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Im Grunde zu trocken

Die Niederschläge der vergangenen Wochen reichen bislang nicht aus, um den Wassermangel auszugleichen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 5 Min.
Trockenheit: Im Grunde zu trocken

Der Spargel war im Grunde eine Enttäuschung für die Produzenten, beim Obst könnte es auch deutlich besser laufen, und die Getreideernte verspricht »durchwachsen« zu werden. Mit großen regionalen Unterschieden. Nach zwei Dürrejahren erlebt die Region Berlin-Brandenburg in Sachen Witterung so etwas wie ein Wechselbad der Gefühle - obwohl das Bild nicht ganz passt, denn an Wasser mangelt es auch in diesem Jahr. Im Grunde ist auch 2020 bislang deutlich zu trocken - und das im wahrsten Sinne des Wortes: Die aktuellen Grundwasserstände im Land liegen teils erheblich unter den langjährigen Juli-Mittelwerten. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Hydrologischen Wochenbericht des brandenburgischen Landesumweltamtes (LfU) hervor. Tendenz fallend, obwohl es zuletzt häufiger geregnet hat. Teils sehr zum Ärger von Urlaubern und Ferienkindern.

Es war öfter mal kühl, und folgt man dem »Niederschlagssummen-Service« des Deutschen Wetterdienstes (DWD), entsteht der Eindruck, dass es zwischen dem 14. und dem 20. Juli überall in der Region tatsächlich hin und wieder ganz ordentlich geregnet haben muss. Mancher Landkreis dürfte demnach bis zu 25 Millimeter Niederschlag an einem Tag abbekommen haben. Doch die täglich aktualisierte Übersicht belegt auch, dass der Regen mancherorts sogar ausblieb. Die Westprignitz zum Beispiel, Teile der Uckermark und des Spree-Neiße-Kreises sind demnach in der letzten Woche trocken geblieben.

Der Wetterdienst eines TV-bekannten privaten Dienstleisters sagt für Ende Juli/Anfang August in Berlin stabiles Sommerwetter mit nur gelegentlichen leichten oder mäßigen Niederschlägen voraus. Die Temperaturen dagegen steuern auf die 35-Grad-Marke zu - ideal für Freibad und Baggersee, zumal die Wasserqualität der allermeisten offiziellen Badegewässer nicht zu beanstanden ist.

Für die Land- und Forstwirtschaft und den Gartenbau in Berlin-Brandenburg ist die Lage indes dramatisch, und eine Trendwende ist angesichts des Klimawandels langfristig nicht in Sicht. »Der Regen der letzten Tage brachte leider nicht überall Entspannung. Die Niederschlagsmengen im Juni zwischen sieben und 100 Litern zeigen die deutlichen Differenzierungen in Brandenburg«, teilte Sven Deter, Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, zum Beginn der diesjährigen Getreideernte in Tauche (Oder-Spree) mit. Und sein Chef, Landesbauernpräsident Henrik Wendorff, schlug mit seinen fünf ostdeutschen Kollegen in der vergangenen Woche bei Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) Alarm. In einem Brief beschrieben sie die geografischen und klimatischen Gegebenheiten ihrer Länder als Trockenregionen, geprägt von großen Gebieten mit Niederschlägen unter 500 Millimetern im langjährigen Jahresmittel und einer negativen klimatischen Wasserbilanz. »Das heißt, es verdunstet mehr Wasser als es Niederschläge gibt.«

Der Juni jedenfalls schien das zu bestätigen, machte doch der DWD Berlin mit 19,4 Grad Celsius als wärmste Bundesland aus, gefolgt von Brandenburg (18,5 Grad). Mit einer Niederschlagsmenge von 55 beziehungsweise 45 Litern pro Quadratmeter im Monat zählte er Brandenburg und Berlin zu den trockensten Gebieten Deutschlands.

Vor drei Wochen hat Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Axel Vogel (Grüne) als Reaktion auf die Trockenheit brachliegende Flächen im Land zur Futternutzung freigegeben. »Trotz vereinzelter Niederschläge in den zurückliegenden Wochen und Monaten bleibt die Versorgung der Tierbestände mit ausreichend Futter in den Ländern Brandenburg und Berlin weiterhin angespannt«, teilte sein Ministerium mit. In einzelnen Landkreisen sei die Situation kritisch - Vogel nannte Dahme-Spreewald, Havelland, Märkisch-Oderland, Oberspreewald-Lausitz und Uckermark.

