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Terrvorverdächtiger Nazi tot in Zelle gefunden

46-jährige soll der »Gruppe S« 50.000 Euro für Waffenkäufe versprochen haben

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.
JVA Dortmund (Aufnahme 2004)
JVA Dortmund (Aufnahme 2004)

Ulf R. gehört zu den Unterstützern der Gruppe S, über den wenig bekannt ist. Andere Mitglieder der Gruppe, die im Februar vom Generalbundesanwalt als mutmaßliche Rechtsterroristen festgenommen wurden, haben ein gut dokumentiertes Vorleben in der Neonazi-Szene oder unter Reichsbürgern. Über andere, wie den Verwaltungsmitarbeiter der Polizei in Hamm Thorsten W. wurde seit der Verhaftung immer mehr bekannt. Um Ulf R. blieb es ruhig. Der 46-jährige soll der Gruppe um Werner S. zugesagt haben, 50.000 Euro für Waffenkäufe beizusteuern. Bei seiner Festnahme im ostwestfälischen Porta Westfalica fanden die Polizeibeamten außerdem Waffen und selbst gebaute Handgranaten. Diese waren so fragil, dass der Kampfmittelräumdienst anrücken musste.

Ulf R. soll sich in den Kreisen der Reichsbürger bewegt haben. Die Polizei entzog ihm deswegen 2018 den Waffenschein. In welchen Zusammenhängen des vielfältigen Reichsbürger-Milieus er sich bewegt hat, ist nicht bekannt. Am vergangenen Montag wurde Ulf R. tot in seiner Zelle in der JVA Dortmund, wo er in Untersuchungshaft saß, aufgefunden. Anzeichen auf ein Fremdverschulden soll es nicht geben. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat eine Obduktion des Leichnams angeordnet.

Im Netz kursierten schon kurz nach der Todesmeldung wilde Verschwörungstheorien. In einer neonazistischen Gruppe des Messengers Telegram wurde auf Rudolf Hess angespielt, über dessen Selbstmord sich in der Szene bis heute eine Mordtheorie hält. Von Linken wurde an das »Zeugensterben« im NSU-Komplex hingewiesen.

Nun sitzen noch elf Mitglieder und Unterstützer der Gruppe S in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt wirft ihnen vor, sich im September 2019 zu einer rechtsterroristischen Vereinigung zusammengeschlossen zu haben. Ihr Ziel soll es gewesen sein, durch Anschläge auf Politiker, Geflüchtete und Muslime einen »Rassenkrieg« zu provozieren. Bei Treffen soll die Gruppe Schießübungen veranstaltet haben. Gruppenfotos zeigen die Personen, wie sie mit Äxten posieren.

Die Sicherheitsbehörden waren durch einen Informanten, der Teil der Gruppe war, auf sie aufmerksam geworden. Aus dem Umfeld der Gruppe S wurde der Informant nach den Festnahmen im Internet bedroht. Unklar ist, wie groß die Gruppe wirklich war und wie viele Personen aus ihrem Umfeld in die Terrorplanungen eingeweiht wurden.

Brisant ist die Mitgliedschaft des Verwaltungsmitarbeiters der Polizei Hamm Thorsten W. Möglicherweise wäre es ihm möglich gewesen an Maschinenpistolen zu kommen. Außerdem prahlten Mitglieder der Gruppe, dass Polizisten und militärisch ausgebildete Personen sie unterstützen würden, wenn sie mit ihren Anschlägen beginnen. Gute Verbindungen soll die Gruppe S zur Bruderschaft Deutschland haben, einer rechten Gruppierung mit Schwerpunkt in Düsseldorf, die ihre Mitglieder unter Hooligans und Rockern rekrutiert.

Bei einem führenden Mitglied der Bruderschaft gab es im April eine Hausdurchsuchung, die laut dem nordrhein-westfälischen Innenministerium in einem Zusammenhang mit den Terrorermittlungen gegen die Gruppe S. stehen.

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