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  • Berlin
  • Zentral- und Landesbibliothek

Hugendubelisierung erneut in der Kritik

Verdi fordert ein Umdenken bei der Medienbeschaffung an der Zentral- und Landesbibliothek

  • Von Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Gewerkschaft Verdi fordert die Berliner Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf, die Zusammenarbeit mit Hugendubel zu beenden. Seit Anfang 2018 wird die Buch- und Medienbeschaffung der ZLB zu wesentlichen Teilen über den Großbuchhändler abgewickelt. Da das Vertragsverhältnis mit Hugendubel zum Jahresende gekündigt werden kann, sei jetzt die Gelegenheit dazu, sagt Jana Seppelt, bei Verdi für die Bibliotheken der Hauptstadt zuständig: »Die Aufgabe muss wieder komplett in den Kompetenzbereich der Bibliothek und damit in die öffentliche Hand zurück.«

Verdi hatte das »Outsourcing« der Medienbeschaffung an ein externes Unternehmen von Beginn an kritisiert. Bereits 2016 hatte die ZLB damit begonnen, 2018 übernahm ein Tochterunternehmen von Hugendubel einen Großteil des Jobs. Zuvor waren fast ausschließlich Fachlektoren der ZLB für den Bestandsaufbau zuständig. Seither sei, so Seppelt, deren Aufgabe »im Wesentlichen darauf beschränkt, schriftliche Fächerprofile zu erstellen, auf deren Grundlage dann Beschäftigte eines gewinnorientierten Großkonzerns die eigentliche Medienauswahl treffen«.

Ein Unding, findet auch Lothar Brendel, Personalratsvorsitzender der Bibliothek. Auch er ärgert sich seit Jahren darüber, »dass ausgerechnet der Bestandsaufbau, eine der Kernaufgaben der Bibliotheksarbeit, an ein privatwirtschaftliches Unternehmen ausgelagert wird«. Einen qualitativen Mehrwert kann Brendel hierin nicht erkennen. Einige Kollegen würden sagen, man finde nach wie vor, was man suche. »Von anderen weiß ich aber, dass sie sagen: Das, was Hugendubel da abliefert, kann man komplett vergessen.« Wie Brendel sagt, könne er aber kein verlässliches Meinungsbild der insgesamt 320 Mitarbeiter der ZLB wiedergeben. Eigentlich sei im Zuge des Vertragsabschlusses mit Hugendubel eine Evaluation versprochen worden. »Wenn es überhaupt so etwas in der Art gab, dann weiß ich davon nichts.«

Tatsächlich, so ZLB-Sprecherin Anna Jacobi zu »nd«, »läuft aktuell ein Evaluationsprozess, der zum Jahresende abgeschlossen sein wird«. Generell gebe es mit Blick auf die Zusammenarbeit mit Hugendubel aber ohnehin keinen Grund zur Klage. Das Unternehmen mache seine Sache gut. Und überhaupt: »Es macht doch Sinn, bestimmte Aufgaben von Externen erledigen zu lassen, so haben unsere Mitarbeiter Kapazitäten frei für andere Tätigkeiten.« Der Gewerkschaft attestiert Jacobi denn auch ein »sehr rückwärtsgewandtes Bild von Bibliotheksarbeit«. Die Zeiten, in denen Mitarbeiter ausgiebig Verlagsprospekte studieren, seien nun mal vorbei.

Das will Gewerkschaftssekretärin Seppelt nicht auf sich sitzen lassen: »Wir sind keine Ewiggestrigen.« Die Steuergelder, die seit 2018 Hugendubel zugute kämen, sollten vielmehr anders eingesetzt werden: in den Aufbau des Personalstamms. »Da muss das Geld reinfließen«, sagt Seppelt. Gewerkschaft und Personalrat geht es bei ihrer Kritik vor allem ums Prinzip. »Will sich ausgerechnet Rot-Rot-Grün - ausgerechnet die politische Linke - zu Verteidigern eines neoliberalen Outsourcings machen?«, fragt Personalrat Brendel.

Die Antwort aus der Senatskulturverwaltung, die über den ZLB-Stiftungsrat ein gehöriges Wörtchen bei der Entscheidung zur künftigen Medienbeschaffung mitzureden hat, fällt eindeutig aus. »Die Medienbeschaffung via Hugendubel Fachinformation ist kein neoliberales Outsourcing, es ist schlicht eine andere Form der Medienbeschaffung als vorher«, sagt Daniel Bartsch, Sprecher von Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Für eine Kündigung des Vertrags mit Hugendubel gebe es aus Sicht des Senats »keinen Grund«.

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