Neben dem zeitweiligen Futteranbau auf Brachen von sogenannten ökologischen Vorrangflächen sowie auf Puffer- und Feldrandstreifen, rückt auch in Brandenburg die künstliche Bewässerung wieder ins Interesse. In der DDR mit ihrer intensiven Landwirtschaft und Billigpreisen für Strom und Wasser weit verbreitet, galt das aus Sicht des brandenburgischen Agrarministerium lange als unwirtschaftlich. Lediglich beim Gemüseanbau sah man da Möglichkeiten. Nur zwei Prozent der märkischen Agrarfläche wurden 2015 beregnet. Unlängst sprach Ekkehard Fricke vom Fachverband Feldberegnung im rbb-Fernsehen von einer Trendumkehr: »Die trockenen Jahre haben einen Boom der Bewässerungsanlagen ausgelöst«, so Fricke.

Doch die künstliche Beregnung stößt wegen der Eingriffe in den natürlichen Wasserkreislauf nicht nur auf Zustimmung. Sie ist in Brandenburg streng geregelt, doch Umweltverbände warnen. Es geht dabei nicht nur um Tiefbrunnen. In den Dürrejahren 2018 und 2019 hatten die Behörden auch die Entnahme von Oberflächenwasser aus Fließgewässern und Seen zu deren Schutz reglementiert.

Im südlichen Brandenburg managt die brandenburgisch-sächsische Arbeitsgruppe »Extremsituation« den sparsamen Umgang mit der kostbaren Ressource Wasser. Gebildet 2018 tagt sie in kurzen Abständen, um durch gezielte Bewirtschaftung in den Einzugsgebieten der Spree und Schwarzen Elster das sehr knappe Wasser optimal und möglichst verlustarm einzusetzen. Es geht darum, diese Flüsse in Zeiten der Trockenheit durch die Zuführung von Wasser aus Speicherbecken in beiden Ländern kontinuierlich am Fließen zu halten. Anfang Juli kam sie bereits zum 20. Mal zusammen.

Wie das Landesumweltamt Brandenburg (LfU) mitteilte, hat es im Juni immerhin soviel geregnet, dass sich die Lage im Spreewald kurzfristig etwas verbessert. Bei Cottbus waren mit 58 Millimetern überdurchschnittliche Niederschlagsmengen gemessen worden. Im Oberlauf der Spree fiel dagegen wesentlich weniger Regen. Der Pegelstand des Flusses konnte stabilisiert werden, doch liegt der Durchfluss weiter weit unter dem langjährigen Mittelwert. »Die Niedrigwassersituation hält also weiterhin an«, lautet die Einschätzung des Amtes.

An der Schwarzen Elster verschärfe sich die Lage wegen sehr geringer Abflüsse und Niederschläge sogar noch, so das LfU. An der Landesgrenze zu Brandenburg falle der Fluss trocken. Zu seiner Stabilisierung und zur Verbesserung der Wasserqualität wird weiter nördlich, bei Plessa (Elbe-Elster), Wasser aus einer Grubenwasserreinigungsanlage zu᠆geführt, um das Potenzial des Speicherbeckens Niemtsch einstweilen zu schonen.

In dieser Situation kommt es auf den Zustand der Rückhaltebecken an. Der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) haben die Niederschläge kaum etwas gebracht, dort sinke der Wasserstand um ein bis zwei Zentimeter pro Tag. Im oberen Einzugsgebiet der Spree in Sachsen, wo deutlich weniger Regen als in Brandenburg gefallen ist, sei die Lage sehr angespannt, heißt es. So könne die Talsperre Quitzdorf 2020 trotz der Niederschlage nicht für die Stützung von Spree und Schwarzer Elster genutzt werden. Bereit stünden auch das Speicherbecken Bärwalde und die nur zu 70 Prozent gefüllte Talsperre Bautzen.

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