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Kreuzfahrer stechen wieder in See

Trotz Kritik starten vom Hamburger Hafen aus nach dem Corona-Shutdown die ersten Reisedampfer

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Bild aus besseren Tagen – Party auf der »Mein Schiff 2« von TUI
Ein Bild aus besseren Tagen – Party auf der »Mein Schiff 2« von TUI

Kaum scheint die Corona-Pandemie abzuklingen, wollen die großen Kreuzfahrt-Reedereien ihre Schiffe wieder losschicken. Diesen Freitag legt im Hamburger Hafen aus der erste Kreuzer wieder ab. »Mein Schiff 2« gehört TUI Cruise, einem Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Reisekonzerns TUI und der amerikanischen Royal Caribbean Cruises, der zweitgrößten Kreuzfahrtgesellschaft der Welt. Die erste Fahrt führt nach Norwegen, dauert nur drei Tage und endet wieder in Hamburg. Aus Sicherheitsgründen begrenzt TUI Cruises die Kapazität an Bord zum Start auf maximal 60 Prozent.

»Alles inklusive« gibt es den Spaß in der Doppelkabine ab 599 Euro. Doch mit den Vor-Corona-Reisen hat die Tour wenig gemein. Die Passagiere erhalten ein enges Zeitfenster für ihre Anreise, um größere Ansammlungen zu vermeiden. Alle Kabinen werden vor Ankunft der etwa 1700 Gäste desinfiziert, die Sonnenliegen mit einem Abstand von zwei Metern auf dem Deck platziert. Buffets wird es nicht geben, an den Bars werden die Sitzplätze gesperrt, Poolpartys fallen aus. Auch Landgänge sind nicht vorgesehen. Weitere Kurzreisen sind geplant.

In einer gemeinsamen Aktion hatten am 9. Juli die großen deutschen Kreuzfahrtunternehmen den Neustart angekündigt. Hapag-Lloyd Cruises schickt Ende Juli die »Hanseatic inspiration« los. Für die maximal 150 Passagiere geht es Richtung Dänemark. Spätere Fahrten der Reederei sollen auch in der Nähe bleiben: Der Nord-Ostsee-Kanal und Helgoland stehen auf dem Programm.

Die Hygiene- und Präventionsmaßnahmen der Reedereien ähneln sich. Unter der Federführung Hamburgs haben zahlreiche Behörden, Hafenadministrationen und der Kreuzfahrtverband CLIA gemeinsam einen 10-Punkte-Plan für den Neustart erarbeitet. »Die ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten ermöglicht Kreuzfahrten auch in Zeiten von Corona«, sagte CLIA-Direktor Helge Grammerstorf. »Wir überstürzen nichts«, reagierte Karl Pojer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hapag-Lloyd Cruises auf Kritiker, die befürchten, dass der Neustart zu früh ist. Man gehe sogar über die behördlichen Bestimmungen hinaus. Die kleinen norwegischen Postschiffe von Hurtigruten hatten es vorgemacht. Schon vor vier Wochen stach die »Fridtjof Nansen« mit 150 Gästen von Hamburg aus in See.

Kritik hatte es allerdings auch schon während der Zwangspause gegeben. Bis zu sieben Kreuzfahrtschiffe lagen gleichzeitig im Hamburger Hafen. Auch in Rostock, Kiel, Bremerhaven und an anderen Liegeplätzen warteten Dampfer die Coronakrise ab oder dockten in Werften ein.

»Die Dieselmaschinen, die da Tag und Nacht im Hafen laufen, sind sehr viel dreckiger als der gegenwärtige Auto- oder Lkw-Verkehr«, kritisierte der hafenpolitische Sprecher der Hamburger Linken, Norbert Hackbusch. Die Motoren produzieren Strom, um die Technik instand zu halten. Außerdem, heißt es aus Reederkreisen, befand sich mehr Besatzung an Bord als betrieblich nötig, denn aufgrund von Einreisebeschränkungen in Asien und Osteuropa gab es Probleme beim Crew-Wechsel für Seeleute.

In der Branche hofft man, dass im Herbst die zweite Phase starten kann. Je nach Öffnung weiterer Häfen sollen erste ausländische Häfen in Kurzreiseprogramme integriert werden. Zusammen mit den Häfen soll geprüft werden, wie die Hygienestandards an Bord auch während der Landgänge eingehalten werden können.

Mehrere Bundestagsabgeordnete der Grünen fordern anlässlich des Neustarts eine begrenzte Zahl von Passagieren für die Kreuzfahrt. Pro Schiff sollen weltweit nicht mehr als 5000 Gäste transportiert werden. »Einem in weiten Teilen betriebenen ›Overtourism‹, also dem Einfallen von Menschenmassen in besonders sensiblen Orten wie Venedig, Dubrovnik oder in den Polargebieten und Meeresarealen mit bisher unberührten Korallenriffen, sind in Zukunft deutliche Grenzen zusetzen«, heißt es in einem Papier der Politiker. Der Umwelt zuliebe, aber auch im Sinne der Beschäftigten an Bord und der Bewohner an den Zielorten müsse die Kreuzfahrt wieder in einem gemäßigteren Rahmen stattfinden.

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