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Wahlkampf mit Promis

Halberstadt vor Stichwahl zwischen Linke- und CDU-Kandidaten

  • Von Uwe Kraus, Halberstadt
  • Lesedauer: 3 Min.

Duelle zwischen Andreas Henke (Linke) und dem heute 37-jährigen Christdemokraten Daniel Szarata besitzen in Halberstadt keinen Seltenheitswert. Schließlich führt der CDU-Landtagsabgeordnete seit sechs Jahren die vor der LINKE stärkste Fraktion im Stadtrat, und der gestandene Kommunalpolitiker Henke steht seit bereits 14 Jahren an der Stadtspitze. Da möchte er auch nach dem kommenden Sonntag bleiben. Schließlich sei die Domstadt die größte Kommune im Land Sachsen-Anhalt, die von einem Linken-Oberbürgermeister geführt werde, betont Monika Hohmann, Mitglied im Landesvorstand der Partei und lokale Landtagsabgeordnete.

Bereits 2013 traten Henke und Daniel Szarata gegeneinander an, wobei der Linken-Politiker im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber gewann. Am 5. Juli nun traten sechs Kandidaten an. Danach muss am Sonntag Amtsinhaber Henke mit 4179 Stimmen als Zweitplatzierter in eine Stichwahl gegen den CDU-Stadtrat, für den 5550 Halberstädter votierten. Eine neue Konstellation für den durchaus beliebten Linke-Politiker. Auf das Duell war er eingestellt. »Das ist keine Überraschung, ich habe damit gerechnet,« verkündete der bekennende Freimaurer, der eine Woche nach der Stichwahl 58 Jahre alt wird. Angesichts der ungewohnten Verfolgerposition zog er den Vergleich mit einem Fußballmatch, bei dem die Tore am Ende der Spielzeit gezählt werden.

Derzeit wirkt er neben seinem Oberbürgermeister-Alltag intensiv daran, möglichst viele Wähler in der Kernstadt und den Ortsteilen zur Stimmabgabe zu motivieren und ihnen klar zu machen, dass er nach 14 Jahren im Rathaus noch keineswegs amtsmüde sei. Ihn sorgt die geringe Wahlbeteiligung. Traten doch vor zwei Wochen nur 41,70 Prozent der 33 512 Wahlberechtigten an die Urnen oder beteiligten sich an der Briefwahl. Bei der Abstimmung vor sieben Jahren waren es gar nur 39,8 Prozent.

Zünglein an der Waage dürften die Anhänger der Wählervereinigung »Bürger unseres Kreises ohne Parteibuch« (Buko) und der AfD werden, deren Kandidaten in der ersten Runde den dritten und vierten Platz belegten. Der Bundeswehroberstleutnant und heimische Handballpräsident Denis Schmid (Buko) neigt Daniel Szarata zu, der mit halberstadtkannmehr wirbt, während andere Mitglieder der recht heterogenen Vereinigung als eher Henke-nah gelten. Der mit 9,41 Prozent viertplatzierte Rechtsanwalt Christian Hecht (AfD) kündigte an, den CDU-Kandidaten zu unterstützen. Wie wichtig dessen Sieg der CDU ist, macht der Auftritt von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) deutlich, der mit Szarata eine Medizintechnikfirma besuchte und mit Unternehmern redete. Schließlich seien die Christdemokraten in den vergangenen 75 Jahren noch nie so nah daran gewesen, den Oberbürgermeister-Sessel zu besetzen.

Am Montag holte sich auch Amtsinhaber Henke mit Bodo Ramelow aus dem Nachbarland Thüringen einen Ministerpräsidenten zu Hilfe. Bei einem »Stadtspaziergang« lobte der die Stadtsanierung der zurückliegenden Jahre und sprach bei einer Mahnwache für ein weltoffenes und friedliches Halberstadt am »Denkort Martini« mit Bürgern. Ramelow: »Henke macht seine Arbeit auch in diesen kritischen Zeiten sehr gut.«

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