassen und der Vertrag um drei bis vier Jahre verlängert würde.

»Nur der Verpächter, die Berliner Bäder-Betriebe, könnte Pacht erlassen oder stunden. Dazu laufen bereits Gespräche der Bäder-Betriebe mit den Pächtern«, teilte Sprecher der Innenverwaltung auf nd-Anfrage dazu mit. »Wir haben dieses Thema im politischen Raum platziert und gehen davon aus, dass der Ersatz des Einnahmeausfalls für die Berliner Bäder-Betriebe als Verpächter im Falle eines Pachterlasses im Rahmen der parlamentarischen Diskussionen des 2. Nachtragshaushalts Gegenstand der Erörterung sein wird.«

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