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Von Hand glätten Betonierer die Oberfläche der neuen Flugzeugabstellfläche, das Finish erhält sie danach mit einem Besen.
Flughafen

BER-Abstellfläche ist feingerippt

Noch vor der Eröffnung des neuen Airports läuft der Ausbau seiner Infrastruktur.

Von Tomas Morgenstern

Die Sonne steht im Zenit, es ist brütend heiß, den Männern in ihrer orangefarbenen Arbeitskluft rinnt unter den Schutzhelmen der Schweiß übers Gesicht. In Sichtweite des markanten Flughafentowers gießen sie eine breite Betonbahn. Transporter bringen im kurzen Zeittakt frischen Beton vom nur wenig Hundert Meter entfernten, eigens für die Flughafenbaustelle errichteten Betonwerk heran, und beschicken mit ihrer 30-Tonnen-Last die riesige, ohrenbetäubend lärmende Betoniermaschine. Über drei hintereinander angeordnete Brücken wird das Baumaterial ausgebracht, verdichtet und geglättet. Die so entstehende Deckschicht ist 40 Zentimeter stark. »Wir verbauen hier eine große Menge Beton für neue Parkpositionen«, erklärt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bei einer Baustellentour zu Wochenbeginn den Journalisten. »Das geschieht, um den Flughafen weiter zu optimieren.«

Gut 20 Bauleute bedienen die Maschine, mit der sie pro Tag einen Streifen von 15 Metern Breite und 200 Metern Länge betonieren. »Und am Ende kommt der Besenmann«, sagt der Flughafenchef begeistert. Tatsächlich zieht auf der letzten Maschinenbrücke ein einzelner Mitarbeiter unablässig einen breiten, groben Besen Streifen für Streifen quer über den geglätteten Beton. »So erhält die Oberfläche diese feinen Riefen, die später den Flugzeugreifen den richtigen Grip bietet«, sagt Lütke Daldrup. Unglaublich, aber wahr: Der »Besenmann« verleiht am Ende wohl dem gesamten Flughafenvorfeld per Hand seine persönliche Note.

Dass in gut 100 Tagen der lange schon überfällige Flughafen BER nun tatsächlich in Betrieb gehen soll, mag man angesichts des raumgreifenden Baugeschehens auf dem weitläufigen Vorfeldbereich zwischen dem Tower und dem Fluggastterminal T1 kaum glauben. Hier, am sogenannten Vorfeld E2, entstehen bis Ende 2021 neue Overnight-Standplätze für 15 Mittelsstreckenflugzeugen der Kategorie C. Das sind Passagierflugzeuge vom Format einer Airbus A320 oder einer Boeing 737, die in Europa den Großteil des Luftverkehrs bewältigen. An den Berliner Flughäfen macht ihr Anteil laut Lütke Daldrup rund 80 Prozent aus.

Platz genug ist auf den ersten Blick vorhanden. Das kleine Dörfchen Selchow auf der dem BER-Terminalkomplex gegenüberliegenden Seite, ein Ortsteil von Schönefeld (Teltow-Fläming), ist hinter den Hangars der »Maintainance Area«, wo etwa die Lufthansa-Technik beheimatet ist, kaum auszumachen. Derzeit sind 130 coronabedingt befristet stillgelegte Linienmaschinen, hauptsächlich von Lufthansa und Easyjet, auf dem weitläufigen Flughafengelände zwischengeparkt. Zwischen den Reihen der »gegroundeten« Flugzeuge kurven schwere Lastwagen scheinbar regellos um Halden von Baumaterialien und durch die für sie angelegten Verkehrstrassen. Jenseits der Baustelle harrt das inzwischen betriebsbereite Terminalgebäude, in dem endlich die Abfertigungsabläufe für die Inbetriebnahme im Herbst geprobt werden. Wie eine Mahnung steht am Portal schon seit Jahren in weißen Lettern die Aufschrift »Berlin Brandenburg Airport Willy Brandt«.

Im Vorfeld E2 ist Eile geboten, denn einerseits belasten die Arbeiten den Betrieb des Flughafens Berlin-Schönefeld (Alt), zum anderen sollen die Betonierer bis Anfang September fertig sein, weil dann der gesamte Flughafen auf die Inbetriebnahme am 31. Oktober vorbereitet wird.

Die mit den derzeit am BER abgestellten Flugzeugen eingenommenen Gebühren sind eher ein Zubrot für die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB). »Im Schnitt bringt das 3500 Euro pro Maschine und Monat«, sagt Lütke Daldrup. Peanuts für ein Unternehmen, dem wegen der Corona-Pandemie seit Monaten Einnahmen in Millionenhöhe wegbrechen und für deren Finanzen sich jetzt sogar eine Staatsanwaltschaft interessiert.

Die gesamte Betonfläche, die im Vorfeld E2 auf 110 Metern Breite und 850 Metern Länge gegossen wird, ist alles andere als ein schnöder Parkplatz, wie man ihn vor Supermärkten findet. Sie ist ein echtes Hightech-Produkt, mit dem der neue Hauptstadtflughafen künftig wirklich Geld verdienen will. Denn ein großes Manko des im Herbst schließenden Flughafens Tegel ist die mit 51 Parkpositionen zu geringe Abstellkapazität. Der BER wird 2021 insgesamt 144 Stellplätze bieten. »Zwei Drittel unseres Geldes verdienen wir mit dem Flugverkehr«, sagt der Flughafenchef. »80 Fluggesellschaften betreiben bei uns Flugzeuge, von denen viele hier nachts stehen und auch gewartet werden.«

»Vorfeldflächen sind die wichtigste Ressource für jeden Flughafen. In Tegel haben wir lange unter der viel zu geringen Anzahl von Abstellpositionen gelitten. Dieser Mangel wird mit dem BER endlich behoben«, sagt er. Der Flugverkehr werde sich in den kommenden Jahren wieder normalisieren, dann werde der neue Airport dabei auch einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung der Gesamtregion leisten. »Daher ist es wichtig, jetzt mit dem Ausbau der Vorfeldfläche E2 die Weichen in Richtung Zukunft der Metropolregion zu stellen.«

Die Bauarbeiten im Vorfeld sind Teil des von der FBB vor drei Jahren beschlossenen Ausbauprogramms für die weitere Entwicklung des BER. Generalunternehmer für die 40 Zentimeter starke Betonfläche ist ein Branchenspezialist, die Strabag Großprojekte GmbH. Für fast 50 Millionen Euro werden 86 000 Quadratmeter Vorfeldfläche sowie zwei 5000 Quadratmeter große Schneedeponien an den nördlichen und südlichen Enden bis Ende 2021 gebaut. Im Rahmen des Projekts entstehen auch eine Abwasserdruckleitung und ein zentraler Bodenfilter. Die zugehörigen Regenwasserpumpwerke werden in diesem Zuge ebenfalls an die neuen Anforderungen angepasst.

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