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Linke Wagenburg besetzt Dorfplatz

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die Bewohner*innen des akut räumungsbedrohten queerfeministischen Hausprojekts »Liebig34« in Berlin-Friedrichshain haben Verstärkung bekommen: Die feministische Wagenplatzgruppe »DieselA« ist am Montagnachmittag auf den sogenannten Dorfplatz direkt vor dem Haus gezogen. »Wir wollen uns solidarisch zeigen mit den Hausprojekten im Nordkiez und uns den Dorfplatz zurückholen«, sagt eine der Bewohner*innen, die sich Anna Kante nennt, zu »nd«.

Seit den rechtswidrigen Räumungsversuchen beim benachbarten linksradikalen Hausprojekt »Rigaer94« durch Polizei und vorgebliche Hausverwaltung vor knapp zwei Wochen (»nd« berichtete) sei die Situation im Kiez immer unangenehmer geworden. »Das Verhältnis zwischen netten Menschen und der Polizei stimmt nicht mehr. Das wollen wir ändern«, sagt die Aktivistin.

Die Gruppe »DieselA« sucht schon seit Monaten nach einem neuen Bauwagenplatz in Berlin. Im Mai vergangenen Jahres besetzten sie dafür eine Brache an der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg. Nach der Räumung ging es dann weiter nach Marzahn. Als auch dort die Polizei mit 250 Beamten und einem Hubschrauber räumte, lebten die Bauwagen-Bewohner*innen zunächst an der Straßenkante, bevor sie Anfang Juni dieses Jahres eine Wiese in Karlshorst besetzten, wo sie ebenfalls nicht bleiben durften. Nun stehen sie zwar etwas zentraler, aber auch mitten im »Gefahrengebiet«. »Die Polizei sagt, sie sind hier wegen der Bedrohung, aber sie stellen die Bedrohung erst her«, sagt Anna Kante.

Gemeinsam mit den Bewohner*innen der »Liebig34«, deren Räumlichkeiten, sanitäre Anlagen, Wasser und Strom die »DieselA«-Gruppe nutzen kann, veranstalten sie nun ein Ferienprogramm auf dem Dorfplatz mit Workshops, Küfa (Küche für alle) und anderen Aktivitäten wie Briefe an Gefangene schreiben. Sie hoffen auch auf Beteiligung der Nachbarschaft. »Es wird immer so getan, als würde der ganze Kiez die Hausprojekte hassen. Das stimmt aber nicht, die meisten sind sehr solidarisch.« Wie lange sie bleiben werden, hänge vor allem von der Polizei ab, so die Bewohner*innen. Bisher würden die sich jedoch darauf beschränken, »rumzustehen und zu glotzen«.

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